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BYD-Werk in Wenzhou: Die Blade Battery der zweiten Generation

Frandroid durfte das neue BYD-Batteriewerk in Wenzhou besuchen. Dort entstehen Zellen für die zweite Generation der Blade Battery, die in fünf Minuten laden soll. Laut den verfügbaren Angaben steht ein unabhängiger Ladetest noch aus.

6 Min. Lesezeit
BYD-Werk in Wenzhou: Die Blade Battery der zweiten GenerationAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert BYD in Wenzhou: Fünf Minuten laden – was die neue Blade Battery verspricht.

Die Zahl fünf Minuten sorgt für Aufsehen, doch sie braucht eine genaue Übersetzung: Nach BYDs Angaben hebt eine Flash-Charging-Säule mit 1.500 kW den Ladestand einer Auto mit der zweiten Blade-Battery-Generation in dieser Zeit von 10 auf 70 Prozent. Ein vollständiger Ladevorgang ist damit nicht gemeint.

Damit du die Ankündigung richtig einordnen kannst, lohnt sich ein Blick hinter die Fabrik. Frandroid besuchte in Wenzhou den Standort, an dem BYD bereits die neuen Zellen fertigt. Dort werden aus Kupferfolie, Graphitpaste und anderen Bestandteilen jene langen, flachen Zellen, die später direkt in das Batteriepaket oder sogar in die Fahrzeugstruktur integriert werden.

6,5 Milliarden Yuan für 20 GWh Jahreskapazität

Der Standort in Qiaotou

Das Werk gehört zu FinDreams Battery, der Batterietochter von BYD. Es liegt in der Gemeinde Qiaotou im Yongjia-Distrikt im Norden von Wenzhou in der chinesischen Provinz Zhejiang. Das Projekt wurde Ende 2022 mit den lokalen Behörden unterzeichnet; die Grundsteinlegung folgte Anfang 2023.

Für die erste Phase sind 6,5 Milliarden Yuan vorgesehen, umgerechnet ungefähr 800 Millionen Euro. Die anfängliche Kapazität von 20 GWh pro Jahr reicht nach BYDs Angaben aus, um rund 200.000 Elektroautos auszustatten. Langfristig sind etwa 6.000 Arbeitsplätze vorgesehen. Die erste Linie sollte 2024 in Produktion gehen.

Mehr als nur BYD-Autos

FinDreams Battery beliefert nicht ausschließlich BYD-Fahrzeuge. Auch andere Hersteller beziehen dort Batterien. In der Fabrik wird die eigene Fertigung deshalb besonders deutlich: BYD produziert die Blade-Batterien nicht nur als Komponente für den eigenen Antrieb, sondern über ein eigenes Batteriegeschäft für mehrere Marken.

Direkt neben dem Gelände liegen ein Testcircuit und ein Geländeparcours mit Schrägen und technischen Passagen. BYD hat dort außerdem sein drittes Medienzentrum in China errichtet. Das Gelände verbindet also Zellfertigung, Fahrzeugtests und die Kommunikation über neue Technologien an einem Ort.

Die 96-Zentimeter-Zelle verlangt Präzision im Mikrometerbereich

Vom Kupfer zur Anode

Der erste Produktionsschritt entfernt metallische Verunreinigungen. Ein automatisiertes System nutzt magnetische Filter, um Mikroteilchen aus Eisen und andere Metallreste aus der Graphitpaste zu fangen. Diese Reinigung soll verhindern, dass der Separator beschädigt wird und in der fertigen Zelle ein interner Kurzschluss entsteht.

BYD streicht die Paste auf Kupferfolie, trocknet sie in langen Öfen und walzt sie anschließend zwischen zwei großen Rollen zu einer gleichmäßigen Elektrode. Angekündigt sind 120 Meter pro Minute bei einer Dickentoleranz von 2 Mikrometern. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa 50 bis 100 Mikrometer dick.

Die Größe der Blade-Zelle ist dabei eine technische Besonderheit. Die lange Variante misst rund 96 Zentimeter. Im ersten Blade-Werk in Chongqing beschichtet BYD deshalb Bänder von bis zu 130 Zentimetern Breite auf beiden Seiten gleichzeitig und nennt dabei eine Abweichung von weniger als 1 Prozent beim Gewicht pro Flächeneinheit.

Warum die Klinge nicht einfach gerollt wird

Anders als eine klassische prismatische Zelle wird die Blade Battery nicht zu einer Spirale aufgerollt. Ihre Elektroden werden Schicht für Schicht gestapelt: Anode, Separator, Kathode, Separator. BYD hat dafür eigene Maschinen entwickelt, die 0,3 Sekunden pro Blatt schaffen sollen. Jede Schicht muss exakt ausgerichtet sein, damit die Zelle ihre gewünschte Kapazität erreicht und langfristig gleichmäßig altert.

Danach werden die Elektrodenlaschen verschweißt und an die Anschlüsse der Zelle angeschlossen. Die Quelle nennt dafür Ultraschall- und Laserschweißung durch Roboter. Eine zu hohe Kontaktwiderstand würde die Zelle gerade bei schnellen Ladevorgängen erwärmen – der Situation, die BYD mit der zweiten Generation vermeiden will.

