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Warum KI-Investitionen nicht automatisch zu Wachstum führen

Tech-Giganten investieren Milliarden in künstliche Intelligenz, doch daraus folgt automatisch kein Wachstum. Die Zahlen von Microsoft und Alphabet machen diese Differenz deutlich.

4 Min. Lesezeit
Warum KI-Investitionen nicht automatisch zu Wachstum führenAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert KI-Milliarden, aber kein Wachstum? Microsoft und Alphabet.

Am Mittwoch verlor die Alphabet-Aktie zeitweise mehr als 10 Prozent. Dadurch schrumpfte der Börsenwert der Google-Mutter um über 400 Milliarden Dollar. Nur wenige Stunden später bekam Microsoft einen anderen Namen: Die Aktien stiegen um 3,5 Prozent. Der Unterschied lag in den Quartalszahlen – und darin, wie unterschiedlich die Anleger die Milliarden für KI-Investitionen bewerteten.

18,6 Milliarden Dollar gegen einen Verlust von 7,66 Milliarden Dollar

Microsoft hat mit 18,6 Milliarden Dollar einen doppelt so hohen Free Cash Flow erzielt wie erwartet. Analyst Jesse Cohen vom Finanzportal Investing.com bezeichnete die Zahlen als „so makellos, wie es für ein Unternehmen dieser Größe nur sein kann“. Microsoft-Finanzchefin Amy Hood sprach vom Quartal als einem guten Start in das Geschäftsjahr 2026/2027. Laut Hood übertraf alle wichtigen Kennzahlen die Markterwartungen.

Besonders deutlich wurde der Erfolg in der Cloud-Sparte: Das Wachstum von Microsoft Azure beschleunigte sich auf 48 Prozent, nachdem es im vorherigen Quartal noch um 43 Prozent gestiegen war. DamitGrowth.

Doch die investierten Gelder führen nicht automatisch zu Wachstum.

Quelle: Tagesschau

Alphabet war nicht von Wachstum verschont. Die Google-Cloud-Sparte verdoppelte zwar ihren Umsatz im Berichtszeitraum. Der negative Free Cash Flow veroppelte sich dennoch nahezu und übertraf mit rund 9 Milliarden Dollar die Analystenprognose um etwa das 250-fache. Operativ rutschte Alphabet in die roten Zahlen und verzeichnete einen Verlust von 7,66 Milliarden Dollar. Zusätzlich enttäuschten schwächere Werbeeinnahmen den Konzernumsatz.

Damit steht der Vergleich unter einer klaren Überschrift: Microsoft konnte aus seinemCloud-Geschäft heraus einen Free Cash Flow von 18,6 Milliarden Dollar erzielen, während Alphabet bei rund 9 Milliarden Dollar negativem Free Cash Flow operativ 7,66 Milliarden Dollar verlor. Beide Unternehmen investieren in dieselbe Zukunftstechnologie. Nur fällt die Bilanz derzeit unterschiedlich aus.

Microsoft hält seine KI-Investitionen 5 Milliarden Dollar unter dem Plan

Microsoft invests 45,2 Milliarden Dollar, rund 5 Milliarden Dollar weniger als geplant. Konzernsprecher Jonathan Neilson erklärte, dies sei in erster Linie auf Lieferverzögerungen zurückzuführen. Der Abstand zu den eigenen Planungen bedeutet daher nicht, dass Microsoft seine KI-Ausgaben zurückgefahren hätte. Er zeigt, wie stark der geplante Ausbau von Rechenzentren und KI-Infrastruktur von Lieferterminen abhängt.

Die Börse bewertete diese Entwicklung dennoch positiv. Microsoft-Titel stiegen im nachbörslichen Handel an der Wall Street um 3,5 Prozent. Das operative Ergebnis und das Tempo von Azure überwogen in dieser Sitzung den Abstand zur Investitionsplanung.

Unter den Anlegern kam Microsoft zudem eine Sonderstellung zu: Die Quartalszahlen galten laut Tagesschau als Gegenbeweis zur Sorge, der Ausbau der KI-Infrastruktur könne sich allgemein als Verlustgeschäft erweisen. Der Konzern reinvestierte zwar große Beträge, wies aber gleichzeitig 18,6 Milliarden Dollar Free Cash Flow aus.

Alphabet plant 205 Milliarden Dollar – bei steigenden Kosten

Bei Alphabet ist der geplante Investitionspfad größer. Finanzchefin Anat Ashkenazi bekräftigte die Prognose, 2026 bis zu 205 Milliarden Dollar in den Ausbau der KI-Infrastruktur zu investieren. Im kommenden Jahr sollen die Ausgaben deutlich steigen. Gleichzeitig belastet die Anmietung externer Rechenkapazitäten die Margen.

Die Anleger befürchten, dass massive Abschreibungen entstehen könnten, weil die Anlagen auf absehbare Zeit keine Gewinne abwerfen dürften. Diese Sorge zeigt sich auch bei den Credit Default Swaps: Die Prämien zur Absicherung gegen Zahlungsausfälle der großen Technologiekonzerne stiegen zuletzt teilweise auf Rekordhochs.

Alphabet steht damit vor einer konkreten Aufgabe. Das Unternehmen muss den Ausbau der KI-Infrastruktur finanzieren, während Werbeeinnahmen schwächeln, Google Cloud zwar schneller wächst, der Konzern aber insgesamt 7,66 Milliarden Dollar verliert. Der um mehr als 400 Milliarden Dollar geschrumpfte Börsenwert macht deutlich, wie empfindlich die Anleger auf diese Kombination aus Investitionen und Ergebnis reagieren.

Der KI-Boom verlangt mehr als 200 Milliarden Dollar an Anleihen

Die Finanzierung ist nicht allein ein Problem von Microsoft und Alphabet. Seit Jahresbeginn haben Amazon, Alphabet, Meta und Oracle US-Anleihen von insgesamt deutlich mehr als 200 Milliarden Dollar ausgegeben. Meta will zusätzlich neue Aktien im Gesamtvolumen von knapp 100 Milliarden Dollar platzieren. Eine erste Tranche über 37,5 Milliarden Dollar wurde am Dienstdag platziert.

Oracle versuchte am Mittwoch, die Sorgen der Anleger mit einer optimistischen Prognose zu dämpfen. Wegen sinkender Investitionen für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres 2027/2028 stellte der SAP-Rivale einen positiven Free Cash Flow in Aussicht. Im darauffolgenden Jahr dürfte der Wert die Marke von 30 Milliarden Dollar übersteigen.

Damit liegt der eigentliche Prüfpunkt fest: Investitionen sind eine Voraussetzung, aber kein Ergebnis. Microsofts 48 Prozent Azure-Wachstum und 18,6 Milliarden Dollar Free Cash Flow zeigen die derzeitige Erfolgsseite. Alphabets 7,66 Milliarden Dollar Verlust, der negative Free Cash Flow von rund 9 Milliarden Dollar und der Einbruch von mehr als 10 Prozent zeigen die Schattenseite.

Die zugrunde liegenden Angaben stammen aus der Wirtschaftsberichterstattung der Tagesschau.

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