Französischer Bürgermeister verletzt: Israelische Siedler attackieren EU-Diplomaten im Westjordanland
An zwei aufeinanderfolgenden Tagen haben israelische Siedler im Westjordanland eine US-Journalistin und einen Konvoi europäischer Diplomaten angegriffen. Ein französischer Bürgermeister wurde verletzt, die israelische Regierung reagierte.
AI MODIFIEDTVS News KI redaktionell betreut präsentiert Westjordanland: Israelische Siedler greifen US-Journalistin und EU-Diplomaten an.
Eine gebrochene Rippe, vier gebrochene Wirbel, ein aufgerissener Finger, an dem der Knochen frei lag – das ist die Bilanz eines Angriffs israelischer Siedler auf die US-Fotografin Heidi Levine von der Washington Post am Freitag nahe der Ortschaft Abu Falah im Westjordanland. Nur einen Tag später schlugen sieben maskierte Männer auf einen Konvoi europäischer Diplomaten ein und verletzten einen 78-jährigen französischen Bürgermeister. Damit stehen innerhalb von 48 Stunden zwei schwere Vorfälle nebeneinander, die sich beide während der laufenden Olivenernte ereigneten – und die zeigen, wie weit die Gewalt in diesem Herbst reicht.
Freitag in Abu Falah: Eine Fotografin mit sichtbarer „PRESS"-Weste
Levine trug eine Schutzweste mit der Aufschrift „PRESS" auf Vorder- und Rückseite. Das schützte sie nicht. Nach Angaben der Washington Post griffen Dutzende maskierte israelische Siedler palästinensische Dorfbewohner an, die Oliven ernteten. Die Angreifer setzten Olivenhaine in Brand und warfen Steine. Die Fotografin wurde zu Boden gestoßen und wiederholt getreten. Ihr wurden Kamera und Handy weggenommen. Sie erlitt Schnittwunden am ganzen Körper, eine gebrochene Rippe und vier gebrochene Wirbel – und einer ihrer Finger wurde so aufgerissen, dass der Knochen frei lag.
Die israelische Seite zeichnet ein anderes Bild. Ministerpräsident Benjamin Netanyahu erklärte auf X, die Umstände seien unklar und würden untersucht. Berichten zufolge hätten etwa 200 Araber und linksextreme Aktivisten etwa 40 israelischen Jugendlichen gegenübergestanden. Aufnahmen zeigten maskierte Personen auf beiden Seiten, die mit Gegenständen warfen, zudem seien Feuerwerkskörper auf jüdische Jugendliche abgefeuert worden.
Samstag in Taybeh: Sieben Männer umstellen einen Diplomatenkonvoi
Einen Tag später, erneut während der Olivenernte, ging es diesmal ausländische Diplomaten. Wie der Militärkorrespondent des israelischen Armeeradios, Doron Kadosh, auf X mitteilte, umstellten nach Augenzeugenberichten sieben maskierte Männer mit ihren Geländewagen ein Fahrzeug der Delegation. Sie verlangten Ausweise und zertrümmerten eine Fensterscheibe. Auf Videoaufnahmen ist zu sehen, wie ein Diplomat am Boden liegt. Nach AFP-Informationen handelt es sich um den 78-jährigen französischen Bürgermeister Bernard Baudoux. Die Diplomaten waren mit Fahrzeugen der französischen, belgischen und polnischen Mission im Westjordanland unterwegs. Eine Stellungnahme der israelischen Armee lag zunächst nicht vor.
Belgien zieht die Linie bis zur Siedlungspolitik
Die schärfste Reaktion kam aus Belgien. Außenminister Maxime Prevot verurteilte den Angriff auf das Schärfste und forderte: „Die Straflosigkeit gewalttätiger Siedler muss ein Ende haben." Diese Gewalt lasse sich nicht von Israels illegaler Siedlungspolitik trennen – Belgien verurteile sowohl den Ausbau der Siedlungen als auch Versuche, Palästinenser gewaltsam von ihrem Land zu vertreiben. Zugleich machte Prevot bekannt, dass der belgische Generalkonsul selbst Teil der Delegation gewesen sei – ein Detail, das die diplomatische Brisanz deutlich erhöht.
Sa'ars Verurteilung – und sein Vorwurf an die Diplomaten
Aus Israel kam eine für die rechtsgerichtete Regierung Netanyahus seltene klare Verurteilung. Außenminister Gideon Sa'ar erklärte: „Ich verurteile die schweren Gewalttaten israelischer Randalierer im Gebiet von Taybeh aufs Schärfste." Im selben Atemzug warf er den europäischen Diplomaten vor, sich nicht mit dem israelischen Militär abgestimmt zu haben. Für dich heißt das: Jerusalem verurteilt die Gewalt, will aber die Verantwortung für die Umstände teilweise bei den Gästen abladen.
Olivenernte als Brennglas einer eskalierten Gewalt
Israel hält das Westjordanland seit dem Sechstagekrieg 1967 besetzt. Dort leben rund drei Millionen Palästinenser und mehr als 500.000 israelische Siedler, deren Siedlungen nach internationalem Recht illegal sind. Unter Netanyahu hat Israel den Siedlungsbau stark vorangetrieben. Seit dem Großangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich die Lage auch im Westjordanland deutlich verschärft – immer wieder werden Palästinenser Ziel von Angriffen durch Siedler. Wenn bei der Olivenernte nun eine Fotografin der Washington Post mit gebrochenen Wirbeln im Krankenhaus landet und ein 78-jähriger Bürgermeister von Maskierten zu Boden gerissen wird, dann zeigt das, wie weit diese Gewalt über die palästinensischen Dörfer hinausreicht.
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