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Forscher warnen: Android-Datenmigration war über Jahre unsicher

Sicherheitsforscher der TU Graz haben in allen sieben untersuchten Android-Migrations-Apps Schwachstellen entdeckt. Betroffen sind Tools von Google, Samsung, Xiaomi, Vivo, Oppo, Huawei und Honor mit zusammen über zwölf Milliarden Downloads.

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Forscher warnen: Android-Datenmigration war über Jahre unsicherAI MODIFIED

TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Handywechsel: Alle sieben Android-Transfer-Apps hatten Sicherheitslücken.

Stell dir vor, du stehst in einem Elektronikfachgeschäft, ein neuer Vertrag ist unterschrieben, das frische Android-Gerät liegt in der Hand – und schon wandern Fotos, Chatverläufe und gespeicherte WLAN-Schlüssel über eine App des Herstellers auf das Display. Was sich nach Routine anfühlt, war über Monate ein offenes Einfallstor. Sicherheitsforschende der TU Graz haben in Kooperation mit dem Zentrum für sichere Informationstechnologie A-SIT insgesamt sieben weit verbreitete Datenmigrations-Apps für Android unter Realbedingungen auseinandergenommen. Ihr Befund fällt eindeutig aus: Keine einzige der geprüften Anwendungen hielt den Tests stand.

Die Studie im Überblick

Unter dem Titel „Clone2Pwn: A Systematic Security Analysis of Data Migration Tools in the Android Ecosystem“ präsentierte das Team um Florian Draschbacher (neben Lukas Maar, Lorenz Schumm, Rene Denifl, Lukas Treffner und Stefan Mangard) die Resultate im Oktober 2026 auf dem European Symposium on Research in Computer Security (ESORICS) in Rom. Geprüft wurden die Telefone-Übertragungs-Tools von sieben Herstellern – und zwar Switch von Google, Smart Switch von Samsung, EasyShare von Vivo, Mi Mover von Xiaomi, Clone Phone von Oppo, Phone Clone von Huawei sowie Device Clone von Honor. Die Bilanz: In jeder dieser Apps fanden die Forschenden Schwachstellen, die sich in unterschiedlichen Angriffsszenarien ausnutzen ließen.

So lief der Test ab

Die Migrationsprogramme stellen für den Geräteumzug üblicherweise eine direkte WLAN-Verbindung zwischen den beiden Smartphones her, ganz ohne Umweg über einen Cloud-Server. Allein dieses Verfahren schützt jedoch noch nicht, betonen die Forschenden. Sie formulierten sechs separate Angriffsszenarien und übersetzten diese in 15 konkrete Sicherheitsanforderungen. An diesem Maßstab wurde jede App gemessen.

Was im Ernstfall passieren konnte

Die Reichweite solcher Attacken ist erschreckend alltagsnah: In geschlossenen Räumen genügten 20 bis 45 Meter Abstand, um den Datenstrom abzufangen. Standard-Hardware für unter 100 Euro reichte aus. Gelang der Angriff, öffneten sich SMS, Kontaktlisten, Bildergalerien, Anrufprotokolle und zum Teil medizinische Informationen – einschließlich WLAN-Passwörtern und Zugangsdaten für andere Apps. Bei fünf der sieben Programme ließen sich außerdem manipulierte Installationspakete auf das Zielgerät schmuggeln, was Schadsoftware den Weg ebnete. Drei Apps waren zusätzlich über bereits vorhandene Schadsoftware auf dem Quellgerät verwundbar.

Die Verbreitung macht das Problem groß

Was die Sache verschärft: Diese Apps sind ab Werk auf fast jedem Android-Smartphone installiert und werden beim Gerätewechsel routinemäßig genutzt. Insgesamt verzeichnen die betroffenen Anwendungen zusammen mehr als zwölf Milliarden Downloads – wobei diese Zahl Installationen zählt, nicht zwingend unterschiedliche Personen. Als neuralgische Orte benennt die Studie vor allem Elektronikmärkte und Mobilfunk-Shops, wo tagtäglich zahlreiche Geräte frisch eingerichtet werden.

