Der „Maskuline Staat“ nach 2021: Drohungen gegen europäische Flugzeuge bleiben ohne klaren Täter
Mehrere Bombendrohungen richteten sich in dieser Woche gegen europäische Flugzeuge. Sie waren mit der Signatur der „Kämpfer des Maskulinen Staates“ versehen. Der russische Rechtsextreme Vladislav Pozdniakov bestreitet jede Verbindung zu den Drohungen.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Bombendrohungen gegen europäische Flugzeuge: Wer steckt hinter dem „Maskulinen Staat“.
Am Donnerstag, 5. November 2026, wurde der europäische Flugverkehr durch eine neue Welle von Bomben- beziehungsweise falschen Bombenalarmen erschüttert. Nach Angaben der Paris Match waren nahezu 30 kommerzielle Flüge betroffen. In Frankreich wurden Kampfjets bereitgestellt, und zahlreiche Flüge gerieten in their operations – die konkreten Flugbahnen und Fluggesellschaften nennen die Berichte nur teilweise.
Besonders deutlich wurde die Sicherheitsreaktion am Beispiel eines Aer-Lingus-Fluges von Dublin nach Rom. Das Flugzeug wurde nach einer Bombenalarm nach Frankreich umgeleitet und bis zur Militärbasis Évreux begleitet. französische Kampfjets eskalierten den Airbus A320 auf seinem Weg dorthin. Reuters-Bilder zeigen zudem, wie Passagiere nach der Landung von Bord gehen.
Mehrere Drohmails waren an die Flughäfen Rom und Sofia adressiert. Die Verfasser bezeichneten sich darin als die „Kämpfer des Maskulinen Staates“. In einer der von der Agentur AFP eingesehenen Nachrichten stand: „Ihr feministisches Regime wird es für immer zu spüren bekommen. Die Explosion findet in 60 Minuten statt. Heute wird euer Himmel rot.“
Die Drohungen benutzen eine bekannte rechtsextreme Signatur
Die Signatur
Die Formulierung „Kämpfer des Maskulinen Staates“ verweist auf „Male State“. Das ist kein frei erfundener Name für die Drohwellen, sondern eine bekannte Bezeichnung aus der russischen rechten Szene. Die Bewegung wurde 2016 vom Blogger Vladislav Pozdniakov gegründet und entwickelte sich anschließend in sozialen Netzwerken weiter.
Inhaltlich beschreibt Paris Match die Gruppe als antifeministisch und ultranationalistisch. Sie habe sich über Online-Plattformen zu einer Ideologie entwickelt, die sich gegen Frauen und Minderheiten richtet. Lou Osborn, Gründerin der auf die Beobachtung russischer Geheimaktivitäten spezialisierten NGO Inpact, sagt, der „Maskuline Staat“ nutze nazistische Symbole und zähle mehrere Tausend Mitglieder.
Das Verbot kam 2021
Im Oktober 2021 bezeichnete die russische Justiz die Organisation als extremistisch und untersagte ihre Aktivitäten auf russischem Staatsgebiet. Das Verbot hinderte die Bewegung jedoch nicht daran, den Krieg gegen die Ukraine auch propagandistisch zu unterstützen. Damit beschränkte sich ihre Aktivität nach dem gerichtlichen Verbot nicht allein auf geschlossene Kreise innerhalb Russlands.
Hier liegt zugleich das stärkste Argument für eine Verbindung zu den Drohungen: Die Mails verwenden den Namen und die bekannte Ideologie eines rechtsextremen Netzwerks, dessen Aktivitäten laut Paris Match trotz des Verbots fortbestanden. Der politische und ideologische Rahmen passt also zu den Drohungen.
Ein belastbarer Beleg für die Urheberschaft ist das allerdings nicht. Weder die vorliegenden Meldungen noch die AFP-Berichterstattung bestätigen, dass das ursprüngliche Netzwerk die E-Mails verfasst hat. Die gemeinsame Signatur zeigt eine Verbindung der Bezeichnung; sie beweist nicht, wer am Absenden beteiligt war.
Mehrere E-Mails wurden an Rom und Sofia geschickt
Adressaten der Drohungen
Die Nachrichten gingen nicht an eine einzelne Airline, sondern an die Flughäfen von Rom und Sofia. Mehrere E-Mails waren mit dem Namen „Kämpfer des Maskulinen Staates“ unterzeichnet. Zusammen mit den rund 30 betroffenen kommerziellen Flügen und dem Militäreinsatz in Frankreich zeigt das die unmittelbaren Folgen der Drohwelle.
