Trump hält zu Netanjahu – seine eigenen Leute greifen Siedler an
Während US-Präsident Donald Trump dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu demonstrativ den Rücken stärkt, fordern seine eigenen Leute – Botschafter Mike Huckabee und Außenminister Marco Rubio – nach dem Angriff auf Fotografin Heidi Levine ein hartes Vorgehen gegen radikale Siedler im Westjordanland.
TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Trump stärkt Netanjahu – Huckabee und Rubio fordern Härte gegen Siedler.
Washington, D.C. – Die Szenen trennen nur wenige Stunden, auf Plattformen aus dem engsten Umfeld von US-Präsident Donald Trump: Am Sonntag feuerte Trump auf Truth Social eine Wahlempfehlung für Benjamin Netanjahu – und am Samstag hatte sein Botschafter in Israel, Mike Huckabee, auf X „JAHRE im Gefängnis“ für die Angreifer der US-Fotografin Heidi Levine gefordert. Was hier zusammenkommt, ist keine Kleinigkeit: Der Präsident gibt sich als Netanjahhs Schutzpatron, während seine Leute der israelischen Regierung ins Gewissen reden.
Trumps Rückendeckung – verknüpft mit der Iran-Strategie
Trump erklärte am Sonntag seine, wie er es nannte, „uneingeschränkte und vollständige Unterstützung“ für Netanjahu. Er bezeichnete ihn als „großartigen Kämpfer und Ministerpräsidenten“ und lobte die Partnerschaft mit den USA im Vorgehen gegen den Iran. „Bibi Netanjahu hat sich angesichts enormen Widerstands, auch aus Israel selbst, als stark, mutig und brillant erwiesen“, schrieb er auf Truth Social. Mit einer ungewöhnlichen Drohung verknüpfte er Netanjahus politische Zukunft mit der US-Regionalstrategie: „Wenn Israel den falschen Regierungschef hat – und das wäre jeder andere als Bibi –, wird Amerika diese Arbeit selbst erledigen müssen, und dazu bin ich nicht geneigt.“ Den Abschluss bildete ein Appell direkt an die israelische Wählerschaft: „BIBI NETANJAHU WIRD EUCH NIEMALS IM STICHLASSEN“.
Die Empfehlung kommt für Netanjahu zum denkbar heiklen Zeitpunkt: Die nächste Wahl in Israel ist für den 27. Oktober angesetzt – die Trump-Erklärung fällt damit mitten in den Endspurt.
Der Angriff auf Heidi Levine – zehn Minuten, schwere Verletzungen
Die 64-jährige Heidi Levine, Fotojournalistin der Washington Post, war am Freitag nahe Abu Falah nordöstlich von Ramallah angegriffen worden, während sie über palästinensische Bauern bei der Olivenernte berichtete. Nach Angaben, die ihre Tochter der Associated Press machte, erlitt sie einen Rippenbruch, mehrere Wirbelbrüche und eine schwere Fingerverletzung, die operiert werden musste. „Sie trugen Flaschen und Steinschleudern und traten etwa zehn Minuten lang auf mich ein, und ich versuchte, meine Kameras und meine Tasche festzuhalten“, sagte Levine dem Sender zufolge. Nach Augenzeugenberichten wurden ihr Reisepass, Telefon, Geldbörse und Ausrüstung gestohlen.
Der unabhängige Journalist Jasper Nathaniel, der den Angriff beobachtete, sagte Al Jazeera, Levine sei danach „in einem sehr, sehr schlechten Zustand“ gewesen. „Sie konnte kaum vom Boden aufstehen.“ Die Washington Post veröffentlichte auf X Videoaufnahmen des Vorfangs; die israelische Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Netanjahu stellte die Identität der Täter jedoch infrage, obwohl Berichte sie als israelische Siedler identifizierten – laut Al Jazeera deutete er an, Palästinenser oder „linksextreme“ Aktivisten könnten verantwortlich gewesen sein.
