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Aus alt mach neu: Biblis wird Laser-Standort

Das Kernkraftwerk Biblis sollte abgerissen werden. stattdessen sollen Laser in den alten Reaktorblöcken schon bald Fusionsenergie erzeugen – ein überraschender Wendepunkt für einen der bekanntesten Atomstandorte Deutschlands.

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Aus alt mach neu: Biblis wird Laser-StandortAI MODIFIED

TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Statt Abriss: Biblis-AKW soll Laser-Fusion liefern.

Auf dem Gelände des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis stehen heute blaue und orange Container mit der Aufschrift „Radioactive". Bautrupps entkernen im Auftrag des Eigentümers RWE die Reaktorblöcke und transportieren darin schwach strahlendes Material ab. Doch nicht überall wird nur zurückgebaut – zwischen den Blöcken A und B entsteht gerade eine Halle für Lasersysteme. Hier will das Darmstädter Unternehmen Focused Energy die weltweit erste Anlage für Laserfusion bauen, also Energiegewinnung durch Verschmelzung von Atomkernen mithilfe starker Laserstrahlen – ein Verfahren, das bislang nur in Forschungseinrichtungen erprobt wird.

Markus Roth, Chefwissenschaftler von Focused Energy, spricht beim Rundgang über den Standort mit einer Vertrautheit, die verblüfft. „Ich habe schon eine emotionale Verbindung zum Standort. Ich war hier 1978 als Kind das erste Mal im Besucherzentrum", sagt er. Damals war Biblis gerade ans Netz gegangen. Diese Zukunft endete 2011 mit dem Ausstieg aus der Kernkraft; seit 2017 wird offiziell zurückgebaut. Ausgerechnet auf diesem Gelände soll nun der nächste Anlauf starten – diesmal ohne Spaltung, mit Fusion.

So funktioniert das Konzept hinter den Kuppeln

Focused Energy setzt auf Laserfusion, eines von zwei grundsätzlichen Verfahren. Im Gegensatz zu herkömmlichen Atomreaktoren, die Kerne spalten, sollen Fusionsreaktoren das Prinzip der Sonne nachahmen und Atomkerne verschmelzen. Das verspricht laut Roth Strom ohne viel Atommüll.

Die Anlage, die in Biblis entstehen soll, arbeitet mit einer Reaktorkugel von 13 bis 15 Metern Durchmesser. Als Brennstoff dienen winzige Targets: zwei bis drei Millimeter große Kügelchen, gefüllt mit einem flüssigen Gemisch aus den Wasserstoffisotopen Tritium und Deuterium, gekühlt auf minus 267 Grad. Zehn dieser Kügelchen pro Sekunde sollen elektromagnetisch mit etwa dem 1,3-Fachen der Schallgeschwindigkeit in den Reaktor geschossen werden. In der Mitte treffen sich die Strahlen von 1200 Lasern und verdampfen die Targets zu Helium. Dabei entstehen Neutronen, die die Reaktorwand auf rund 500 Grad erhitzen – genug für einen Wärmetauscher und damit für die Stromerzeugung.

Block B ab 2029, Zündung 2037

„Das ist Block B, früher mit 1200 Megawatt, heute eine fast leere Betonhülle", sagt Roth vor dem Bau. Noch müssten Teile ausgebaut und dekontaminiert werden, dann rücke Focused Energy nach und rüste den Bau mit Technik aus. In Block B soll ab 2029 die erste Testanlage starten – zunächst mit 50 Lasern, später erweitert. „Hier wird erstmals eine robuste Fusion stattfinden", sagt er. In Block A solle dann erstmals Strom mit Laserfusion erzeugt werden, mit einer Leistung von rund 200 Megawatt – allerdings noch nicht eingespeist ins Netz. Die Zündung sei für 2037 vorgesehen.

Die Halle zwischen beiden Blöcken nimmt die Lasersysteme auf; über Spiegel werden die Strahlen in den jeweiligen Reaktor gelenkt. Als Partner sind laut Roth die Optikkonzerne Topfirmen Schott, Trumpf und Zeiss dabei – Namen, die für deutsche Hochtechnologie stehen.

Warum ausgerechnet Biblis?

Dass ausgerechnet das Biblis-Gelände als Standort gewählt wurde, hat handfeste Gründe: Bahnanschluss, Rheinhafen, Straßenanbindung, bestehende Sicherheitsanlagen, Netzanschluss sowie zahlreiche bereits erteilte Genehmigungen. „Dass wir hier fertige Anlagen nutzen können, bringt uns und damit Deutschland sieben Jahre Vorsprung im Wettbewerb mit China und den USA", sagt Roth.

Der erste Kontakt zwischen Focused Energy und RWE liegt etwa drei Jahre zurück – damals ging es um Lasertechnik, mit der man in geschlossene Behälter mit radioaktivem Abfall hineinschauen kann. Die hessische Landtagsabgeordnete Ines Claus (CDU) habe dann irgendwann die entscheidende Frage gestellt: Warum nicht Umbau statt Rückbau?

Milliardenprojekt mit staatlicher Unterstützung

Focused Energy wurde 2021 gegründet und hat in drei Finanzierungsrunden bisher 440 Millionen Dollar eingesammelt, umgerechnet rund 380 Millionen Euro. RWE steuerte insgesamt 70 Millionen Euro bei; weitere Gelder kommen von Investoren aus Asien, Europa und den USA sowie von der US-Energiebehörde, dem Bundesforschungsministerium und dem Land Hessen. Biblis ist zudem Teil eines der drei Fusionshubs der Bundesregierung.

Für die beiden geplanten Anlagen in Biblis reicht das bisherige Kapital bei Weitem nicht. „Die beiden Anlagen werden zwischen zehn und 14 Milliarden Euro kosten", sagt Roth. Erste kommerzielle Kraftwerke mit der Focused-Energy-Technologie soll es laut ihm in den 2040er-Jahren geben – auch in Biblis, wo früher einmal ein dritter Kraftwerksblock geplant war. Für die Fläche existiere bereits Baurecht.

Ein zweites Projekt in Grundremmingen

Focused Energy ist nicht allein in Deutschland. Insgesamt vier Unternehmen arbeiten hier an Fusionskraftwerken. In Biblis setzt man auf Laserfusion; in Grundremmingen verfolgt das Münchner Unternehmen Marvel Fusion einen anderen Ansatz – die Magnetfusion. Auch das AKW Grundremmingen gehört RWE.

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