CDU Sachsen-Anhalt: Fraktion will bei Ministerpräsidentenwahl den Saal verlassen
Die CDU-Fraktion in Sachsen-Anhalt erwägt, bei der Wahl des AfD-Politikers Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten geschlossen den Plenarsaal zu verlassen. Hintergrund ist der Verdacht, eigene Abgeordnete hätten bei der Landtagspräsidentenwahl für die AfD gestimmt.
AI MODIFIEDTVS News KI redaktionell betreut präsentiert CDU Sachsen-Anhalt will bei Ministerpräsidentenwahl den Saal verlassen – was steckt hinter dem Plan.
Die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt bereitet einen ungewöhnlichen Schritt vor: Sobald sich der AfD-Politiker Ulrich Siegmund zur Wahl des Ministerpräsidenten stellt, wollen die CDU-Mitglieder geschlossen den Plenarsaal verlassen. Damit soll von vornherein ausgeschlossen werden, dass Stimmen aus den eigenen Reihen an die AfD gehen. Was als Saal-Verlass startet, ist zugleich eine Reaktion auf einen Vorgang, der der Fraktion bis heute nachläuft.
Warum die CDU-Fraktion jetzt über einen Saal-Verlass diskutiert
Den Anstoß gab nach Angaben von FOCUS der CDU-Abgeordnete Stefan Ruland. Er habe seinem Fraktionsvorstand vorgeschlagen, bei der Ministerpräsidentenwahl geschlossen den Saal zu verlassen. Die eigene Website der CDU-Fraktion und ZDFheute bestätigen, dass der Geschäftsführende Vorstand daraufhin einen Beschlussvorschlag erarbeitet hat. Danach soll die Fraktionsversammlung am Dienstag darüber abstimmen.
CDU-Fraktionschef Sven Schulze wiederholte das Bestreben am Montag im ZDF-„moma“. Die CDU, so der Tenor, wolle nicht im Raum sein, wenn ein AfD-Kandidat zum Ministerpräsidenten gewählt wird. N-tv zitiert Schulze mit der klaren Ansage: „Die Abgeordneten werden den Saal verlassen.“
Der eigentliche Auslöser: die Wahl des Landtagspräsidenten
Hintergrund ist die Wahl des Landtagspräsidiums, die erst wenige Tage zurückliegt. Mit Tobias Rausch zog erstmals ein AfD-Politiker in dieses Amt in Sachsen-Anhalt ein – und zwar, wie die Süddeutsche berichtet und auch die Ostdeutsche Allgemeine aufgreift, offenbar auch mit Unterstützung aus der CDU-Fraktion. Mehrere Abgeordnete sollen entgegen der vereinbarten Linie für den AfD-Kandidaten gestimmt haben. Daraus entstand der Vorwurf, Teile der Fraktion könnten bei einer Ministerpräsidentenwahl ähnlich handeln – was die CDU um jeden Preis verhindern möchte.
Was im dritten Wahlgang passieren würde
FOCUS weist auf einen wichtigen Knackpunkt hin: Sollte die Ministerpräsidentenwahl in die dritten Wahlgang gehen, wäre die CDU wieder anwesend. Grund ist die Verfassung des Landes Sachsen-Anhalt. Erst in den ersten beiden Wahlgängen ist eine einfache oder relative Mehrheit nötig; im dritten Wahlgang genügt die einfache Mehrheit der abgegebenen Stimmen – und wer fehlt, riskiert, das Ergebnis ungewollt zu beeinflussen. Genau diese Logik macht den Saal-Verlass zu einer riskanten, aber kalkulierten Antwort auf die Frage: Was passiert, wenn eigene Leute doch querstimmen?
Wie es um die Chancen von Ulrich Siegmund steht
Der MERKUR berichtet, dass dem AfD-Kandidaten für den Wahlsieg im ersten oder zweiten Wahlgang Stimmen fehlen – drei werden dort als nötige Größe genannt. Genau diese Lücke ist es, die den Druck auf die CDU erhöht. Sollten Abweichler aus der CDU-Fraktion tatsächlich für die AfD stimmen, könnte Siegmund die nötige Mehrheit bekommen. Der Saal-Verlass soll das Risiko einer versehentlichen oder bewussten Stimmabgabe aus der eigenen Fraktion ausschalten.
Was das für die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bedeutet
Der Vorgang zeigt, wie tief die Spuren der Landtagspräsidentenwahl in der CDU-Fraktion sitzen. Aus einem Vorgang, der nach außen wie ein Routineakt wirkt – ein Sitzplatz im Präsidium – wird jetzt eine Grundsatzfrage über Fraktionsdisziplin und politische Abgrenzung. Der Beschluss am Dienstag wird daher nicht nur eine Verfahrensfrage beantworten, sondern auch eine Richtung vorgeben: Wie will die CDU in Sachsen-Anhalt mit der stärksten Oppositionspartei umgehen, wenn die eigene Mehrheit wackelt? Die Antwort auf diese Frage wird auch über die Wahlperiode hinaus wirken.
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