Die Reaktion auf den Flug nach Évreux
Besonders greifbar wird der Ablauf beim Aer-Lingus-Flug zwischen Dublin und Rom. Wegen der Bombenalarmierung wurde das Flugzeug nach Frankreich umgeleitet. Zwei französische Kampfjets eskalierten den Airbus A320 bis zur Militärbasis Évreux. Dort stiegen die Passagiere aus. Paris Match zeigt dazu Aufnahmen von Reuters und AFP.
Die Meldungen nennen für diese eine Drohwelle keine konkrete Aufteilung der 30 Flüge auf Flughäfen oder Airlines. Auch die Sicherheitsmaßnahmen an den Flughäfen Rom und Sofia werden nicht einzeln beschrieben. Sicher belegt sind dagegen die versandten Drohmails, die genannten Adressaten, der beschriebene Ablauf des umgeleiteten Fluges und der Einsatz von zwei Kampfjets.
Pozdniakov nennt die Drohungen eine Identitätsmissbrauch-Operation
Das Dementi aus Telegram
Gründer Vladislav Pozdniakov hat jeden Zusammenhang mit den Drohungen gegen europäische Flugzeuge bestritten. Laut Reuters schrieb er auf Telegram, seine Organisation existiere nicht mehr und sei an den Vorfällen nicht beteiligt. Er beschuldigte diejenigen, die aktuell seinen Namen verwendeten, sie handelten aus eigenem Interesse und usurpierten die Identität der Bewegung.
Damit behauptet Pozdniakov nicht lediglich, gut überorganisiert gewesen zu sein. Er bestreitet die Arbeit der gegenwärtigen Akteure und ordnet ihnen eine Usurpation der alten Organisation zu. Seine Aussage kann allerdings nicht klären, ob die Drohungen vom alten Netzwerk selbst, von ehemaligen Mitgliedern oder von anderen Personen stammen, die den Namen gezielt für ihre Botschaften verwenden.
AFP-Bilder zeigen Vladimir Pozdniakov, der als Mitbegründer von „Male State“ in einem Telegram-Kanal aktiv ist. Zu einer möglichen Verbindung zwischen der Organisation und den Drohungen finden sich in den Berichten keine belastbaren Informationen.
Eine Verbindung zum Kreml ist naheliegend, aber nicht belegt
Ideologische Nähe
Paris Match beschreibt den „Maskulinen Staat“ als ultranationalistisch und antifeministisch. Diese Ausrichtung führt ideologisch in die Nähe des Kreml-Russlands. Zudem unterstützte die Organisation nach dem Verbot von 2021 die russische Invasion in die Ukraine durch Propaganda.
Lou Osborn betont gegenüber der AFP jedoch, dass der konkrete Grad der Verknüpfung mit den russischen Behörden unbekannt ist. Sie stellt keine bestätigte direkte Steuerung oder Zusammenarbeit fest. Die ideologische Nähe zu einem staatlichen Kurs und eine mögliche organisatorische Verbindung sind daher zwei getrennte Fragen.
Was die Meldungen offenlassen
Offen bleiben vor allem drei Punkte: Wer die Mails verfasst und verschickt hat, wer sie empfing oder weiterleitete und ob das verbotene Netzwerk, ehemalige Mitglieder oder eine andere Organisation dahinterstehen. Auch die Frage, ob Pozdniakov die aktuelle Nutzung des Namens tatsächlich für eine Usurpation hält oder damit seine eigene Organisation schützen will, lässt sich aus den verfügbaren Angaben nicht entscheiden.
Für die Einordnung bleibt die Trennung zwischen Spur und Beweis entscheidend. Die Drohungen tragen den Namen einer seit 2021 verbotenen russischen Rechtsextremisten-Organisation. Ihre Ideologie und die fortdauernde Nutzung des Namens machen einen Zusammenhang plausibel. Pozdniakovs Dementi, die fehlende bestätigte Zuschreibung und die unbekannte Verknüpfung zu den russischen Behörden verhindern jedoch die vorschnelle Festlegung auf einen Täter.
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