EU-Kommission nennt TikTok-Algorithmus „schädlich“
Die EU-Kommission wirft TikTok vor, mit seinem Algorithmus Suchtgefahren sowie Ess- und Angststörungen zu fördern. TikTok soll die Funktionsweise ändern, andernfalls droht eine hohe Strafe.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert TikTok: EU-Kommission verlangt Änderungen an „schädlichem“ Algorithmus.
Die EU-Kommission hat TikTok am Freitag zu einer grundlegenden Änderung der Funktionsweise seiner App aufgefordert. Nach vorläufigen Ermittlungsergebnissen kann der Algorithmus besonders schutzbedürftige Nutzerinnen und Nutzer in sogenannte Rabbit Holes führen: Sie sehen wiederholt personalisierte Videos, verlieren sich immer tiefer in ein Thema und finden nur schwer wieder heraus. Die Behörde sieht darin ein Risiko für die psychische Gesundheit. TikTok muss deshalb nicht nur einzelne Videos oder Inhalte entfernen, sondern die „Für Dich“-Seite und ihre Empfehlungslogik neu ausrichten.
Das ist für dich direkt relevant, weil die Kommission nicht nur einzelne problematische Clips im Blick hat. Sie greift die Mechanik an, über die TikTok entscheidet, welche Videos dir besonders schnell angezeigt werden. Wer die App bisher vor allem über diese personalisierte Startseite nutzt, erlebt genau die Funktion, die nach den vorläufigen Feststellungen verändert werden muss.
Warum die „Für Dich“-Seite zum Zentrum des Verfahrens wird
Im Zentrum steht die „For You Page“, kurz FYP. Sie soll besonders schnell Inhalte anzeigen, die den jeweiligen Nutzerinnen und Nutzern interessieren. Nach Darstellung der Kommission wertet TikTok das Ansehen und Liken von Videoclips als Interesse und spielt anschließend mehr ähnliche Inhalte aus – teilweise auch extreme Videos.
Genau dieser Kreislauf kann nach Ansicht der Behörde schädlich werden. Wenn dieselben Themen immer wieder erscheinen, kann daraus ein Gefühl des Feststeckens entstehen. Die Kommission nennt als mögliche Folgen verstärkte Traurigkeit, Angststörungen, Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper und ein geringeres Selbstwertgefühl. Bei Menschen mit bestehenden Problemen könnten Essstörungen und psychische Krankheiten dadurch verschlimmert werden.
Wichtig ist die Einschränkung: Die Kommission formuliert eine Gefährdung durch die Funktionsweise der App, nicht einen automatischen Ausbruch einer Erkrankung bei jedem Nutzer. Die Vorwürfe stützen sich auf vorläufige Ermittlungsergebnisse. TikTok steht damit unter einem konkreten Handlungsdruck, auch wenn der endgültige Abschluss des Verfahrens noch nicht beschrieben ist.
Die Anordnung richtet sich gegen die bisherige Empfehlungslogik
Die Kommission weist TikTok an, die Funktionsweise der FYP grundlegend zu ändern. Der Algorithmus dürfe nicht mehr darauf basieren, wie lange Nutzerinnen und Nutzer ein Video ansehen. Stattdessen sollen sie mehr Kontrolle erhalten und stärker selbst festlegen können, was auf TikTok zu sehen ist.
Bisherige Gegenmaßnahmen hält die Behörde für nicht ausreichend. TikTok hatte bereits im Juli und im Februar dieses Jahres Änderungen vorgenommen. Nutzende können Videos über die Option „nicht interessiert“ von der Startseite verbannen. Nach Einschätzung der Kommission verändert das jedoch wenig am Algorithmus. Die Anforderung geht deshalb über einzelne Filteroptionen hinaus: Die Aufmerksamkeit der Nutzerinnen und Nutzer soll nicht länger als zentrales Signal für die Verteilung weiterer Videos dienen.
Bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes
Falls TikTok die Anweisung nicht umsetzt, droht nach Angaben der EU-Kommission eine hohe Strafe von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes. Die Quelle nennt weder eine konkrete Euro-Summe noch einen festen Zeitpunkt für eine Entscheidung. Klar ist aber die Größenordnung des Risikos: Es geht nicht um eine symbolische Korrektur einzelner Videos.
Die Kommission stützt ihre Anordnung auf den Digital Services Act (DSA). Der DSA verpflichtet große Onlineplattformen dazu, mehr gegen schädliche und illegale Inhalte auf ihren Plattformen zu unternehmen. TikTok wird deshalb nicht nur an einzelnen Beiträgen gemessen. Die Behörde prüft, ob das Empfehlungssystem selbst dazu beiträgt, dass Nutzerinnen und Nutzer in problematische Inhaltsschleifen geraten.
Die laufende Untersuchung geht außerdem über den aktuellen Streitpunkt hinaus. Bereits im Februar hatte die EU-Kommission TikTok vorgeworfen, süchtig machendes Design einzusetzen, sich unzureichend um den Schutz von Minderjähriger zu bemühen und Forschenden den Zugang zu öffentlichen Daten zu erschweren. TikTok bezeichnete diese vorläufigen Feststellungen damals als „kategorisch falsch“ und kündigte an, sie anzufechten. Damals war der Umgang mit der Plattform bereits Gegenstand eines formellen Verfahrens; der aktuelle Fokus auf die FYP fügt weitere, konkrete Anforderungen an die Gestaltung der App hinzu.
Für dich bleibt die entscheidende Konsequenz greifbar: Die Kommission will die Empfehlungen der „Für Dich“-Seite so verändern, dass deine Blickdauer nicht mehr automatisch die nächste Welle ähnlicher Videos steuert. TikTok muss die Funktion also nicht nur sicherer machen, sondern ihre zentrale Logik neu bauen. Ob und wann das geschieht, bleibt offen. Deutlich ist bereits jetzt: Die Folgen für deine Nutzung hängen nicht allein vom Inhalt einzelner Videos ab, sondern davon, wie TikTok deine Reaktionen auf diese Videos weiterverwendet.
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