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„Nobody Wants This“ kann Israel und Gaza nicht mehr ignorieren

Cast und Creator der Netflix-Komödie „Nobody Wants This“ haben öffentlich über den Israel-Palästina-Konflikt gesprochen. Für die Serie bedeutet das: Das Thema lässt sich nicht mehr einfach als Außenwelt behandeln.

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„Nobody Wants This“ kann Israel und Gaza nicht mehr ignorierenAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert Nobody Wants This: Israel und Gaza rücken nach Cast-Kommentaren in den Fokus.

Drei Positionen innerhalb weniger Wochen

Adam Brody spielt Noah Roklov, den umstrittenen „hot rabbi“ und eine Hälfte des zentralen Liebespaares der Serie. Gegenüber GQ erklärte er, er halte Israels Handeln in Gaza für Genozid und unterstütze ein freies Palästina.

Erin Foster, die Creatorin und/showrunnerin der Netflix-Komödie, ging anders damit um. In einem Podcast sagte sie: „Ich stimme Brody nicht zu, und das ist in Ordnung.“ Ihre eigene Position blieb laut Variety vage. Zugleich bezeichnete Foster die Serie als „Liebesbrief an das Judentum“.

Noch deutlicher wurde Tovah Feldshuh, die Noahs aufdringliche Mutter Bina spielt. Sie verurteilte Brodys Kommentare gegenüber dem New York Post als „direkt aus Hitlers Handbuch“. Aus interviews mit verschiedenen Medien ist damit eine Folge öffentlich divergierender Positionen geworden.

Brodys Figur macht seine Aussage besonders eng

Die Verbindung zwischen Brodys Aussage und seiner Rolle erklärt, warum die Debatte nicht nur neben der Serie stehen bleibt. Noah ist keine Randfigur, sondern Teil des zentralen Liebespaares mit Joanne, die von Kristen Bell gespielt wird. Gerade weil Brody als Rabbiner und Figur mit dem Judentum verbunden ist, erreicht seine Einordnung des Konflikts den Kern der Serie.

Das Drehbuch liefert allerdings keinen szenischen Nachbau dieser Debatte. Der Konflikt zwischen Noah und Joanne entsteht laut der Kritik von Alison Herman vor allem durch die Frage, ob sie zum Judentum konvertieren möchte. Diese Spannung löst sich in der romantischen Komödie häufig zugunsten eines Kusses. Ein ausführliches Gespräch über Israel, Besatzung und die politischen Spaltungen innerhalb jüdischer Familien würde dagegen einen anderen Ton verlang.

Variety beschreibt deshalb eine Situation, in der die Debatte außerhalb der Kontrolle der Serie stattfindet. Sie füllt die Leerstelle, die Foster durch das Ausblenden des Themas in der Handlung geschaffen hat – und zwar mit persönlichen Aussagen, nicht mit einer geplanten Handlung.

Israel fehlt im Alltag der Roklov-Familie

Diese Leerstelle war bereits vor den Cast-Kommentaren auffällig. Die Serie startete fast ein Jahr nach den Hamas-Angriffen im Oktober 2023. In den Gesprächen rund um Noahs Familie kam Israel nach Einschätzung der Kritikerin jedoch praktisch nicht vor.

Das steht in einem deutlichen Kontrast zur gesellschaftlichen Wirklichkeit. Herman verweist auf dieSpannungen zwischen amerikanischen Juden über die Rolle des jüdischen Staates, die sich nach den Angriffen bis heute an Familientischen zeigen und entlang Generationen verlaufen können. Eine Figur wie Noah, die alsmoderner, entspannter religiöser Anführer auftritt, könnte die Besatzung kritisieren, ohne mit der grundsätzlichen Haltung der Serie zu brechen.

Bina passt ohnehin nicht in das Schema einer traditionellen Rabbinerfamilie. Sie reagiert gelassen, als Noah Joanne ungefähr zwei Sekunden nach dem Einzug einen Heiratsantrag macht. Die Komödie behandelt Religion eher als kleine, leicht zu überwindende Differenz als als Kultur oder Religion mit eigenen inneren Konflikten.

Selbst die Holocaust-Vergangenheit bleibt fast vollständig außen vor

Joannes Versuch, jüdische Bildung zu verstehen, verläuft in der dritten Staffel ebenfalls sehr oberflächlich. Die von Gaststar Sarah Silverman unterrichteten Kurse haben kaum Substanz und verschwinden über längere Teile der Staffel. Vor allem dienen sie dazu, Andrew Rannells neue, gehämisch wirkende Gegenspielerin einzuführen.

Auch die Holocaust-Vergangenheit, die laut Herman einen deutlich länger bestehenden und weniger umstrittenen jüdischen Erfahrungsbereich darstellt, fehlt fast vollständig in der Serie. Das hält den fröhlichen Ton aufrecht, führt aber zu einer weiteren Lücke zwischen der dargestellten Welt und dem Leben, das die Figuren repräsentieren sollen.

Die Kritikerin räumt ein, dass nicht jede jüdische Serie Israel ausdrücklich behandeln muss. Als Beispiel nennt sie die animierte Netflix-Serie „Long Story Short“ von Raphael Bob-Waksberg, „BoJack Horseman“-Creator. In ihrer ersten Staffel verzichtete sie bewusst auf Israel, damit die Figuren nicht zu Stellvertretern für die Politik ihrer Creatoren würden. Bob-Waksberg sagte im Vorjahr zu Variety: „Wenn wir darüber reden, kommt alle Luft aus dem Raum.“

„Long Story Short“ spielt jedoch vollständig vor dem 7. Oktober. Bei „Nobody Wants This“ ist die Auslassung seit dem Start der Serie mit der naheliegenden Debatte über den gegenwärtigen Krieg konfrontiert.

Die Debatte trifft eineSerie, die sich als Fluchtfantasie versteht

Die stärkste Gegenposition zu Brodys deutlicher Positionierung lautet, dass „Nobody Wants This“ nie ein gesellschaftliches Diskussionsforum sein sollte. Als romantische Komödie darf sie schwierige Themen ausblenden. Eine scharfe Auseinandersetzung über den Israel-Palästina-Konflikt könnte den leichten Ton abrupt zerstören.

Herman widerspricht diesem Einwand mit einer klaren Grenzziehung: Eine serie, die das Judentum feiern und darstellen will, könne nicht jede zentrale politische und religiöse Frage ausblenden. Besonders deutlich fällt die Lücke aus, weil Foster die Figuren nach eigenen Worten wie Esstische rund um die Welt darstellt, an denen Menschen miteinander streiten und unterschiedliche Meinungen vertreten.

Für das Publikum ist „Nobody Wants This“ deshalb nicht mehr nur eine Frage nach Figuren, Handlung und Timing. Die Aussagen von Brody, Foster und Feldshuh bestimmen nun mit, vor welchem Kontext die Serie wahrgenommen wird. Die Komödie selbst kann beim Themenkonflikt weiterhin leichter Handlung bleiben. Ihre öffentliche Debatte ist es nicht mehr.

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