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Quartalsplus, Forschung und ein bevorstehender Abschied

BioNTech vermeldet ein Plus im dritten Quartal und investiert weiterhin stark in die Forschung. Parallel zu den erwarteten Onkologie-Zulassungen kündigt sich der Abschied des Gründer-Ehepaares an.

4 Min. Lesezeit
Quartalsplus, Forschung und ein bevorstehender AbschiedAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert BioNTech mit Plus: Steht das Gründer-Ehepaar vor dem Abschied.

Die wichtigste Zahl steht ganz oben: 184,5 Millionen Euro Nettogewinn hat BioNTech im dritten Quartal 2026 erwirtschaftet. Ein Jahr zuvor hatte das Unternehmen in diesem Zeitraum noch 28,7 Millionen Euro Verlust verbucht. Die Nachricht klingt damit klar positiv. Zugleich steht ein großer personeller Einschnitt bevor: Ugur Sahin und Özlem Türeci werden das Unternehmen spätestens Ende 2026 verlassen.

BioNTechs Quartalsergebnis und seine finanzielle Gesamtlage erzählen dabei zwei verschiedene Geschichten. Im dritten Quartal steht ein Gewinn von 184,5 Millionen Euro zu Buche. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2026 verzeichnet das Unternehmen aber weiterhin einen Verlust von 1,17 Milliarden Euro. Der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum macht den Abstand deutlich: Damals lag der Verlust bei 831,1 Millionen Euro.

Warum das Quartal plötzlich im Plus ist

184,5 Millionen Euro statt 28,7 Millionen Euro Verlust

BioNTech erzielte im dritten Quartal Erlöse von 1,29 Milliarden Euro. Im Vorjahresquartal waren es 1,52 Milliarden Euro und damit rund 230 Millionen Euro mehr. Damals war BioNTech allerdings zusätzlich durch Zahlungen des US-Pharmaunternehmens Bristol Myers Squibb profitiert. Heute ist der Umsatz niedriger, das Nettoergebnis fällt dennoch deutlich besser aus.

Ein direkter Vergleich der Nettozahlen muss deshalb die unterschiedlichen Geschäftsumsätze berücksichtigen. Der jetzige Gewinn von 184,5 Millionen Euro ist ein klarer Fortschritt gegenüber dem Vorjahresverlust. Er macht die bisherigen neun Monate aber nicht rentabel: In diesem Zeitraum bleiben nach Unternehmensangaben 1,17 Milliarden Euro Verlust aufgelaufen.

Die stärkste Gegenposition zur Schlagmeldung „Plus“ lautet deshalb: Ein Quartal macht aus einem neunmonatigen Verlust noch kein profitables Geschäftsjahr. Umgekehrt wäre es ebenso ungenau, das Quartal positiv zu ignorieren. Zwischen dem Verlust von 28,7 Millionen Euro im Vorjahr und dem aktuellen Gewinn von 184,5 Millionen Euro liegt ein nachvollziehbarer Umschwung innerhalb eines Quartals.

Die Umsatzprognose steigt vor allem unten an

1,7 bis 1,9 Milliarden Euro für 2026

Finanzvorstand Ramón Zapata erklärte im Zusammenhang mit dem dritten Quartal, die Geschäftsentwicklung erlaube es, die Umsatzprognose für 2026 im oberen Bereich einzugrenzen. Vorher hatte BioNTech mit 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro gerechnet. Die neue Spanne beginnt nun bei 1,7 Milliarden Euro; die obere Grenze bleibt bei 1,9 Milliarden Euro.

Die Anpassung ist damit greifbar, aber begrenzt: Die Untergrenze steigt um 100 Millionen Euro, während der Höchstwert unverändert bleibt. Zusammen mit dem Quartalsgewinn signalisiert das mehr operative Zuversicht. Die Nine-Month-Zahlen zeigen aber, warum BioNTech den Jahresabschnitt weiterhin nicht als abgeschlossen betrachten kann.

Auffällig ist außerdem, wie stark sich die Geschäfte innerhalb eines Jahres verschoben haben. Das Unternehmen nennt immense Ausgaben für Forschung und Entwicklung, vor allem für Krebstherapien. Gleichzeitig ist das Geschäft mit Covid-19-Impfstoff stark geschrumpft. Beides trifft BioNTech gleichzeitig: Einerseits entstehen neue Entwicklungskosten, andererseits fällt eine bislang wichtige Erlösquelle weg.

Drei Standorte schließen bis Ende 2028

Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen: rund 1.800 Beschäftigte

BioNTech hat in diesem Jahr die Schließung von drei Standorten angekündigt. In Tübingen soll Ende 2027 Schluss sein, in Marburg Anfang 2028 und in Idar-Oberstein Ende 2028. Von den Schließungen sind nach Unternehmensangaben insgesamt etwa 1.800 Beschäftigte betroffen.

Die Termine verteilen den Einschnitt über gut ein Jahr. Zuerst trifft der Abbau Tübingen, danach Marburg und schließlich Idar-Oberstein. Diese Planung passt zu den Angaben, wonach das Unternehmen an mancher Stelle sparen muss, während es gleichzeitig große Summen in Forschung und Entwicklung investiert.

Damit wird das Bild von BioNTech konkreter. Das dritte Quartal war finanziell positiv, die ersten neun Monate waren es nicht. Zugleich baut das Unternehmen seine Standorte um und richtet seine Ressourcen stärker auf Krebstherapien aus. Die Schließungen betreffen daher nicht nur eine Nebensache: Sie gehören zum wirtschaftlichen Umbau, den die Quartalszahlen abbilden.

Sahin und Türeci wechseln mit Arife nach Mainz

Spätestens Ende 2026: Abgang aus dem bestehenden Unternehmen

Ugur Sahin und Özlem Türeci, die beiden Mitbegründer, werden BioNTech spätestens Ende dieses Jahres verlassen. Ihr neues Unternehmen trägt den Namen Arife, wird ebenfalls in Mainz sitzen und sich der Erforschung und Entwicklung sowie der Herstellung und Vermarktung pharmazeutischer Produkte widmen.

BioNTech und Arife führen Gespräche darüber, ob Rechte und mRNA-Technologien von BioNTech in das neue Unternehmen eingebracht werden. Als möglichen Ausgleich nennt der Entwurf eine Minderheitsbeteiligung an Arife sowie Lizenzgebühren. Eine verbindliche Vereinbarung gibt es nach Unternehmensangaben nicht. Die Gespräche laufen, und eine Vereinbarung sei für beide Seiten optional.

Damit steht fest, dass die Gründer das bisherige Unternehmen verlassen. Offen bleibt dagegen, wie eng die beiden Unternehmen künftig verbunden sein werden. Für BioNTech wäre eine Minderheitsbeteiligung an Arife samt Lizenzgebühren eine zusätzliche Verbindung zu Technologie und Produktentwicklung. Ein solcher Deal ist jedoch nicht beschlossen, sondern lediglich eine Möglichkeit, über die beide Seiten verhandeln.

Die Forschung bleibt der größte Kostenblock, die Onkologie das wichtigste Entwicklungsfeld. Pumitamig, der gemeinsam mit Bristol Myers Squibb entwickelte Wirkstoffkandidat, bildet zugleich einen konkreten Bezugspunkt für BioNTechs Geschäftsentwicklung. Das dritte Quartal zeigt erstmals in diesem Umfeld einen deutlichen Gewinn, während der Dreijahresverlust und die angekündigten Standortschließungen den Preis für den geplanten Umbau sichtbar machen.

Quellen

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