10 auf 70 Prozent in fünf Minuten – auf BYDs eigener Säule

Die Ladestufen

BYD stellte die zweite Blade-Battery-Generation am 5. März 2026 vor. Nach Unternehmensangaben basiert sie auf sechs Jahren Forschung und bietet gegenüber der ersten Generation 5 Prozent mehr Energiedichte. Die lange Zellvariante erreicht laut BYD bis zu 210 Wh/kg auf Zellebene.

Für die Ladung nennt BYD drei konkrete Werte:

  • 10 bis 70 Prozent in fünf Minuten
  • 10 bis 97 Prozent in neun Minuten
  • 20 bis 97 Prozent in zwölf Minuten bei minus 30 Grad Celsius

Diese Zeiten setzen eine BYD-Säule mit 1.500 kW voraus. Ohne eine solche Flash-Charging-Infrastruktur kann die Blade 2.0 die genannte Leistung nicht aufnehmen. BYD plant, in Europa 3.000 dieser Säulen aufzubauen. Das ist die Hälfte der insgesamt 6.000 Stationen, die der Hersteller außerhalb Chinasdeployen will.

Was BYD technisch verändert

Für die hohe Ladeleistung hat BYD drei Bestandteile der Zelle umgearbeitet. Die Kathode nutzt eine mehrstufige Partikelgröße. Ein neuer, mit KI optimierter Elektrolyt soll die ionische Leitfähigkeit verbessern. In der Anode sind die Graphitpartikel nun senkrecht zur Elektrode ausgerichtet, damit Lithiumionen schneller eindringen können. Auch die schützende SEI-Schicht wurde dünner und dichter gestaltet.

Damit die Ladung nicht nur kurz, sondern auch kontrolliert funktioniert, durchläuft jede Zelle Qualitätskontrolle und eine erste Ladung. Bei dieser Formation entsteht die SEI-Schicht. Danach reifen die Zellen auf großen Gestellen, bevor Spannung, Innenwiderstand und Kapazität einzeln gemessen werden. Abweichende Zellen werden aussortiert.

Cell-to-Pack und Cell-to-Body statt kleiner Module

Die Blattform wird zum Bauteil

BYD setzt die langen Zellen nicht in kleine Module wie in einer klassischen Batterie. Sie werden direkt in das Paket eingesetzt oder sogar in die Fahrzeugstruktur integriert. Weil die Blätter wie Träger wirken, können sie einen Teil des Chassis übernehmen. Mit der zweiten Generation ersetzt BYD außerdem das herkömmliche Kühlkreislaufsystem mit Glykol-Wasser durch direkte Kühlung mit Kältemittel oberhalb und unterhalb der Zellen.

Das erste europäische Modell

Als erstes Fahrzeug mit der neuen Batterie抵达 Europa, kam laut Quelle im April der Denza Z9 GT auf den Markt. BYD nennt dafür eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern nach dem chinesischen CLTC-Zyklus. Der Einstiegspreis liegt bei etwa 115.000 Euro.

Die zweite Blade-Generation gibt es außerdem in einer kürzeren Variante von 50 bis 58 Zentimetern. BYD richtet sie eher auf hohe Ladeleistung und Hybridfahrzeuge aus, während die lange Variante auf Energiedichte optimiert ist.

Genau an dieser Umstellung hängt BYDs Produktionsplan. Im Frühjahr musste der Hersteller nach Angaben von CnEVPost mit Produktionsverzögerungen und fehlender Kapazität rechnen. Der Besuch in Wenzhou zeigt deshalb einen strategischen Punkt: Die neue Batteriegeneration ist nicht nur eine Ankündigung, sondern wird bereits in einem eigens dafür gebauten Werk hergestellt.

Was die fünf Minuten für dich wirklich bedeuten

Das stärkste Argument für BYD ist die Verbindung zwischen Fertigung und Produkt: Die Zellen entstehen in einem Werk mit 20 GWh initialer Jahreskapazität, und das erste europäische Modell mit der Blade 2.0 ist bereits benannt. Das macht die Technologie greifbarer als eine reine Produktankündigung.

Die Gegenrechnung ist ebenso konkret: Fünf Minuten bedeuten einen Sprung von 10 auf 70 Prozent, nicht von fast leer auf voll. Zudem benötigt du dafür eine 1.500-kW-Säule von BYD, deren europäischer Ausbau erst geplant ist. Frandroid dokumentiert im Werksbericht keine unabhängige Messung, mit der sich die Herstellerwerte auf einer anderen Säule bestätigen ließen.

Für die Praxis ist deshalb die Reihenfolge entscheidend: Die Zellfertigung in Wenzhou ist belegt, die Flash-Charging-Säulen sind angekündigt, und die Ladezeiten stammen von BYD. Ob daraus im Alltag fünf Minuten werden, hängt nicht nur von der Batterie ab, sondern auch davon, ob dir eine passende Säule zur Verfügung steht.

Quellen

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