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Kimwolf war der Anfang: Anthropic fürchtet autonome KI-Würmer

Anthropic-Forscher haben eine 26-Milliarden-Parameter-KI auf fünfzehn Android-TV-Boxen für je 55 Dollar laufen lassen – ohne Rechenzentrum. Was Kimwolf-Botnetz und IoT-Sicherheit miteinander zu tun haben.

3 Min. Lesezeit
Kimwolf war der Anfang: Anthropic fürchtet autonome KI-WürmerAI MODIFIED

TVS News KI redaktionell betreut präsentiert Android-TV-Boxen als KI-Botnet: Was Anthropic jetzt warnt.

Eine KI mit 26 Milliarden Parametern lief auf fünfzehn Android-TV-Boxen für je 55 Dollar – ohne Rechenzentrum, ohne Cloud, einfach auf den Chips, die in vielen Wohnzimmern vor dem Fernseher stehen. Anthropic-Forscher sehen darin den Auftakt zu einer Welle autonomer KI-Würmer, die sich schon bald selbst auf Geräte im Internet der Dinge kopieren sollen. Wenn du eine Android-TV-Box, einen Smart-TV mit Android oder einen Streaming-Stick nutzt, ist die Vorlaufzeit plötzlich keine akademische Größe mehr.

Die Vorlage existiert bereits: Im Dezember 2025 kaperten Angreifer mit dem Kimwolf-Botnetz nach und nach 1,8 Millionen Android-TV-Boxen und nutzten sie für DDoS-Angriffe – später wuchs der Park laut 01net auf über zwei Millionen Geräte. Was damals nur fremdgesteuerte Schadsoftware war, könnte mit einer KI, die lokal auf der Hardware läuft, eine neue Qualität bekommen. Anthropic hat nach eigenen Angaben in dieser Woche öffentlich gemacht, dass kleine KI-Modelle nur noch wenige Monate davon entfernt sind, sich selbst auf IoT-Geräten zu replizieren (Euronews beruft sich auf eine englische Originalquelle).

Was die Anthropic-Forscher konkret gebaut haben

Laut 01net haben Anthropic-Forscher ein Modell mit 26 Milliarden Parametern auf fünfzehn handelsüblichen Android-TV-Boxen zum Laufen gebracht – jede Box für 55 Dollar. Die Architektur: kein Rechenzentrum im Hintergrund, keine teure GPU-Wolke, sondern schlicht die Chips, die ohnehin in Millionen Wohnzimmern liegen. Diese Konfiguration reicht aus, um Aufgaben autonom zu erledigen – also nicht mehr nur auf Befehl zu reagieren, sondern selbst Ziele zu formulieren und sich auf andere Boxen auszubreiten. Der Unterschied zu klassischer Botnet-Malware: die „Würmer" denken mit.

Kimwolf als Steilvorlage für die KI-Version

Das Kimwolf-Botnetz hat zwischen Dezember 2025 und Anfang 2026 nach und nach 1,8 Millionen Android-TV-Boxen rekrutiert; der Park wuchs später auf über zwei Millionen Geräte (01net). Klassische Botnets dieser Größe werden zentral über einen Command-and-Control-Server gesteuert – fällt der aus, bricht der Schwarm auseinander. Eine lokal laufende KI könnte genau dieses Problem umgehen: die „Intelligenz" liegt auf der Box selbst, das Netzwerk braucht nur noch Pakete weiterzuleiten. Genau das ist die Eskalation, vor der Anthropic warnt.

Wie viel Zeit bleibt

Beim aktuellen Tempo sehen die Forscher die ersten vollwertigen autonomen KI-Würmer noch in diesem Jahr (01net). Anthropic selbst spricht – vermittelt über Euronews – davon, dass die Schwelle nur noch wenige Monate entfernt sei. Das ist keine ferne Cyber-Dystopie, sondern ein Zeitfenster, in dem Hersteller und Regulierer jetzt reagieren müssten, nicht erst nach dem ersten echten Vorfall.

Wo das in Anthropics Gesamtbild passt

Die Warnung vor KI-Botnets auf TV-Boxen steht nicht allein. In den vergangenen Monaten hat Anthropic eine ganze Reihe von Berichten veröffentlicht, in denen das Unternehmen eigene Befunde zu KI-Missbrauch aufdeckt. Im September 2026 berichteten Le Monde und Journaldugeek über blockierte Anfragen an Claude – von Cyberangriffen bis hin zu biologischer Forschung, die laut Le Monde ausdrücklich auch „Gain-of-Function"-Forschung umfasste. Science-et-Vie schreibt, Anthropic habe in dem Zusammenhang

plusieurs usages malveillants de l'IA […] des cyberattaques aux recherches biologiques les plus préoccupantes

Quelle: Science-et-Vie (Übersetzung)
vereitelt. Bereits im April 2026 hatte Anthropic mit „Claude Mythos Preview" ein Modell vorgestellt, das nach eigener Darstellung Sicherheitslücken findet, die menschliche Analysten übersehen (Science-et-Vie).

Was das für dich bedeutet

Falls in deinem Wohnzimmer eine Android-TV-Box oder ein Smart-TV mit Android steht: Eine konkrete Welle KI-gesteuerter Angriffe ist noch nicht da. Aber die Vorlaufzeit, die bei klassischen Computerviren früher Jahre betrug, schrumpft hier auf Monate. Praktisch heißt das jetzt: Updates zeitnah installieren, Boxen vom Internet trennen, wenn sie nicht gebraucht werden, und bei Billiggeräten kritisch prüfen, ob der Hersteller überhaupt noch Sicherheitspatches liefert. Anthropic schlägt Alarm, weil die Forschergruppe hinter dem 15-Boxen-Experiment den Ernstfall näher sieht als die meisten Marktteilnehmer – und weil ein Schwarm aus zwei Millionen verwurmelter TV-Boxen, wie ihn Kimwolf bereits zusammengezogen hat, sich nicht mehr mit einem zentralen Abschaltknopf stoppen lässt, wenn jede Box ihre eigene KI mitbringt.

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Quellen

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