Möhren, Kartoffeln, Bio: Die Nachfrage zieht an – die Höfe nicht
Die Nachfrage nach Bio-Lebensmitteln steigt kräftig, während deutsche Landwirte ihre Öko-Produktion nur langsam ausweiten. Die spannende Gewinnfrage für Importeure steht hinter dieser Marktfrage.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Bio-Markt wächst: Warum deutsche Höfe nur langsam nachziehen.
Beim Einkaufen sind Bio-Lebensmittel stärker gefragt, doch auf den deutschen Feldern kommt der Ökolandbau nur langsam voran. Diese Gegenbewegung hat eine konkrete Ursache: Der Umsatz wächst, während zugleich Höfe aufgegeben oder wieder konventionell bewirtschaftet werden. Das Handelsblatt beschreibt, wie Nachfrage, Flächenentwicklung und die Rolle der Importeure zusammenhängen.
Die Zahlen sind eindeutig: In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg der Umsatz mit Bio-Produkten um 4,3 Prozent auf 14,08 Milliarden Euro. Im dritten Quartal 2026 erreichte der Bio-Anteil am Lebensmittelmarkt erstmals eine Höchstmarke von 8,1 Prozent. Verbandschefin Tina Andres vom Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft spricht bei Blick auf die Marktzuwächse von einem „Weckruf“.
Doch auf der Produktionsseite fällt das Bild milder aus. Im vergangenen Jahr wurden 11,4 Prozent der gesamten Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet. Die Fläche wuchs leicht auf rund 1,9 Millionen Hektar. Gleichzeitig sank die Zahl der Bio-Höfe leicht auf 28.150. Das entspricht 11,2 Prozent aller Betriebe.
Mehr Bio-Fläche, aber weniger Bio-Höfe
Die neue Statistik zeigt einen strukturellen Wandel. Weniger Höfe bewirtschaften im Durchschnitt größere Flächen. Deshalb kann die ökologische Fläche zunehmen, während die Zahl der Betriebe zurückgeht. Da zugleich die Gesamtzahl aller Betriebe sank, blieb der Anteil der Bio-Betriebe an allen Betrieben mit 11,2 Prozent stabil.
Die aktuellen Werte sind allerdings nicht direkt mit früheren Veröffentlichungen vergleichbar. Das Bundeslandwirtschaftsministerium verwendet seit diesem Jahr nur noch Daten, die das Statistische Bundesamt erhebt. Dadurch gelten für ökologische und konventionelle Betriebe dieselben Erfassungsgrenzen. Zuvor waren bei Bio auch sehr kleine Höfe mit weniger als fünf Hektar berücksichtigt worden.
Das Ministerium wies zugleich darauf hin, dass der Flächenanteil nach der neuen Berechnung methodisch bedingt etwas niedriger ausfällt. Nach den alten Kriterien lag der Bio-Flächenanteil für 2024 bei 11,5 Prozent. Die neue Erhebung für das vergangene Jahr ergibt 11,4 Prozent. Die Entwicklung ist deshalb nur eingeschränkt mit früheren Werten vergleichbar.
Das Umstellungsziel bleibt weit entfernt. Die Ampel-Koalition hatte bis 2030 einen Flächenanteil von 30 Prozent angestrebt. Mit den aktuell ausgewiesenen 11,4 Prozent ist davon ein deutlich niedrigerer Stand erreicht.
Warum Höfe umschwenken oder aufgeben
Die Umstellung läuft weiter – nur nicht bei jedem Betrieb dauerhaft. Das Landwirtschaftsministerium erklärte, dass Landwirte weiterhin auf ökologische Produktion umstellen. Zugleich werden Bio-Höfe aufgegeben, weil eine Nachfolge fehlt oder Betriebe wieder konventionell wirtschaften wollen. Damit ist die Differenz zwischen wachsender Fläche und sinkender Betriebszahl kein bloßer statistischer Effekt.
