Ein Blick auf „Oh to Believe in Another World“: Was dich in Baku erwartet
William Kentridge verbindet in Baku Animationsfilm, Live-Choreografie und Schostakowitschs 10. Sinfonie zu einer eindringlichen Collage über Trauer, Idealismus und die unbarmherzige Energie Stalins.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert „Oh to Believe in Another World“: Kentridges animierte Reise durch Schmerz und Hoffnung.
Eine 60-minütige Animationscollage trifft auf ein Live-Orchester und die Choreografie von William Kentridge: „Oh to Believe in Another World“ wird beim Baku International Arts Festival in Aserbaidschan gezeigt. Für den Guardian ist das eine der bemerkenswertesten Animationsarbeiten, die je gesehen wurde – ein filmisch-musikalisches Gesamtkunstwerk mit schwarzem Humor und einer sehr ernsten emotionalen Tiefe.
Wenn du dich fragst, ob ein Abend im Festival mehr ist als eine Ausstellung mit Film und Musik, lautet die Antwort der Rezension: Hier verschmelzen Bilder, Tanz und Musik zu einem einzigen dramatischen Erlebnis. Es geht um Erinnerung, Trauer und Ideale, aber auch um die Frage, wie Menschen mit historischer Gewalt umgehen.
Was „Oh to Believe in Another World“ im Festival zeigt
Das Format
Kentridge, der inzwischen 71 Jahre alte südafrikanische Künstler und Filmemacher, arbeitet in dem Stück nicht nur mit gezeichneten oder animierten Figuren. Die etwa einstündige Collage verbindet Animation mit Live-Choreografie. Dadurch wirkt die Aufführung wie ein eigener künstlerischer Organismus: Bewegung, Bild und Klang greifen nicht nacheinander, sondern unmittelbar ineinander.
Als Begleitung dient Schostakowitschs 10. Sinfonie, live vom Orchester gespielt. Diese musikalische Basis ist nicht nur Soundtrack. Sie trägt die dramatische Entwicklung der Collage und gibt dem bildenden Material eine zusätzliche Ebene. Der Guardian nennt die Arbeit eine filmisch-musikalische Schöpfung, die Puppenkunst, Tanz und Humor vereint.
Warum Schostakowitsch und Stalin im Zentrum stehen
Ein historischer Doppelbezug
Die Aufführung beim Baku Festival hat nach Angaben des Guardian einen doppelten Anlass. Einerseits wird der 120. Geburtstag von Dmitri Schostakowitsch geehrt. Andererseits erinnert das Festival an die berichtete, unerwiderte Liebe des Komponisten zu seiner Schülerin, der aserbaidschanischen Pianistin und Komponistin Elmira Nazirova, sowie an ihre lebenslange Freundschaft.
Schostakowitschs 10. Sinfonie ist eng mit Stalin verbunden. Sie wurde nach dessen Tod uraufgeführt, wobei Teile des Werks bereits vor seinem Ableben entstanden sein konnten. Das wirft eine historische Frage auf: War das Werk zunächst als dramatisches Stalin-Tribut gemeint? Der Guardian formuliert das vorsichtig als Möglichkeit, nicht als gesicherte Absicht.
In der Musik erkennt die Rezension dagegen eine widersprüchliche emotionale Mischung. Da sind Angst und Ehrfurcht, aber auch Ekel und eine Art hysterische Reaktion auf die „wahnwitzige Energie“ von Stalins menschenvernichtender Herrschaft. Gleichzeitig klinge darin ein Gefühl des Abschieds von einer großen und schrecklichen Epoche an – samt Trauer über das, was in ihr geopfert wurde.
Diese Unschärfe ist ein zentraler Reiz des Stücks. Kentridge macht aus der historischen Musik kein plakatives Lehrstück. Er collagiert vielmehr Bilder, Figuren und Bewegung zu einer associativen Erfahrung, die zwischen schwarzem Humor, Absurdität und echter Trauer pendelt.
Warum das Stück vor allem als Gesamterlebnis zählt
Animation, Tanz und Live-Musik
Die Besonderheit von „Oh to Believe in Another World“ liegt nicht in einem einzelnen spektakulären Bild. Der Reiz entsteht aus dem Zusammenspiel. Die einstündige Animationscollage lässt offenbar disparate Bildwelten nebeneinander stehen, während die Choreografie den Figuren eine zusätzliche körperliche Dimension gibt. Die Sinfonie wiederum verhindert, dass die Collage leicht wie eine lose Bilderfolge zerfällt.
Das erklärt auch, warum der Guardian das Werk als möglicherweise „atemberaubende Animation“ bezeichnet, statt es lediglich als Animationsfilm einzuordnen. Es geht um die Wirkung eines künstlerischen Zusammenspiels. Die Animation liefert die surreale Ebene, der Tanz die sichtbare Bewegung und die Musik den emotionalen und geschichtlichen Unterbau.
Für Besucherinnen und Besucher des Festivals bedeutet das: Du schaust nicht einfach einen Film und hörst danach Musik. Du erlebst eine rund einstündige Aufführung, in der Bild, Körper und Klang gemeinsam agieren. Genau diese Verschmelzung macht das Stück zu einer besonderen Festival-Erfahrung.
Das Fazit: schwarzer Humor über die größten Themen
„Oh to Believe in Another World“ wirkt laut dem Guardian wie eine eindringliche Kollage über Menschlichkeit, Trauer und Idealismus. Sie bewegt sich zwischen Komik und Tragödie, ohne das eine gegen das andere aufzulösen. Der schwarze Humor macht die schweren Themen nicht leichter, sondern schärfer sichtbar.
Am Ende steht eine Arbeit, die weniger mit einer glatten Erzählung als mit einem Gefühl arbeitet: Da ist Verlust, da ist historische Macht, da ist Hoffnung auf eine andere Welt – und zugleich die Frage, ob diese Hoffnung die Vergangenheit verstehen kann. Für alle, die im Baku Festival Animation, Tanz und Sinfonie nicht nur als einzelne Programmpunkte, sondern als bewusstes Gesamtkunstwerk erleben wollen, ist das ein lohnender Termin.
Mehrwert für dich: Wenn du vor dem Festival noch offen bist, lohnt sich der Blick auf die gesamte Aufführung statt nur auf einzelne Videos oder Standbilder. Genau die Kombination aus Animation, Choreografie und Live-Orchester macht das Besondere dieser Arbeit aus.
Viel Freude bei der Aufführung – und nimm dir genug Zeit für die online gezeigte Collage.
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