Asien im Minus, DAX unter 26.000: KI-Aktien belasten die Börsen
Der DAX rutscht unter 26.000 Punkte und deutlich vom Rekordhoch zurück. Den größten Tagesverlust seit sechs Jahren verzeichnet der Nasdaq 100, während Asiens Börsen ebenfalls einbrechen.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert DAX unter 26.000 Punkten: Nasdaq-Kurssturz zieht den DAX mit.
Der deutsche Leitindex knickt am Freitagmorgen um rund 1,5 Prozent auf 25.920 Punkte ein. Am Donnerstag war der DAX zuvor auf ein Rekordhoch bei knapp 26.693 Punkten gestiegen und anschließend 0,4 Prozent auf 26.325 Punkte gefallen. Innerhalb von nur einem Handelstag hat sich damit nicht nur die 26.000-Punkte-Marke, sondern auch ein Teil der zuletzt erreichten Höchststände aufgelöst.
Die Zeitangaben sind wichtig, weil die beiden ausgewerteten Berichte den DAX in unterschiedlichen Handelsphasen zeigen. Die Tagesschau spricht im frühen Handel von 25.920 Punkten und rund 1,5 Prozent Verlust. Das Manager Magazin nennt am Vormittag 26.014 Punkte sowie minus 1,2 Prozent. In beiden Fällen liegt der deutsche Index unter 26.000 Punkten. Das war der direkte Auslöser des Wall-Street-Abverkaufs.
Der DAX verliert nach dem Rekord fast 800 Punkte
Vom Höchststand zur Marke von 26.000 Punkten
Der Rückgang wirkt besonders deutlich, weil der DAX erst am Vortag bei knapp 26.693 Punkten ein neues Rekordhoch erreicht hatte. Von diesem Niveau führt der Weg nun unter die runde 26.000-Punkte-Marke. Der Abstand zum genannten Höchststand beträgt damit knapp 700 Punkte; bis zum am Vormittag gemeldeten Stand von 25.920 Punkten sind es sogar gut 770 Punkte.
Der DAX selbst ist dabei nicht die Ursache des internationalen Einbruchs. Er folgt dem Abwärtssog der Wall Street. Zugleich fällt der deutsche Handel unter dem US-Druck stärker aus als die beiden anderen großen europäischen Indizes: Der MDax der mittelgroßen Unternehmen gab laut Manager Magazin 0,7 Prozent auf 30.674 Punkte ab. Der EuroStoxx 50 verlor 1 Prozent. Das macht die Konzentration der deutschen Schwäche in den großen DAX-Werten sichtbar.
Warum die Vortagesgewinne verschwanden
Ausgangspunkt war der US-Wahlsieg der Demokraten bei den Zwischenwahlen. Vor allem Zweifel an der US-Technologie- und Halbleiterbranche machten die Anleger zuversichtlicher. Der Nasdaq 100 verlor deshalb nicht nur einen Teil seiner Vortagesgewinne, sondern verzeichnete seinen stärksten Tagesverlust seit dem Corona-Crash im März 2020.
Der DAX stürzte im Anschluss um rund 1,5 Prozent auf 25.920 Punkte. Am Vortag hatte der deutsche Index im Sog der US-Börsen bereits 0,4 Prozent nachgegeben. Das Ausmaß fällt damit im internationalen Vergleich moderater aus als bei Tech- und Chipwerten, die überwiegend von der Aussicht auf strengere Regeln für den Ausbau von Rechenzentren und KI-Projekten betroffen waren.
Nasdaq 100 verliert 6,4 Prozent und 2,3 Billionen Dollar
Ein Verlust wie zum Corona-Crash
Der Nasdaq 100 sackte laut Manager Magazin um 6,4 Prozent auf 26.629 Punkte ab und fiel damit auf das Niveau von April zurück. Das entspricht einem Verlust von rund 2,3 Billionen US-Dollar Marktwert. Der starke Einbruch war das größte Minus des Tech-Auswahlindex seit dem Crash im März 2020.
Auch die breiter aufgestellten US-Indizes gaben erheblich nach. Der S&P 500 verlor 4,3 Prozent auf 7.353 Punkte und damit so stark wie seit April 2025 nicht mehr. Der Dow Jones Industrial gab 3,4 Prozent auf 51.523 Punkte nach. Trotz dieser Einbrüche remaineden die Jahresveränderungen im Plus: Beim Nasdaq waren es rund 5 Prozent, beim Dow Jones 7,2 Prozent.
Der Halbleiterindex brach noch stärker ein
Besonders deutlich war der Einbruch beim Halbleiterindex SOX, der mehr als 12 Prozent verlor. In der Tagesschau wird außerdem das Klumpenrisiko innerhalb der Tech-Schwergewichte thematisiert: Wenn wenige große Technologiewerte gemeinsam fallen, reißt das die großen Indizes mit nach unten.
