Acemoglu sieht die US-Wirtschaft zwischen Erschlaffen und Schock
Daron Acemoglu verbindet hohe Staatsverschuldung, eine KI-Blase und beschädigte Institutionen mit einer Warnung an Trump. Entweder droht ein schrittweises Erschlaffen der US-Wirtschaft oder ein großer Schock.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Wenn Trump den Kurs nicht dreht: Acemoglu warnt vor tiefer Wirtschaftskrise.
Die entscheidende Zahl steht am Anfang: in den nächsten fünf bis zehn Jahren könnte die USA nach Ansicht des Ökonomen und Wirtschaftsnobelpreisträgers Daron Acemoglu deutlich an Wirtschaftskraft verlieren. Voraussetzung sei, dass Präsident Donald Trump seinen Zerstörungskurs nicht beendet. Acemoglu beschreibt zwei mögliche Verläufe: ein langsames Erschlaffen in vielen kleinen Etappen oder einen großen Schock, etwa wenn die KI-Blase platzt.
Die USA wachsen momentan durchaus, sogar stärker als Europa. Genau darin liegt für Acemoglu die Dringlichkeit: Der Zerstörungsprozess könne kurzfristig abgefedert werden, während seine Folgen politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Handlungsräume dauerhaft verkleinern. Es handelt sich also nicht um die Behauptung, die Krise sei bereits ausgebrochen. Es ist eine bedingte Warnung: Bleibt Trumps Kurs bestehen, steigen die Risiken für Wachstum, staatliche Reaktionsfähigkeit und demokratische Stabilität.
Warum eine Krise in Etappen oder als Schock kommen kann
Der schleichende Verlauf
Acemoglu hält ein langsames Erschlaffen für möglich. Die Wirtschaft läuft dann weiter, verliert aber über längere Zeit an Dynamik. Fünf bis zehn Jahre wären der Zeitraum, in dem das Land nach seiner Warnung wirtschaftlich schwächer werden könnte. Plötzliche Schlagzeilen wären dafür nicht nötig. Der Schaden entstünde über mehrere Etappen, während der institutionelle Rahmen weiter erodiert.
Der abrupte Verlauf wäre der zweite mögliche Ausgang. Als Auslöser nennt Acemoglu ausdrücklich das Platzen der KI-Blase. Die Erwartungen an künstliche Intelligenz seien weit überschätzt. Ein solcher Schock würde die USA besonders hart treffen, weil dem Staat dann kaum noch Mittel und institutionelle Kraft für eine stabilisierende Reaktion blieben.
Wenn Trump diesen Zerstörungskurs nicht beendet, droht eine tiefe Wirtschaftskrise
Schulden und schwache Institutionen verkleinern den Spielraum
Acemoglu verbindet die mögliche Wirtschaftskrise mit drei konkreten Belastungen: der hohen Staatsverschuldung, der überschätzten KI und der Zerstörung demokratischer Institutionen.
Die hohe Verschuldung begrenzt laut Acemoglu den Handlungsspielraum der US-Regierung. Das ist der entscheidende Zusammenhang: Ein Schock muss nicht nur wirtschaftlich schwer sein. Er trifft einen Staat, der gleichzeitig weniger Geld und weniger funktionierende Institutionen zur Verfügung hat, um die Folgen abzufedern.
Noch schlechter ist laut Acemoglu die Ausgangslage im Vergleich zur Finanzkrise: Die Institutionen seien heute schwächer als damals. Hinzu komme, dass kaum noch internationale Kooperationen existierten. Auch das sei eine Folge der mutwilligen Zerstörung von Institutionen. Damit verliert die US-Regierung neben finanziellen Spielräumen auch die Möglichkeit, gemeinsam mit anderen Staaten auf eine globale Krise zu reagieren.
Trump regiere zudem mit Dekreten und greife die demokratischen Institutionen an. Acemoglu sagt, die Institutionen hätten weder die ausufernde Korruption des Präsidenten und seines Clans sanktionieren noch verhindern können, dass Trump die demokratische Ordnung untergrabe. Für ihn ist Trump deshalb mehr als ein Symbol: Der schwache institutionelle Rahmen habe ihn erst möglich gemacht und lasse ihn so agieren, wie er handelt.
