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Alpenmoore unter Druck: 86 Prozent tragen Spuren menschlicher Eingriffe

Eine neue Studie zeigt: 86 Prozent der Moore in den Alpen sind durch menschliche Eingriffe belastet. Straßen, Entwässerungsgräben und Landwirtschaft setzen ihnen zu – und die amtlichen Karten bilden den Zustand nicht mehr richtig ab.

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Alpenmoore unter Druck: 86 Prozent tragen Spuren menschlicher EingriffeAI MODIFIED

TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Alpenmoore unter Druck: 86 Prozent tragen Spuren menschlicher Eingriffe.

An 86,1 Prozent von 590 untersuchten Moorstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben Forschende sichtbare Spuren menschlicher Eingriffe gefunden. Straßen, Entwässerungsgräben und landwirtschaftliche Nutzung setzen den empfindlichen Ökosystemen in den Alpen damit flächendeckend zu – und das oft unerkannt, weil amtliche Karten die wahre Lage nur unzureichend abbilden.

Was die Studie konkret gefunden hat

Ein internationales Team unter Beteiligung der Universität Göttingen hat dafür Satellitenbilder und Geländedaten aus den Jahren 2019 bis 2023 ausgewertet. Die Ergebnisse sind im Fachjournal Communications Earth & Environment erschienen. Am häufigsten fanden die Forschenden Hinweise auf Infrastruktur wie Straßen oder Gebäude – an 59 Prozent der Standorte. Entwässerungsgräben entdeckten sie bei 46,4 Prozent, landwirtschaftliche Nutzung wie gemähte Flächen oder Weidespuren bei 26,6 Prozent. Auf 16,8 Prozent der Standorte bedeckten Bäume bereits mindestens 30 Prozent der Moorfläche.

Oft kommen mehrere dieser Veränderungen zusammen – und genau darin liegt das Problem. Moore entstehen nur dort, wo der Boden dauerhaft nass bleibt. Sinkt der Wasserspiegel durch Gräben oder Straßen, gelangt Sauerstoff in den Boden, der Torf zersetzt sich schneller und setzt dabei klimaschädliches CO₂ frei.

Warum die Karten nicht mehr stimmen

An einem Moor nahe Salzburg zeigt sich, wie stark die Landschaft den Karten davonläuft. Amtliche Unterlagen verzeichnen dort 15,5 Hektar Moorfläche. Das Satellitenmodell erkannte allerdings nur einen kleinen Teil davon als Moor. Luftbilder aus den Jahren 2007 bis 2024 zeigen neue Straßen und ein wachsendes Netz von Entwässerungsgräben – 2007 wirkte die Fläche noch weitgehend ungestört.

„Wir dachten vorerst, das Modell läge falsch. Doch dann fanden wir heraus, dass diese ‚zu kleinen‘ Moore meist auf Flächen mit sichtbaren Störungen wie etwa neuen Drainagegräben oder Wegen lagen“, erklärt Erstautor Marian Schönauer von der Mendel-Universität im tschechischen Brünn laut einer Mitteilung der Universität Göttingen.

Über alle Standorte hinweg übersah das Modell an Flächen mit sichtbaren Störungen durchschnittlich 60 Prozent der amtlich kartierten Moorfläche. An Flächen ohne solche Hinweise waren es 43,4 Prozent. Besonders kleine Moore ließen sich zudem schlechter erkennen. Allein Entwässerungsgräben oder Infrastruktur hatten allerdings keinen statistisch nachweisbaren Einfluss auf die Fehlerquote – entscheidend war vor allem zunehmender Bewuchs durch Bäume und landwirtschaftliche Nutzung.

Wie die Forschenden vorgegangen sind

Den größten Beitrag zur Erkennung lieferten optische Aufnahmen des europäischen Satelliten Sentinel-2: Anhand der Lichtreflexion lassen sich Unterschiede im Pflanzenbewuchs feststellen. Zusätzlich kombinierten die Forschenden Radaraufnahmen und Geländedaten. Gerade bei dicht bewachsenen oder kleinen Mooren stößt das Verfahren jedoch an Grenzen – für zuverlässige Aussagen über den tatsächlichen Zustand bleiben Untersuchungen vor Ort notwendig.

Was das für den Naturschutz bedeutet

Fehlen verlässliche Informationen über veränderte Moorflächen, lassen sich Schutzmaßnahmen kaum zielgerichtet planen – besonders gefährdete Gebiete könnten schlicht übersehen werden. Umgekehrt lieferte das Modell aber auch Hinweise auf bislang gar nicht erfasste Verdachtsflächen, die vor Ort überprüft werden müssen. Simon Drollinger von der Universität Göttingen bringt die Bedeutung auf den Punkt: „Alpine Moore sind kleine Lebensräume mit großer ökologischer Bedeutung: Sie speichern langfristig Kohlenstoff, regulieren den Wasserhaushalt und bieten spezialisierten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum.“ Die Empfehlung des Teams: Bestände regelmäßig per Satellit kontrollieren, auffällige Standorte anschließend gezielt vor Ort untersuchen – auf Entwässerung, Vegetationsveränderungen und mögliche Schäden.

Quellen

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