Unterschiedliche Schweregrade

Wie verwundbar eine App war, variierte von Hersteller zu Hersteller. Samsung Smart Switch und Vivo EasyShare offenbarten in je drei der sechs Szenarien Schwächen. Google Android Switch schnitt mit einem nachgewiesenen Szenario am besten ab, allerdings konnte hier die schwach gesicherte WLAN-Verbindung entschlüsselt und mitgelesen werden. Sechs der sieben Anwendungen litten unter zu schwachen WLAN-Passwörtern oder sonstigen Funk-Lücken. Bei Google betraf der Datenabfluss auch Gesundheitsinformationen – darunter Angaben zur sexuellen Aktivität und reproduktiven Gesundheit, die sich zudem nicht selektiv vom Transfer ausschließen ließen. Datenmanipulation während der Übertragung ließ sich bei Google allerdings nicht belegen.

Wie Samsung ins Visier geriet

Bei Smart Switch nutzten die Forschenden eine Schwachstelle bereits beim Verbindungsaufbau. Sie schalteten sich zwischen die Geräte und sahen Nachrichten, Fotos, Kontakte und hinterlegte WLAN-Zugangsdaten im Klartext. Zusätzlich gelang es, eine laufende App-Installation durch ein präpariertes Paket zu ersetzen – und so Schadsoftware auf das neue Telefon zu bringen. Auffällig: Samsung hatte zwar eine stärkere WLAN-Verschlüsselung im Programm als mehrere Mitbewerber, doch der lückenhafte Verbindungsaufbau wog diesen Vorteil wieder auf.

Verantwortliche Offenlegung und Reaktion

Bevor die Arbeit öffentlich wurde, informierten die Forschenden alle betroffenen Konzerne im Rahmen einer Responsible Disclosure. Das Ergebnis: acht offiziell registrierte Schwachstellen, fünf davon mit hoher Einstufung. Sämtliche sieben Hersteller bestätigten die Funde und stellten im Anschluss Sicherheitsupdates bereit. Schutz besteht indessen nur dort, wo die Patches tatsächlich aufgespielt wurden. Da sich die dokumentierten Angriffe auf bestimmte, inzwischen teils überholte Softwareversionen beziehen, hängt das persönliche Risiko jeweils vom Softwarestand ab.

Weil diese Apps bereits vorinstalliert sind und sehr bequem für den Datenumzug auf ein neues Handy sind, haben diese Sicherheitslücken enorme Auswirkungen.

Quelle: Florian Draschbacher, Sicherheitsforscher an der TU Graz

Konkrete Empfehlungen vor dem nächsten Umzug

Wer demnächst ein neues Android-Handy einrichtet, sollte folgende Punkte abarbeiten, bevor die Daten wandern: Auf altem wie neuem Gerät das aktuellste Betriebssystem- und Sicherheitsupdate einspielen. Sicherstellen, dass die jeweils genutzte Transfer-App in der jüngsten Version vorliegt – teilweise ist dafür ein vollständiges OS-Update nötig. Den Umzug nach Möglichkeit zu Hause durchführen, nicht im belebten Ladengeschäft. Beim Einrichten ausschließlich die Verbindung zum eigenen neuen Gerät bestätigen. Nach Abschluss prüfen, ob alle Daten vollständig angekommen sind und keine fremden Apps auftauchen. Eine Alternative für Samsung-Nutzer: Smart Switch unterstützt den Transfer per USB-Kabel zwischen Android-Geräten – das schließt Funk-Angriffe aus. Allerdings bleibt bereits vorhandene Schadsoftware auf dem Quellgerät selbst beim Kabel ein Risiko, weshalb der Softwarestand des Altgeräts ebenso gepflegt sein sollte.

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