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KI macht die Geisterjagd technisch genauer – und verdächtiger

KI-Chatbots verändern die Geisterjagd: Apps wie GhostTube Seer verarbeiten Sensordaten, während Foren-Communities künstliche Geistergeschichten zunehmend ablehnen. Was das für die Suche nach dem Übernatürlichen bedeutet.

3 Min. Lesezeit
KI macht die Geisterjagd technisch genauer – und verdächtigerAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert die Reportage „KI-Geisterjagd: Wie Chatbots die Suche nach dem Übernatürlichen verändern“.

Kurzüberblick

Der Einsatz von KI verändert, wie Geisterjägerinnen und Geisterjäger heute mutmaßliche übernatürliche Signale suchen. Die App GhostTube Seer ordnet Sensordaten des Smartphones verschiedenen Wörtern in einer Datenbank zu und verlangt ein bezahltes Monatsabo.

Für die Community entsteht daraus eine Spannung: Technische Werkzeuge sollen Signale systematisieren, während KI zugleich künstliche Geistergeschichten und übernatürliche Bilder in Online-Räume bringt.

Wie KI aus Sensordaten eine Geistergeschichte macht

Wenn Amy Waine und Jarrad Cutting mutmaßlich übernatürliche Orte untersuchen, verwenden sie neben Messgeräten auch selbst entwickelte Software. Eine ihrer Anwendungen, GhostTube Seer, wird von ihnen als „the world’s first AI Ghost Hunting tool“ bezeichnet.

“If you’re using AI, you’re using some sort of language model, what data are you training it on to [determine] what’s a ghost?”

Quelle: Alex Matsuo, The Guardian

Die App erfasst Signale aus den Sensoren eines Smartphones, ordnet ihnen Wörter und Begriffe aus einer Datenbank zu und verarbeitet die Messwerte anschließend mit einem Bildgenerator. Auf diese Weise können aus technischen Signalen Darstellungen von Menschen, Tieren oder Gebäuden entstehen. Die erzeugten Bilder werden von den Nutzerinnen und Nutzern anschließend mit der Geschichte des untersuchten Ortes verknüpft.

In einem aktuellen Video besuchte das Paar die Winchester Mystery House. Während GhostTube Seer im Raum lief, entstanden unter anderem abstrakte Kompositionen mit Holzvertäfelungen und goldenen Vorhängen sowie Bilder von Frauen, Tieren und einem Schwarm weißer Vögel. Das Paar deutete diese Motive im Zusammenhang mit der Geschichte des Hauses.

Ein solches Vorgehen erweitert eine bereits vorhandene Praxis. Paranormale Ermittlerinnen und Ermittler verwenden EMF-Messgeräte, um elektromagnetische Felder zu messen und festgestellte Veränderungen oder Anomalien zu erfassen, die sie mit übernatürlicher Aktivität verbinden. Was die App erzeugt, bleibt dabei eine Deutung der Messwerte und nicht der Nachweis eines übernatürlichen Phänomens.

GhostTube Seer: mehr als eine Million Downloads

GhostTube Seer ist kein kostenloses Experiment. Die Anwendung verlangt ein bezahltes Monatsabo. Laut dem Eintrag im Google Play Store hat sie mehr als eine Million Downloads erreicht. Das zeigt, dass KI-gestützte Geisterjagd inzwischen als nutzbares Produkt verbreitet ist.

Die Downloadzahl sagt allerdings nichts darüber aus, ob die App übernatürliche Erscheinungen erkennen kann. Sie belegt lediglich, wie viele Menschen das Werkzeug installiert haben. Die entscheidende Deutung der Daten bleibt bei den Personen, die mit der Technik arbeiten.

Warum Foren KI-Geistergeschichten ablehnen

Seit der Veröffentlichung von ChatGPT im Jahr 2022 haben KI-generierte Geistergeschichten und Bilder des Übernatürlichen Online-Räume stark geprägt. Das populäre Forum r/Nosleep, das für gruselige Geschichten bekannt ist, hat deshalb eine strenge Politik gegen KI-generiertes Material eingeführt.

