Horst Fascher stirbt: Aus Skepsis wurde eine Beatles-Verbindung
Horst Fascher ist mit 90 Jahren gestorben. Der Mitbegründer des Hamburger Star-Clubs brachte die Beatles in den Club, als die Band aus Liverpool weltweit noch kaum bekannt war – obwohl er sie zunächst fast abgeschrieben hatte.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Horst Fascher mit 90 Jahren gestorben: Wegbereiter der Beatles.
Horst Fascher ist am 31. Oktober im Alter von 90 Jahren gestorben. Sein Bruder Uwe Fascher bestätigte, dass er friedlich im Heim eingeschlafen sei. Für die Hamburger Musikgeschichte ist das ein besonderer Verlust: Fascher war Mitbegründer und Geschäftsführer des Star-Clubs an der Großen Freiheit und holte The Beatles in die Hansestadt, als die Band aus Liverpool dort noch weitgehend unbekannt war.
Die Meldungen von Bunte und Focus Panorama zeichnen seinen Werdegang als Weg vom Boxer und Schiffszimmermann zum Clubgeschäftsführer. Noch eindringlicher ist die Beziehung zu den Beatles: Aus Faschers anfänglicher Ablehnung wurde eine jahrelange Verbundenheit, die bis zu einem von John Lennon gewidmeten Song reichte.
1960: „Die kannst du vergessen“
Der Wendepunkt
Faschers Bekanntschaft mit der Band war keine Liebesgeschichte auf den ersten Blick. Als The Beatles 1960 erstmals auf dem Kiez spielten, gehörten noch Pete Best und Stuart Sutcliffe zur Gruppe. Fascher zeigte sich wenig überzeugt. Er soll gesagt haben: „Die Schrammeln mir zu viel. Die kannst du vergessen.“
Damit war seine spätere Entscheidung keineswegs selbstverständlich. Er musste seine Einschätzung revidieren, um aus einem skeptischen Club-Mitgründer den Mann zu machen, der die Beatles in Hamburg bookte und mit ihnen eng zusammenarbeitete. Das ist der bemerkenswerte Teil der Geschichte: Gerade weil Fascher die Band anfangs kaum für wichtig halten konnte, wurde seine spätere Unterstützung zum prägenden Moment der lokalen Beatles-Geschichte.
Januar 1962: Der Vertrag mit Brian Epstein
500 Mark pro Woche
Im Januar 1962 schloss Fascher mit Beatles-Manager Brian Epstein den Vertrag für die Auftritte der Band im Star-Club. Jeder Musiker erhielt dafür 500 Mark pro Woche. Aus der anfänglichen Skepsis war damit innerhalb von zwei Jahren eine verbindliche Zusammenarbeit geworden.
Der Weg zum Club war mit dem Jahr 1962 verknüpft. Fascher überzeugte die Kiez-Größe Manfred Weissleder davon, das Stern-Kino an der Großen Freiheit 39 in einen Musikclub umzuwandeln. Am 13. April 1962 eröffnete der Star-Club. Schon am Eröffnungsabend traten die Beatles dort auf. Nach der Erinnerung der „Hamburger Morgenpost“ folgten bis zum Jahresende weitere 78 Auftritte.
Das war der Beginn einer Geschichte, die über einzelne Konzerte hinausging. Fascher zog nachts mit den Liverpoolern durch Hamburg. Die Band nannte ihn „Horstie“. Er war nicht nur der Vertragspartner hinter den Auftritten, sondernTeil eines Alltags, in dem sich die junge Band und ihr Gastgeber auf dem Kiez kennenlerndurften.
Vom Star-Club zur Kiez-Legende
Bill Haley, Chuck Berry, Jimi Hendrix, Fats Domino
Als Geschäftsführer kümmerte sich Fascher um die Verpflichtung der Künstler. Nach den Beatles brachte er unter anderem Bill Haley, Chuck Berry, Jimi Hendrix, Fats Domino und die Everly Brothers an die Große Freiheit. Sein Name ist deshalb nicht nur mit einem einzigen Auftritt verknüpft, sondern mit einem Teil des musikalischen Lebens in Hamburg.
John Lennon erinnerte sich später ausdrücklich an die Wirkung dieser Jahre: „Hamburg war es, das den Ausschlag gab. Dort haben wir uns wirklich entwickelt.“ Diese Worte ordnen Faschers Club rückblickend in den Werdegang der Band ein. Die Beatles hatten in Großbritannien schon Aufmerksamkeit erregt, doch Hamburg wurde zu dem Ort, an dem sie sich nach Aussage Lennons weiterentwickelten.
Faschers eigener Weg verlief parallel dazu. Er kam 1936 in Hamburg zur Welt, absolvierte eine Ausbildung zum Schiffszimmermann und boxte in den 1950er-Jahren. Aus diesem beruflichen und sportlichen Hintergrund wurde der Clubgeschäftsführer, der eine unbekannte Band nach Hamburg holte und dafür einen Vertrag mit ihrem Manager abschloss.
1966: Lennon widmet Fascher einen Song
„If I Needed Someone“
Am 26. Juni 1966 waren die Beatles bereits weltberühmt und traten erneut in Hamburg auf. Horst Fascher konnte jedoch nicht im Star-Club sitzen: Er saß wegen Körperverletzung im Gefängnis.
Lennon gedachte ihm deshalb direkt auf der Bühne. Er kündigte „If I Needed Someone“ als Song für ihren alten Hamburger Freund an, der an diesem Abend nicht dabei sein konnte. Für Fascher war das eine öffentliche Anerkennung ausgerechnet von der Band, die er zwei Jahre zuvor noch fast abgeschrieben hatte.
Nach seiner Entlassung auf Bewährung durfte er den Kiez nicht mehr betreten. Er meldete sich daraufhin freiwillig für Vietnam. Dass seine Verbindung zu den Beatles nicht mit dem Ende des Star-Clubs endete, zeigte sich noch Jahrzehnte später: 1976 eröffnete Fascher am Großneumarkt den „Star-Club II“. Der neue Club erreichte allerdings nicht den Erfolg des Originals.
Ein Leben voller Erinnerungsstücke
Seine Zwei-Zimmer-Wohnung am Rand des Kiezes war laut „Mopo“ mit Erinnerungsstücken aus den früheren Jahren gefüllt. Sie habe fast wie ein privates Museum gewirkt. Damit schließt sich der Kreis: Horst Fascher war nicht nur Mitbegründer eines Clubs, sondern jemand, der die Musik, die Menschen und die Geschichte des Star-Clubs über Jahrzehnte gespeichert hat.
Sein Tod beendet das Leben eines Mitbegründers, der den Beatles in Hamburg eine Bühne gab, als ihre spätere Berühmtheit noch in der Zukunft lag. Die entscheidenden Fakten bleiben greifbar: Fascher unterschätzte die Band 1960, schloss 1962 mit Brian Epstein den Vertrag, brachte sie an die Große Freiheit 39 und wurde von John Lennon 1966 mit einem Song geehrt.
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