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Steve Reich erleben: Das solltest du über das Londoner Konzert wissen

Die Colin Currie Group feiert Steve Reich in der Londoner Barbican Hall mit neuen Werken, Bezügen auf Radiohead und einem packenden Block aus vier Meisterwerken.

4 Min. Lesezeit
Steve Reich erleben: Das solltest du über das Londoner Konzert wissenAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert Steve Reich in London: Ein Geburtstagskonzert mit vier Meisterwerken.

Steve Reich wird in diesem Jahr 90, und die Colin Currie Group hat für die Barbican Hall in London ein Programm zusammengestellt, das weniger nach vertrauter Nostalgie klingt als nach einem aktuellen musikalischen Selbstgespräch. Im Mittelpunkt stehen Werke, die der Komponist in den letzten zwei Jahrzehnten geschrieben hat.

Das ist der entscheidende Unterschied zu vielen anderen Geburtstagskonzerten. Reich gilt insbesondere wegen der präzisen, ritualhaften Klänge seiner 1970er- und 1980er-Jahre als Ikone. Das Programm nimmt Abstand von diesen Signaturwerken und rückt stattdessen Material ins Zentrum, das deutlich jünger ist.

Für dich als Publikum heißt das: Du bekommst kein Konzert, das nur den bekannten Reich-Katalog feiert. Du hörst einen Komponisten, der weiterarbeitet, neue musikalische Verbindungen sucht und dabei nicht automatisch bei seinen größten bekannten Werken landet. Der Bericht des Guardian beschreibt ein Programm, das nach einer kurzen Anlaufphase in eine bemerkenswert dichte Folge von vier Meisterwerken mündet.

Warum das Programm Reich nicht auf seine bekannten Werke reduziert

Ein neuer Ansatz statt eines Klassikerkonzerts

Die zentrale programmatische Entscheidung des Abends lautet: weg von den unvermeidbaren Werken der 1970er- und 1980er-Jahrzehnte. Eine Ausnahme gibt es immerhin. „Clapping Music“ von 1972 gehört zum Programm und wird in der Rezension weiterhin als geistig erweiternd beschrieben.

Laut Guardian hat der Komponist alle übrigen Stücke bereits in einem Alter von mehr als 71 Jahren geschrieben. Das ist kein Beweis dafür, dass ein älterer Komponist automatisch bessere Musik schreibt. Das zeigt aber, wie stark sich die Auswahl von der Erwartung löst, dass ein alter Sound vergangen sei. Gerade bei Reich wird die Frage interessant, wie sein Werk in der Gegenwart weiterentwickelt wird.

Die Londoner Premiere von „In All Your Ways“ verstärkt diesen Eindruck. Das Stück ist laut Rezension brandneu und wurde erstmals in London aufgeführt. Es entstand, als der Komponist noch nicht 90 Jahre alt geworden war. Das macht den Abend zu mehr als einer Hommage: Er zeigt einen künstlerischen Prozess, der beim Jubiläum nicht endet.

„Radio Rewrite“ verbindet Reich mit Radiohead

Der Höhepunkt des Abends

Besonders ausführlich beschreibt der Guardian „Radio Rewrite“. Das Werk besteht aus fünf fortlaufenden Sätzen, die auf zwei klassische Radiohead-Songs Bezug nehmen. Wer die beiden Songs kennt, kann ihre Umrisse vor allem im harmonischen Umfeld der langsameren Passagen und in den melodischen Konturen der schnelleren Musik erkennen.

Damit arbeitet Reich hier nicht mit einer direkten Cover-Version. Die Vorlagen werden in seiner musikalischen Sprache verarbeitet: Aus erkennbaren Melodielinien werden langsame Klangflächen und schnellere, rhythmisch präzise Abläufe. Für das Publikum entsteht dadurch eine Art doppeltes Hörerlebnis. Einmal hörst du die vertrauten Songs und suchst ihre Konturen. Andererseits nimmst du ein Stück wahr, das ohne diese Vorlage nicht funktionieren würde.

Currie leitete die Aufführung nach den Angaben des Guardian eher ruhig und gesetzt. Die Beschreibung „so tight as a drum“ hebt vor allem die präzise Zusammenarbeit der Gruppe hervor. Der Klangeindruck entsteht also nicht zufällig: Die musikalische Dichte entsteht durch exakt geführte, eng zusammenspielende Stimmen und Percussion.

Der Verlauf: erst Anlauf, dann vier Meisterwerke am Stück

Der Konzertaufbau

Der Auftakt wird in der Rezension als „bitty“ beschrieben, also zunächst etwas zerfasert oder unruhig. Danach findet die Gruppe jedoch zu ihrem Rhythmus. Vier Meisterwerke folgen unmittelbar hintereinander.

Diese Konstruktion erklärt, warum der Abend trotz des unruhigen Beginns als dicht und fokussiert erlebt werden kann. Nach der Einstimmung bekommt die Musik keine langen Atempausen. Mehrere Kompositionsideen treffen aufeinander, während die Colin Currie Group als Ensemble die Kontrolle behält.

Die stärkste Zuspitzung liefert „Radio Rewrite“ mit seinen fünf Sätzen. Der Titel des Stücks macht den Anspruch sichtbar: Reich komponiert die Musik nicht im Stil von Radiohead, sondern setzt sich in seiner Komposition mit deren Werk auseinander. Die Rezension des Guardian trifft die Atmosphäre deshalb treffend mit „at his coolest“. Die musikalische Temperatur ist kühl, kontrolliert und trotzdem keineswegs emotionslos.

Das Fazit: Ein Jubiläum, das nicht abtaucht

Dieses Geburtstagskonzert überzeugt vor allem durch seine Programmwahl. Reich erscheint nicht als museumswürdige Ikone, sondern als aktiver Komponist. „In All Your Ways“ bringt eine neue Londoner Premiere, „Radio Rewrite“ verbindet seine musikalische Sprache mit zwei Radiohead-Songs, und „Clapping Music“ erinnert daran, dass auch seine älteren Ideen in der Gegenwart noch Wirkung entfalten.

Wenn du Reich bereits kennst, bekommst du durch den Abend eine andere Perspektive auf sein Schaffen. Wenn du dagegen eher auf vertraute Klänge aus den 1970er-Jahren stehst, solltest du wissen: Der Abend setzt bewusst nicht dort an. Nach einer kurzen Anlaufphase wartet ein Block aus vier Meisterwerken, in dem Präzision, Dichte und kühne Verarbeitung des Materials den Ton angeben.

Der Guardian urteilt am Ende durchaus enthusiastisch. Für Gäste der Barbican Hall ist das ein gutes Argument, dem Programm einen Abend lang zuzuhören: Reich klingt hier nicht fertig, sondern weiter im Dialog.

Quellen

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AI-unterstützt · redaktionell betreut

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