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Neun Jahre nach dem Mord: Maltas Justiz unter Druck

Neun Jahre nach dem Autobombenanschlag auf die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia hat ein Gericht den Geschäftsmann Yorgen Fenech freigesprochen. Der Fall wirft Fragen über Maltas Justiz auf.

2 Min. Lesezeit
Neun Jahre nach dem Mord: Maltas Justiz unter DruckAI MODIFIED

TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Freispruch im Mordfall Caruana Galizia: Maltas brüchige Aufklärung.

Am 16. Oktober 2017 wurde die maltesische Investigativjournalistin Daphne Caruana Galizia in ihrem Wagen nahe ihrem Haus in die Luft gesprengt. Neun Jahre später hat ein Gericht in Malta den Geschäftsmann Yorgen Fenech vom Vorwurf freigesprochen, die Autobombe in Auftrag gegeben zu haben. Für dich hier in Deutschland geht die Frage über die kleine Insel hinaus: Was ist ein EU-Rechtsstaat wert, wenn die Seilschaften größer wirken als die Justiz?

Wer war Daphne Caruana Galizia?

Caruana Galizia recherchierte über Maltas Mächtige, schrieb auf einem eigenen Blog, unter ihrem Namen, ohne den Schutz einer großen Redaktion. Mit 53 Jahren galt sie als eine der profiliertesten Investigativreporterinnen des Landes. Ihr Tod wurde zum politischen Erdbeben: Laut SPIEGEL stürzte der Fall 2020 die damalige Regierung.

Was geschah im Verfahren?

Nach Angaben der Tagesschau sprach ein Gericht auf Malta nach einem sechswöchigen Verfahren zwei Männer der Beihilfe zum Mord schuldig. Die SPIEGEL-Themenseite spricht von insgesamt drei Männern in maltesischer Haft wegen des Mordes. Welche Rolle die einzelnen Angeklagten spielten, berichten die Quellen mit unterschiedlichem Schwerpunkt – sicher ist: Einer der mutmaßlichen Hauptverdächtigen ist jetzt frei.

Die Süddeutsche Zeitung stuft den Fall als „größten Mordfall Maltas" ein. Euronews berichtet von Empörung im Land nach dem Freispruch. Beide Zeitungen halten fest, dass Yorgen Fenech – ein Geschäftsmann, der als mutmaßlicher Drahtzieher galt – vom Vorwurf der Planung des Autobombenanschlags freigesprochen wurde.

Neun Jahre später nährt ein Freispruch den Verdacht, dass die Seilschaften im kleinsten EU-Land stärker sein könnten als die Justiz.

Quelle: SPIEGEL

Warum beunruhigt das über die Insel hinaus?

Ein Freispruch ist juristisch kein Schuldspruch – aber er verschiebt das Bild. Wenn der Hauptverdächtige freikommt und nur Mittäter verurteilt werden, bleibt das Netzwerk im Hintergrund im Dunkeln. Genau hier setzt die SPIEGEL-Analyse an.

Die Familie Caruana Galizia hatte schon kurz nach dem Attentat einen dringenden Appell an die maltesische Justiz gerichtet: Sie bat, die Voruntersuchung nicht der turnusmäßig zuständigen Untersuchungsrichterin zu überlassen, weil es in der Vergangenheit mehrfach Konflikte gegeben hatte. Allein die Notwendigkeit einer solchen Bitte zeigt, wie belastet das Vertrauen in die Institutionen war.

Was bleibt offen?

Wie viele Verfahren noch folgen, ob es Berufungen oder neue Ermittlungen gibt – all das lässt sich aus den vorliegenden Quellen nicht ablesen. Klar ist: Eine Journalistin ist tot, drei Männer sitzen, einer der mutmaßlichen Hauptverdächtigen ist frei, und die Familie kämpft seit neun Jahren um Aufklärung. Für dich in der EU bleibt eine unbequeme Frage: Wenn der kleinste Mitgliedstaat an der Aufklärung eines politischen Mordes dieser Größenordnung fast ein Jahrzehnt lang scheitert – was sagt das über die Belastbarkeit europäischer Justiz?

Mehr zum Thema: SPIEGEL-Themenseite zum Fall · Wikipedia-Eintrag zu Daphne Caruana Galizia

Quellen

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