Einige Anleger reagierten darauf mit einer Branchenrotation. Sie verkauften KI- und Chipwerte und investierten stattdessen in defensive Branchen wie Healthcare oder Infrastruktur. Der Ausverkauf war damit nicht allein eine Flucht aus Aktien, sondern zugleich eine Umschichtung zwischen verschiedenen Marktsegmenten.
Strengere KI-Regeln treffen Rechenzentren und Chipwerte
Politische Sorgen als direkter Auslöser
Die Demokraten gelten laut Manager Magazin der KI gegenüber skeptischer als die Republikaner, die eher auf Deregulierung setzen. In Texas hatte die designierte Gouverneurin Gina Hinojosa bereits ein sofortiges Moratorium für den Bau von Rechenzentren gefordert. Diese politischen Risiken treffen nach Aussage des Marktbeobachters Salah-Eddine Bouhmidi vom Broker IG auf die Unsicherheit darüber, wann sich die milliardenschweren KI-Investitionen ausreichend auszahlen.
Seine Erklärung zielt auf zwei konkrete Risiken: Strengere Auflagen könnten den Ausbau von Rechenzentren bremsen und geplante Projekte verzögern. Verzögerungen würden wiederum die Geduld der Investoren belasten, weil die Börse zunehmend auch die möglichen wirtschaftlichen Folgen der neuen politischen Mehrheitsverhältnisse bewertet.
Mehrere Einzelwerte bis zu 20 Prozent im Minus
Wie stark die Angst vor einem Ausbaustopp die Kurse traf, zeigen die Einzelwerte. Tesla fiel um 11,5 Prozent, SpaceX um 8 Prozent. Bei Seagate, Western Digital und Sandisk gingen die Kurse um bis zu 20 Prozent zurück. Nvidia verlor 10 Prozent, Qualcomm fast 14 Prozent und Micron fast 16 Prozent.
Bei Qualcomm kam ein schwacher Gewinnausblick hinzu. Das Unternehmen verwies auf gestiegene Kosten für Komponenten und Fertigung. Micron setzte seine Pläne für ein Speicherchip-Werk in Taiwan wegen eines drohenden langwierigen Tarifkonflikts vorerst auf Eis.
Asien verliert noch tiefer als die USA
Nikkei und Kospi unter starkem Druck
Der japanische Nikkei 225 sackte um mehr als 6 Prozent auf das Niveau von April. Der Chiphersteller Rohm verlor dabei 17 Prozent. In Südkorea brach der Kospi zeitweise um 9 Prozent ein und rutschte erstmals seit Februar unter 5.000 Punkte.
Der Abstand zum eigenen Höchststand ist beim Kospi besonders groß. Von fast 9.400 Punkten im Juni bis zum Absturz am Freitag verlor er fast die Hälfte. SK Hynix bündelte seit seinem Rekordhoch mehr als 50 Prozent ein, bei Samsung war die Entwicklung ähnlich. Hohe Verluste der beiden Chiphersteller belasteten den südkoreanischen Leitindex.
Der DAX ist Teil eines weltweiten Tech-Abverkaufs
Damit reicht die Erklärung für den DAX nicht in den beiden US-Indizes allein. Der Ausverkauf bei KI-, Chip- und Technologiewerten erfasste die USA, Japan, Südkorea und in der Folge die europäischen Börsen. Der DAX unter 26.000 Punkten ist deshalb als Teil einer internationalen Bewegung zu lesen, nicht als isolierter Vorfall des deutschen Marktes.
Der US-Arbeitsmarktbericht um 14:30 Uhr verschärft die Unsicherheit
Der nächste Termin für den Handel
Am Freitag steht um 14:30 Uhr der monatliche US-Arbeitsmarktbericht an. Die Helaba-Experten bezeichnen die Vorgaben als „freundlich, wenn auch nicht überbordend gut“. Commerzbank-Analysten sprechen vom „großen Datenhighlight aus den USA“.
Der Bericht könne Hinweise auf die weitere Geldpolitik der US-Notenbank liefern und für den Zinskurs im Dezember entscheidend sein, sagt Frank Sohlleder vom Broker ActivTrades. Ein schwacher Wert könne die Zinssorgen zwar dämpfen, nach dem Tech-Crash aber die Gefahr für konkrete Rezessionsängste verstärken.
Am Futuresmarkt gab es früh Anzeichen für eine Erholung der US-Technologiewerte. Später zeigten die schwächeren Dow-Futures nach Bouhmidis Einschätzung jedoch noch keine breite Stabilisierung. Als stärkstes Gegenargument zum kurzfristigen Crash nennt die Tagesschau den Rat von Ulrich Stephan von der Deutschen Bank: Langfristig orientierte Anleger sollten sich vom Rücksetzer nicht verunsichern lassen. Wahlausgänge hätten die Börsen in der Vergangenheit selten nachhaltig geprägt. Der weitere Handelstag blieb angesichts der schwachen Dow-Futures und des anstehenden Arbeitsmarktberichts dennoch unter Druck.
Die zentralen Marktdaten findest du in den ausführlichen Berichten der Tagesschau und des Manager Magazins.
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