Nach "Fall Golla": HBL lehnt Alleingang bei Transferregeln ab
HBL-Chef Schwenker hat nach dem "Fall Golla" einen deutschen Alleingang bei der Reform der Transferregularien abgelehnt. Änderungen müssten auf europäischer Ebene kommen.
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Eine "Insellösung wird es nicht geben" – mit dieser Ansage hat Ligapräsident Uwe Schwenker am Mittwoch nach einer Präsidiumssitzung der Handball-Bundesliga (HBL) klargestellt, dass die Transferregularien in Deutschland nicht im nationalen Alleingang verändert werden. Auslöser der Debatte ist der "Fall Golla": Nationalmannschaftskapitän Johannes Golla will seinen Vertrag bei der MT Melsungen auflösen und zur SG Flensburg-Handewitt zurückkehren.
Für dich heißt das: Wer auf schnelle Regeln à la Fußball hofft – klar definiertes Transferfenster, klare Wechselperioden – muss sich gedulden. Schwenker verweist das Heft des Handelns an die europäische Ebene.
Was im "Fall Golla" bisher passiert ist
Der 28-jährige Kreisläufer war im Sommer von Flensburg zurück zu den Hessen nach Melsungen gewechselt, den Vertrag hatte er bereits im Dezember 2024 unterzeichnet. Anfang Oktober reichte er eine außerordentliche Kündigung ein – inzwischen hat er diese aber wieder zurückgezogen. Gleichzeitig drängt er weiter auf den Wechsel zurück in den Norden. In einem emotionalen Instagram-Post vom 5. Oktober hatte er familiäre Gründe genannt und erklärt, seine "mentale Gesundheit" sei "ernsthaft gefährdet".
Die Verhandlungen zwischen den Clubs laufen offenbar zäh: Laut "Sport Bild" hatte Flensburg ein Angebot über rund 700.000 Euro vorgelegt – Melsungen habe das abgelehnt und fordere stattdessen eine Millionensumme. Einen Vertragspoker im klassischen Sinne.
Warum die HBL nicht einfach selbst entscheiden kann
Schwenker begründet den Verzicht auf einen deutschen Sonderweg mit einem simplen Argument: Regelwerke müssten in allen relevanten Handballmärkten gelten, sonst seien sie "für den deutschen Markt kontraproduktiv". Eine Veränderung der Transferregularien, möglicherweise die Einführung eines Transferfensters, "kann nur auf europäischer Ebene gelöst werden".
Eine Insellösung wird es nicht geben. Man braucht ein Regelwerk, das nicht nur in Deutschland, sondern das auch in allen anderen relevanten Handballmärkten gilt.
Das Spannungsfeld, das Schwenker beschreibt
Der ehemalige Geschäftsführer des deutschen Rekordmeisters THW Kiel benennt das Dilemma präzise: "Es ist ein Spannungsverhältnis zwischen der Vertragsfreiheit eines Spielers, der sportischen Glaubwürdigkeit und Identifikation der Fans und einer langfristigen Kaderplanung des jeweiligen Clubs", sagte Schwenker. Verträge im Handball würden teils "sehr weit im Voraus" geschlossen – eine Vorlaufzeit von einem oder sogar zwei Jahren sei im Welthandball längst üblich. "In dieser Zeit können sich Lebensumstände verändern. Deshalb halte ich die Diskussion grundsätzlich für sinnvoll", so Schwenker weiter. Eine baldige Lösung erwartet er nicht: "Es ist ein sehr komplexes Thema."
Wie weit die Meinungen auseinanderliegen
Dass hier nicht alle einer Meinung sind, zeigen die Stimmen aus der Liga. Der frühere Nationalspieler Stefan Kretzschmar hatte zuletzt eine "katastrophale Entwicklung" beklagt, Füchse-Trainer Nicolej Krickau monierte, das aktuelle System funktioniere nicht. Auf der anderen Seite nannte Erfolgstrainer Bennet Wiegert vom Meister SC Magdeburg das derzeitige System "normal und modern". Schwenker sieht darin den Beleg: "An den konträren Äußerungen ist zu erkennen, dass es kein leichtes Thema ist."
Was jetzt realistisch ansteht
Konkret heißt das für die nächsten Wochen: Die HBL kann das Thema auf europäischer Ebene anstoßen und Vorschläge einbringen – ändern kann sie die Regeln allein nicht. Gespräche und Interessenfindungen seien nötig, eine rasche Lösung zeichnet sich nicht ab. Wer also am Sonntag ab 15 Uhr im Topspiel Flensburg gegen die Füchse Berlin auf eine Vorentscheidung im Fall Golla wartet, schaut vermutlich vergeblich. Die eigentliche Transfer-Debatte wird anderswo verhandelt – nicht in der Hektik der Bundesliga, sondern in den europäischen Gremien.
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