Die KI-Blase ist mehr als ein Börsenrisiko
Acemoglu hält den KI-Boom für eine Spekulationsblase und bezweifelt, dass der technologische Fortschritt bereits breit in der Wirtschaft ankommt. In den Gesamtstatistiken gebe es bislang kaum Belege dafür, dass Unternehmen durch KI deutlich produktiver würden. Eine wichtige Ausnahme nennt er: das Programmieren.
Damit trennt er zwischen echten technischen Fortschritten und den Erwartungen an ihren wirtschaftlichen Nutzen. Gerade diese Diskrepanz macht die KI für ihn politisch relevant. Wenn die Erwartungen enttäuscht werden und zugleich die staatlichen Handlungsräume begrenzt sind, trifft der Technologieschock die USA in einer schwachen institutionellen Situation.
Die gesellschaftliche Gefahr sieht Acemoglu ebenfalls. KI könne die Ungleichheit auf ein unerträgliches Maß steigern, wenn der Staat nicht eingreift. Er fordert deshalb eine „Worker AI“, die mit Beschäftigten in Bereichen wie Bildung und Gesundheitswesen zusammenarbeitet, statt Arbeitsplätze zu ersetzen. Solange die Technologie bei großen Tech-Unternehmen wie OpenAI liege, sei dieses Modell eher nicht zu erwarten.
Trumps Rückhalt reicht tiefer als die Republikaner
Acemoglu verweist auf drei Klagen, die den Unmut in den USA antreiben: ungeteilte Wohlstandsgewinne, staatliche Leistungen, die den Erwartungen der Menschen nicht entsprechen, und das Gefühl, dass Politiker nicht zuhören.
Diese Wut sei berechtigt, sagt er. Die politischen Eliten hätten den Menschen ohne Hochschulabschluss jahrzehntelang vernachlässigt. Als Beispiel nennt er den Wahlkampf von Hillary Clinton 2016: Trump sei für ihn überraschend gewesen, zugleich habe ihn empört, dass Clinton möglicherweise wirtschaftliches und soziales Leid von rund 50 Prozent der Bevölkerung über Jahrzehnte nicht anerkannt habe.
Damit erklärt Acemoglu Trumps Unterstützung nicht allein durch dessen Person. Trump verstehe die Alltagssorgen vieler Menschen und nutze sie, um seine institutionelle Zerstörung voranzutreiben. Dennoch sei er der gefährlichste rechte Politiker: Anders als Marine Le Pen in Frankreich, Nigel Farage in Großbritannien oder die AfD in Deutschland verfolge Trump ausdrücklich das Ziel, demokratische Institutionen zu zerstören.
Die Zwischenwahlen entscheiden über den nächsten Schritt
Acemoglu rechnet damit, dass die Republikaner bei den Zwischenwahlen einige Sitze im Kongress verlieren. Er warnt ausdrücklich davor, daraus zu viel abzuleiten: Noch wichtiger sei, ob die Demokraten bis 2028 einen Präsidentschaftskandidaten finden, der die Arbeiterschaft versteht und eine Erneuerung des Liberalismus entschlossen verfolgt.
Als mögliche Kandidaten nennt er den Senatoren Jon Ossoff aus Georgia und den New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani, der demokratischen Sozialismus propagiert und die Lebenshaltungskosten zum zentralen Thema gemacht habe. Für Acemoglu spricht dafür, dass dieser Ansatz die Unzufriedenheit mit teuren Lebensbedingungen aufgreift, statt nur institutionell zu argumentieren.
Sein Gesamteindruck bleibt dennoch vorsichtig. Er sieht Amerika nach Überwindung des „Trump-Schocks“ wieder als globale Führungsrolle und Vorbild. Ohne diese Kursänderung bleiben aus seiner Sicht schwächere Institutionen, weniger Kooperation, eingeschränkte Handlungsräume und eine überschätzte KI zusammen – eine Mischung, die schleichend schwächen oder mit einem großen Schock zuschlagen kann.
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