Huckabee und Rubio – zwei Stimmen aus dem engsten Kreis
Huckabee, Trumps Botschafter in Israel, nannte den Angriff einen „verabscheuungswürdigen Terrorakt, begangen von maskierten Feiglingen. Eine ehrlose Tat sinnloser Gewalt.“ Er forderte „JAHRE im Gefängnis“ und schrieb: „Wir haben eine umfassende Untersuchung, Festnahmen und eine Strafverfolgung aller Beteiligten mit der ganzen Härte des Gesetzes gefordert.“ Bei ihm wiegt das Wort schwer: Huckabee gilt als entschiedener Unterstützer Israels und der Siedlungsbewegung, sein Einschnitt ist also bewusst gesetzt. Bereits im August hatte er die Belagerung palästinensischer Häuser im Westjordanlanddorf Qusra als „Terrorakt“ verurteilt und mitgeteilt, die US-Botschaft habe sich an Bemühungen beteiligt, israelische Kräfte zur Entfernung der Siedler zu bewegen.
Außenminister Marco Rubio legte am Samstag nach, mit deutlich erhöhter Reichweite. „Diese Bilder und das, was wir sehen, beunruhigen uns sehr“, sagte er laut Reuters vor Journalisten. „Wir haben die Israelis aufgefordert und fordern sie weiterhin auf, dagegen durchzugreifen.“ Laut Al Jazeera werde die Trump-Regierung israelischen Vertretern ihre Erwartungen verdeutlichen, „um zu verhindern, dass das künftig geschieht“. Rubio ergänzte: „Das brauchen wir jetzt nicht; Israel braucht das jetzt nicht.“ Washington habe zudem Informationen zu dem Vorfall angefordert und erwarte eine Antwort der US-Botschaft in Jerusalem.
170 Angriffe seit der Olivenernte – die Datenlage
Die Fälle stehen nicht allein. Die israelische Beobachtungsorganisation Jesch Din hat laut Reuters seit dem 27. September – etwa dem Beginn der jährlichen Olivenernte – mindestens 170 Angriffe israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland dokumentiert. DieAssociated Press berichtete unter Berufung auf die Organisation, dass seit 2005 rund 94 Prozent der Ermittlungen wegen Siedlergewalt ohne Anklage endeten, nur drei Prozent führten zu Verurteilungen in allen oder einem Teil der Anklagepunkte. Am Samstag wurden laut Washington Post auch europäische Diplomaten und ein französischer Bürgermeister von maskierten Siedlern im Westjordanlanddorf Taybeh angegriffen.
Auch Demokraten fordern Aufklärung
Der Druck kommt nicht nur aus dem Kabinett. Im August führte der demokratische Fraktionschef im Senat, Chuck Schumer, mit den Senatoren Adam Schiff und Cory Booker eine Gruppe von 45 Senatoren an, die Israel aufforderte, Angriffe einzudämmen und den Tod von neun US-Bürgern im Westjordanland durch Siedler oder israelische Sicherheitskräfte zu untersuchen. Sie verlangten einen glaubwürdigen Mechanismus zur Untersuchung mutmaßlicher Verstöße und Rechenschaft für die Verantwortlichen. Schon im Februar hatte Trump erklärt, eine israelische Annexion des Westjordanlands abzulehnen, nachdem Kabinettsmaßnahmen die israelische Kontrolle über das Gebiet ausgeweitet hatten.
Was das für dich bedeutet
Für dich heißt das: In den kommenden Tagen bis zur israelischen Wahl am 27. Oktober bekommst du zwei Signale aus Washington zur gleichen Zeit – die politische Schützenhilfe des Präsidenten und die gezielten Straf- und Abschreckungsforderungen seines Botschafters und seines Außenministers. Trumps Wahlempfehlung lässt dabei nicht darauf schließen, dass die Forderungen seiner eigenen Leute vom Tisch sind. Sichtbar werden zwei Stränge der Israelpolitik, die die Trump-Regierung gleichzeitig fährt – und die sich gegenseitig nicht aufheben, aber auch nicht leicht zusammenführen lassen.
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