Gaming für Christen: Warum die Game Wave aus Kanada nie Mainstream wurde
Ein kanadischer Hersteller versuchte mit der Game Wave, Christen vor den Bildschirm zu locken. Das Ergebnis: Bibel-Quizze und ein Mario-Party-Klon mit Gemüse.
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Bei Amazon ansehenTVS News KI redaktionell betreut präsentiert Game Wave: Kanadas christliche Spielkonsole, die Christen zu Gamern machen wollte.
Knapp 100 Dollar, vier fernbedienungsähnliche Controller, keine Action wie in Half-Life oder Oblivion - dafür Bibel-Quizze und ein Partyspiel mit redenden Gemüsefiguren. So sah 2005 der ambitionierte Versuch der kanadischen Firma Zapit aus, mit dem Game Wave Family Entertainment System christliche Haushalte in Kanada und den USA zu erreichen. Die Rechnung war ungewöhnlich, aber strategisch gedacht: In einer Zeit, in der ein Anwalt Spiele wie Grand Theft Auto am liebsten verbieten lassen wollte, weil sie Jugendliche angeblich zu Gewalttätern machten, sollte eine Konsole her, die ohne Blut, Bomben und Bossgegner auskam.
Das GameStar-Magazin hat das kuriose Kapitel jetzt noch einmal ausgegraben - und die Geschichte liest sich wie ein gut gemeinter Griff ins falsche Regal.
Eine Konsole, die aussieht wie ein DVD-Player
Beim ersten Blick auf die Game Wave war nicht immer klar, dass es überhaupt ums Spielen ging: Das Gerät ähnelte eher einem DVD-Player als einer klassischen Spielkonsole. Vier controller-ähnliche Fernbedienungen lagen bei, mit denen bis zu vier Spielerinnen und Spieler in Trivia-Quizzes und Partyspielen gegeneinander antraten. Für knapp 100 US-Dollar kam das System 2005 in Kanada und den USA in den Handel - inklusive des Quiz-Spiels 4 Degrees: The Arc of Trivia.
Die Zielgruppe: konservative, christliche Haushalte
Schnell erkannte Zapit eine Marktlücke, die abseits der üblichen Nintendo-, Sony- und Microsoft-Pfade lag: konservative, christliche Familien, die mit Titeln wie Half-Life oder Oblivion nichts anfangen konnten. Statt brutaler Action sollten freundschaftlicher Wettbewerb und eine fromme Botschaft im Mittelpunkt stehen. 2006 legte Zapit deshalb die Bibel-Edition von 4 Degrees: The Arc of Trivia nach - Spielerinnen und Spieler traten darin gegeneinander an, um ihre Bibelfestigkeit unter Beweis zu stellen.
Von der Bibel zum Gemüse-Mario-Party
Damit war der Fuß in der Tür, aber das Kassenklingeln blieb aus. Es brauchte etwas, das mehr nach Spiel schrie als nach einem Brettspiel aus den 80ern. Also orientierte man sich am Marktführer für Familienfreundlichkeit - und kopierte Nintendos Mario Party. Für den Klon tat Zapit sich mit der Animationsserie VeggieTales zusammen, in der die Gemüsemännchen Bob Tomate und Larry Gurke christliche Werte an Kinder vermittelten. VeggieTales war ein Hit und wurde sogar für den deutschen Markt synchronisiert - der Schachzug war also durchaus clever. Heraus kam VeggieTales: Veg-Out! Family Tournament, in dem bis zu vier Personen in einer Reihe von Minispielen gegeneinander antraten.
Live-Tour, Gewinnspiele und das Aus
2008 wurde Zapit sogar Partner der VeggieTales-Livetour mit dem schmissigen Namen God Made You Special Live!. Während der Veranstaltung konnten Familien vor Ort Veg-Out spielen und eine Game Wave gewinnen - eine ziemlich direkte Brücke zwischen TV-Show und Konsole. Es folgte noch eine Handvoll weiterer Spiele, darunter Gemz, das sich am Casual-Klassiker Bejeweled orientierte. Doch die konservative Kaufkraft reichte offenbar nicht aus, um gegen die Platzhirsche der Branche zu bestehen. 2009 wurde die Produktion der Game Wave eingestellt, Zapit machte dicht.
Wie VeggieTales auf dem Handy weiterlebte
Wer auf mehr VeggieTales-Spiele gehofft hatte, wurde immerhin auf Mobilgeräten noch bis 2015 bedient - mit Titeln wie dem Lernspiel Scribble My VeggieTales Story und dem Weihnachtsabenteuer It's a Very Merry Larry Christmas, in dem Kinder eine Gurke durch die Feiertage begleiten. Die Game Wave selbst ist heute vor allem eine kuriose Fußnote der Gaming-Geschichte - ein Versuch, der gut gemeint war, am Markt aber nicht zündete.
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