Damit reagiert die Plattform auf eine neue Situation: Eine Darstellung kann zunächst wie ein Bericht oder eine authentische Erinnerung wirken, während sie in Wahrheit künstlich erzeugt wurde. Für die Bewertung von Geschichten und Bildern wird der Nachweis der Herkunft daher wichtiger.

Neue Technik, alte Fragen

Die Entwicklung generative KI ist nicht neu. Thomas Edison versuchte bereits, mit einem „spirit phone“ Kontakt zu Verstorbenen aufzunehmen. Heute verfolgen sogenannte KI-„deathbots“ eine ähnliche Idee, allerdings mit deutlich moderneren technischen Mitteln.

Der Paranormalforscher und Autor Alex Matsuo, der selbst in der Technologiebranche arbeitet, sieht neben den Möglichkeiten auch kritische Fragen. Bei jedem neuen KI-Werkzeug für Geisterjäger frage sie, mit welchen Daten ein Sprachmodell trainiert werde und woran es einen Geist festmache. Außerdem stellt sie den Einsatz urheberrechtlich geschützter Kunstwerke in generativen Bildwerkzeugen infrage. Besonders kritisch sieht sie den Effekt von Geisterjagd-Chatbots, die Nutzerinnen und Nutzer in ihre eigenen „paranormalen Echokammern“ führen könnten.

Andere paranormal Interessierte nutzen KI deutlich positiver. Sean Austin, der in einer Travel-Channel-Serie über Geisterjagd auftrat, veröffentlichte die App Spirit Phone Innovations. Sie soll mit „advanced AI“ Audiosignale analysieren und elektronische Stimmen – sogenannte EVP – erkennen.

Matsuo hält das Kernmotiv der Geisterjagd trotz aller technischen Innovationen für menschlich. Viele Menschen würden dieses Hobby aufnehmen, nachdem sie Trauer oder einen anderen Verlust erlebt hätten. Die Suche nach Geistern könne für sie eine Weise sein, einen Verlust zu verarbeiten. Alle suchten letztlich nach etwas, das eine Antwort auf die Fragen nach dem Unbekannten geben oder die Existenz von Geistern bestätigen könnte.

Datenzentren als neue Bedrohung für Geisterorte

Mit dem schnellen Ausbau von Rechenzentren in den USA wächst auch deren räumlicher Einfluss. Eine ehemalige psychiatrische Anstalt in Pennsylvania, die zu einer beliebten Geisterhausattraktion geworden war, wurde Ende 2025 an einen Datenzentrumsentwickler verkauft. Der geplante Abriss sollte durch ein neues Rechenzentrum ersetzt werden. Im Mai konnten örtliche Einwohner das Vorhaben jedoch erfolgreich verhindern.

Damit trifft die Digitalisierung nicht nur die Werkzeuge der Geisterjäger. Sie kann auch die Orte verändern, an denen Menschen nach übernatürlichen Spuren suchen.

Fazit

Die Beispiele zeigen zwei parallele Entwicklungen: Apps wie GhostTube Seer statten die Geisterjagd mit Sensoren, Datenbanken und generativer KI aus. Gleichzeitig wächst die Menge künstlicher Geistergeschichten und -bilder, deren Herkunft nicht immer sofort erkennbar ist.

Je leistungsfähiger die Software wird, desto wichtiger bleibt die Frage, wer ein Signal oder eine Darstellung einordnet und auf welcher Grundlage. Die technische Erneuerung verändert die Suche nach dem Übernatürlichen – doch sie ersetzt weder die Interpretation noch die persönliche Bedeutung, die Menschen mit dieser Suche verbinden.

Mehr Quellen zum Thema: The Guardian, „Ghost in the machine: how AI is haunting the search for the supernatural“, online abrufbar.

Quellen

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AI-unterstützt · redaktionell betreut

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