See-Windparks entdecken die Regelreserve als neues Geschäftsfeld

See-Windparks planen ein neues Geschäftsmodell: Sie wollen nicht nur Strom liefern, sondern durch bewussten Verzicht auf Einspeisung Geld verdienen. Bisher spielen Betreiber auf dem Regelreservemarkt kaum eine Rolle.

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TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Offshore-Windparks: Mit Einspeiseverzicht Geld verdienen.

Windparks auf See sollen künftig das Netz stabilisieren

Der Windpark Veja Mate liegt rund 95 Kilometer nordwestlich von Borkum, besteht aus 67 Anlagen und produziert normalerweise Strom. Jetzt ist er nach Angaben seines Vermarkters der erste Offshore-Windpark, der für den Regelenergiemarkt präqualifiziert wurde — also für jenen Mechanismus, der Schwankungen zwischen Stromerzeugung und -verbrauch ausgleicht. Der Energieversorger Vattenfall vermarktet dort eigenen Angaben zufolge erstmals Regelenergie auf hoher See.

Was Regelreserve ist — und wer sie bisher liefert

Regelreserve greift, wenn im Netz kurzfristig mehr Strom gebraucht oder weniger erzeugt wird. Vorgemerkte Kapazitäten springen ein, halten Frequenz und Spannung stabil und werden dafür bezahlt. Diese Rolle übernehmen bislang vor allem Pumpspeicherkraftwerke, Gaskraftwerke und Batteriespeicher. Der Beitrag der Windkraft an dieser Regelreserve ist nach Zahlen der Bundesnetzagentur verschwindend gering. Wenn es nach den Netzbetreibern und Versorgern geht, könnte sich das bald ändern.

Trianel und Vattenfall machen den Anfang

Neben Vattenfall mit Veja Mate prescht der Stadtwerke-Zusammenschluss Trianel vor: Im August wurde bekannt, dass Trianel den Windpark Borkum I für den Regelenergiemarkt hat präqualifizieren lassen — die Vermarktung lief dort nach Unternehmensangaben bereits im Juli an. Beide Parks liegen in der Zuständigkeit des Übertragungsnetzbetreibers Tennet für die Nordsee, der den Trend bestätigt: „Wir beobachten ein steigendes Interesse von Windparkbetreibern am Regelreservemarkt.“ Das gelte ausdrücklich auch für den Offshore-Bereich. Auch 50Hertz, zuständig für den Nordosten Deutschlands und die Ostsee, hat eigenen Angaben zufolge mehrere Offshore-Windparks in der sogenannten Präqualifizierungsphase — also in der Prüfung, ob sie die technischen Anforderungen erfüllen. Ein Sprecher: „Das Interesse, am Regelleistungsmarkt teilzunehmen, steigt.“

So funktioniert es technisch — und warum Stillstand Geld bringen kann

Was die Windparks auf See vor allem anbieten können, ist negative Regelleistung: Auf Abruf reduzieren sie ihre Einspeisung. Praktisch läuft es laut 50Hertz so: Wenn die Erlöse an der Strombörse klein sind, kann es sich für Betreiber lohnen, auf eine Einspeisung zu verzichten — die Anlagen werden aus dem Wind gedreht, und der Stillstand wird als negative Regelleistung am Regelenergiemarkt vermarktet. Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) sieht darin einen Trend: „Die aktuellen Präqualifizierungen deuten darauf hin, dass Offshore-Windparks stärker als Flexibilitätsoption für den Regelenergiemarkt erschlossen werden.“

Schwieriger wird es bei der positiven Regelleistung, also mehr Strom auf Abruf: Das setze laut Fraunhofer IEE voraus, „dass Anlagen vorsorglich gedrosselt werden, um Leistung für einen möglichen Abruf vorzuhalten“ — eine vermeidbare Abregelung erneuerbarer Energie, die meist nicht wettbewerbsfähig ist.

Batterien wären effizienter — hängen aber am Netzanschluss fest

Grundsätzlich stärkt die Offshore-Beteiligung den Regelreservemarkt. Noch effizienter wäre aus Sicht der Systemtechniker allerdings der Ausbau von Batteriespeichern. Dessen Problem liegt woanders: „Für die Projektierer wird es schwieriger, an das Netz angeschlossen zu werden“, heißt es beim Fraunhofer IEE. Genau diese Anschluss-Hürde öffnet für die Windparks auf See ein Fenster — vorausgesetzt, sie bestehen die Präqualifizierung und können ihre flexible Leistung tatsächlich regelmäßig am Markt platzieren.

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