Die Kalkulation ist für viele Höfe entscheidend. Im Bio-Betrieb ist der Aufwand für die mechanische Bodenbearbeitung mit Traktoren und Maschinen höher, was höhere Dieselkosten verursacht. Auf der anderen Seite sind chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel im ökologischen Landbau verboten. Wegen des Iran-Kriegs wurden diese Mittel zudem teurer. Die Umstellung entpuppt sich damit als Kostenfrage, bei der höhere Dieselkosten auf der einen und fehlende chemische Mittel auf der anderen Seite stehen.
Für einen bestehenden Bio-Hof bedeutet das nicht automatisch, dass eine Rückkehr zur konventionellen Bewirtschaftung sinnvoll ist. Die Quellen nennen aber zwei konkrete Gründe für die Aufgabe: eine fehlende Nachfolge und den Wunsch, wieder konventionell zu wirtschaften. Zugleich zeigt die fortlaufende Umstellung, dass die Nachfrage nach Bio-Produkten nicht allein aus Importen bedient wird.
Der Markt wächst schneller als die heimische Produktion
Die Nachfrage hat einen Dämpfer hinter sich. Laut Branchenverband wächst der Absatz von Bio-Produkten, die meist etwas mehr kosten, seit 2022 kontinuierlich. Damals hatte die hohe Inflation den Markt kurzzeitig gebremst. Seitdem führt die Nachfrage zu Umsatzanstiegen: 14,08 Milliarden Euro in den ersten neun Monaten dieses Jahres und ein Höchststand von 8,1 Prozent am Lebensmittelmarkt im dritten Quartal 2026.
Für heimische Betriebe ist diese Nachfrage eine Chance. Wenn deutsche Höfe nicht stärker in die ökologische Produktion hineinwachsen, könnten Importeure stärker profitieren. Die offene Gewinnfrage des Handelsblatts lässt sich mit den vorliegenden Daten jedoch nicht beantworten: Umsätze, Margen oder Gewinne einzelner Importeure werden nicht genannt.
Der politische Druck richtet sich deshalb an die Bundesregierung. Sie soll gute Bedingungen für „heimisches Bio“ schaffen und Höfe zur Umstellung ermutigen. Die Forderung ist nachvollziehbar, weil die Nachfrage nach regional erzeugten Bio-Lebensmitteln weiter zunimmt, während die heimische Produktionsbasis unter Druck steht.
Bio bleibt eine Nische trotz Rekordquote
Der Höchststand von 8,1 Prozent beendet die Debatte über die Marktbedeutung von Bio nicht. Foodwatch-Geschäftsführer Chris Methmann warnte vor einer zu optimistischen Lesart: „Bio bleibt eine Nische.“ Nach seiner Einschätzung hat die Verbraucherorganisation auch hohe Lebensmittelpreise im Blick, unter denen Bio nicht automatisch zum Massenmarkt werde.
Foodwatch fordert deshalb einen umfassenderen Wandel in der Landwirtschaft. Dazu gehören eine Halbierung der Tierbestände, um Klima- und Umweltziele zu erreichen, und das Ende des Einsatzes von Pestiziden. Diese Forderungen gehen deutlich über die Marktfrage hinaus. Sie ordnen Bio ein in die Debatte darüber, wie sich Landwirtschaft insgesamt verändern soll.
Für die unmittelbare Marktentscheidung bleibt die Ausgangslage eindeutig: 14,08 Milliarden Euro Umsatz in neun Monaten stehen 28.150 Bio-Höfen und 1,9 Millionen Hektar gegenüber. Die Nachfrage wächst. Die Öko-Fläche nimmt leicht zu. Zugleich sinkt die Zahl der Höfe, und die Umstellung auf Bio hängt für einzelne Betriebe von höheren Dieselkosten, fehlenden synthetischen Mitteln sowie der Frage nach einer Nachfolge ab.
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