Folkston: So kaperten vier Häftlinge die Video-Software der Anlage

Vier Häftlinge im Folkston ICE Processing Center haben die hauseigene Video-Software für ein Enthüllungsvideo genutzt – The Verge wertet es als seltenes Zeugnis aus privater US-Abschiebe-Haft.

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TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Folkston ICE: Häftlinge filmten mit Anlage-Software.

Vier Häftlinge des Folkston ICE Processing Center im ländlichen Georgia haben die Video-Konferenz-Software der Einrichtung kurzerhand als Aufnahme-Kamera benutzt – und damit einen seltenen Blick hinter die Mauern einer privaten US-Abschiebe-Haft ermöglicht. Das berichtet The Verge unter Berufung auf ein fünfminütiges Video, das die Männer aus der Anlage heraus veröffentlicht haben.

Im Zentrum der Aufnahme steht nach Darstellung von The Verge nicht die Haft selbst, sondern die Funktionsweise der US-Einwanderungs-Gerichte unter Präsident Donald Trump. Die vier Inhaftierten sprechen dem Bericht zufolge von einer feindlichen Übernahme der Gerichte und einem System, das Asylsuchende bewusst über Monate oder Jahre im Ungewissen halte. The Verge fasst die Schilderungen der Männer so zusammen, dass sie in einem absichtlich dysfunktionalen Verfahren säßen – in privat betriebenen Einrichtungen, die an ihrer Inhaftierung verdienten.

So wurde die Anlage-Software zur Kamera

Das Folkston ICE Processing Center nutzt nach Angaben von The Verge eine Video-Konferenz-Software, die Inhaftierte eigentlich für Gespräche mit Anwälten oder Familien einsetzen sollen. Vier Männer hätten das System genutzt, um ihre Aussagen direkt vor die Kamera zu sprechen. Was als Kommunikationskanal gedacht war, wurde so zur Plattform einer Veröffentlichung.

Die Veröffentlichung habe die Männer unmittelbar etwas gekostet, schreibt The Verge: „The video cost the men, literally and figuratively.“ Welche konkreten Konsequenzen sie tragen, etwa beim Arbeitsprogramm oder im Verfahren, geht aus dem Bericht nicht hervor.

Hungerlohn im Arbeitsprogramm, Vertrag mit der GEO Group

Die Einrichtung verfügt nach The Verge über ein internes Arbeitsprogramm: Inhaftierte kochen demnach, waschen oder reinigen für einen „Hungerlohn“ (a pittance). Diese Einkünfte seien innerhalb der Anlage oft die einzige Möglichkeit, sich kleine Dinge wie Hygieneartikel oder Snacks zu leisten.

Betrieben wird das Folkston ICE Processing Center vom privaten Gefängniskonzern GEO Group, wie GPB und The Current Georgia berichten. ICE hatte nach Überprüfungen zwar weniger Verstöße als noch vor 2019 festgestellt, den Vertrag mit dem Unternehmen aber dennoch fortgesetzt. Auch ein Besuch von Ermittlern des Heimatschutz-Inspekteurs im November 2021 hatte keine Trennung vom Betreiber zur Folge.

Hungerstreik, Gewalt und weitere Vorwürfe

Das Video aus Folkston steht nicht allein. Nach Schätzungen von Anwälten, die The Guardian zitiert, beteiligen sich mindestens 73 inhaftierte Migranten an einem Hungerstreik in der Anlage. The Guardian bezeichnet den Komplex als „Folkston D Ray James ICE processing center“ – das Folkston ICE Processing Center ist Teil des D. Ray James Detention Complex in Südost-Georgia.

Aus einer anderen ICE-Einrichtung in Georgia, dem Stewart Detention Center, berichtet Atlanta News First unter Berufung auf Angehörige und Abgeordnete, Inhaftierte müssten dort auf dem Boden schlafen, ohne Essen auskommen und Duschen als Toiletten benutzen. Die Zustände seien als „unjust torture“ und „medical neglect“ beschrieben worden.

Eine Analyse der Washington Post, auf die der Charlotte Observer verweist, hat nach eigenen Angaben rund 1.460 Fälle dokumentiert, in denen Wachpersonal seit Januar 2024 Gewalt gegen Inhaftierte einsetzte – die meisten davon im Jahr 2025.

Was die Aufnahme leistet – und was sie offenlässt

Das Video aus Folkston ist ein Selbstzeugnis aus einer Einrichtung, die sonst vor allem durch Klagen von Anwälten und Berichte von Angehörigen nach außen dringt. Es verweist auf Strukturen – ein privater Betreiber mit langjährigem ICE-Vertrag, ein Arbeitsprogramm mit Mini-Löhnen, ein überlastetes Einwanderungs-Gerichtssystem –, die unabhängig vom Einzelfall seit Jahren in der Kritik stehen. Was die fünfminütige Aufnahme nicht klärt: wie es den vier Männern nach der Veröffentlichung ergeht und ob aus dem Inneren der Anlage weiteres Material folgt.

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