Nach der Waffenruhe: Oleshky-Evakuierte treffen ihre Familien wieder
Nach einer Waffenruhe erreichten Evakuierte aus dem russisch besetzten Oleshky ukrainisch kontrolliertes Gebiet und wurden von ihren Angehörigen empfangen. Die Rettungsaktion hatte bereits am Freitag begonnen.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Oleshky-Evakuierte finden ihre Familien wieder.
Kurzüberblick
Laut The Guardian erreichten Evakuierte aus dem russisch besetzten Oleshky am Samstag ukrainisch kontrolliertes Gebiet und wurden von ihren Familien empfangen. Die Rettungsaktion hatte am Freitag begonnen und fand unter der bislang bedeutendsten Waffenruhe seit Beginn des umfassenden russischen Angriffs statt.
Die ukrainischen Behörden nannten keine endgültige Zahl der Evakuierten. Melania Trump schrieb am Freitag, der humanitäre Konvoi könne mehr als 750 Menschen sicher evakuieren.
Am Samstag stiegen die Menschen aus Oleshky an der ukrainisch-belarusischen Grenze aus Bussen und wurden von Verwandten und Freiwilligen empfangen. Sie hatten die Reise mit Bussen und einem Flugzeug durch Russland und Belarus hinter sich. Der genaue Ankunftsort blieb geheim, weil die ukrainischen Behörden Einzelheiten zur Route der humanitären Mission einschränkten.
Wie The Guardian berichtet, trugen einige der Erschöpften ukrainische Flagen um den Körper. Freiwillige hielten handgezeichnete Willkommensschilder bereit und reichten den Ankommenden Kaffee. Bewohner der umliegenden Dörfer stellten sich an die Straße, um den Konvoi mit Fahnen und Fackeln zu begrüßen.
Damit war die Waffenruhe in der südlichen Region Cherson nicht nur eine militärische Entwicklung. Sie schuf einen konkreten Weg aus dem belagten Oleshky heraus. Für Liza Paliy, 19, endete dieser Weg nach mehr als zweieinhalb Jahren mit einem Wiedersehen: Sie hatte ihren Vater zuletzt gesehen, als sie mit ihrer Mutter und Schwester aus der besetzten Stadt floh.
„Wir dachten damals, es würde einen oder höchstens zwei Monate dauern und wir würden zurückkehren. Aber leider waren schon zwei Jahre vergangen“, sagte Paliy.
Die Rettungsaktion brauchte mehr als einen Tag
Der Konvoi war bereits am Freitag unterwegs. Erst am Samstag kamen die Evakuierten in ukrainisch kontrolliertem Gebiet an. Die Waffenruhe dort war zuvor früh am Dienstag in Kraft getreten und sollte voraussichtlich bis Sonntagabend andauern.
Auf dem Weg durch Russland und Belarus halfen ukrainische Soldaten den Menschen bei der Flucht. Tetiana Leonidivna, 71, dankte ihnen mit Tränen.
„Wir lieben sie, wir lieben sie. Wir wissen, dass sie uns schützen. Und eine tiefe Verbeugung vor ihnen und vor ihren Eltern, weil sie solche Kinder haben. Ich bin stolz, ich bin einfach stolz“, sagte Leonidivna.
Nicht alle Bewohner von Oleshky verließen die Stadt. Nach Angaben von Dmytro Lubinets, dem ukrainischen Menschenrechtsbeauftragten, reichten die Altersspanne der Evakuierten von etwas mehr als einem Jahr bis 94 Jahre. Auch Hunde, Katzen, ein Papagei und ein Waschbär waren unter den Tieren, die die Rettungsaktion begleiteten. Verwandte sowie Freiwillige des Roten Kreuzes, von Ärzte ohne Grenzen und der World Central Kitchen warteten an der Grenze mit Hilfe, Nahrung und Unterstützung für die Haustiere.
Die eigentliche Zahl der Evakuierten ist damit nicht abschließend belegt. Melania Trump hatte am Freitag auf sozialen Medien geschrieben, der humanitäre Konvoi könne mehr als 750 Menschen sicher evakuieren. Die ukrainischen Behörden nannten dagegen weder eine bestätigte Zahl der Geretteten noch alle Details der Route.
Unter den Zurückgebliebenen blieb die Lage schwierig
Als die zeitlich begrenzte Waffenruhe griff, waren nach Schätzungen noch etwa 2.000 Menschen in Oleshky. Sie konnten zwischen drei Optionen wählen: in ukrainisch kontrolliertes Gebiet evakuiert werden, in russisch kontrolliertes Gebiet umgesiedelt werden oder in der Stadt bleiben, wo Lebensmittel und medizinische Versorgung aufgefüllt werden sollten.
Viele blieben dennoch zurück. Der 48-jährige Iwan Jevhenovytsch erklärte, einige wollten ihre Häuser und andere ihre Tiere nicht aufgeben. Er beschrieb die letzten Monate in Oleshky als sehr schwierig: Es habe viele Drohnen gegeben, die Straßen seien schwer zu bewegen gewesen. Seit dem Frühjahr sei kaum noch ein Grundnahrungsmittel vorhanden gewesen; die Bewohner hätten von eigenen Vorräten gelebt.
Er berichtete außerdem, dass Landminen und Drohnenangriffe Bewohner täglich töteten. Diese Schilderung macht deutlich, warum die Flucht und die spätere Rückkehr für die Betroffenen nicht dasselbe waren: Wer das ukrainisch kontrollierte Gebiet erreichte, war zunächst in Sicherheit. Für die Zurückgebliebenen bedeutete die Waffenruhe dagegen lediglich eine begrenzte Chance auf neue Vorräte und medizinische Hilfe.
Ein lokaler Erfolg, aber keine dauerhafte Lösung
Lubinets bezeichnete die humanitäre Mission als Erfolg.
„Dies ist ein äußerst wichtiger Moment. Hinter uns stehen schwierige Verhandlungen, Vereinbarungen, Vorbereitungen und eine enorme Menge Arbeit. Vor allem aber sind die Menschen, die so lange auf Rettung gewartet haben, endlich in Sicherheit“, schrieb Lubinets.
Yana Lantratova, Russlands Menschenrechtskommissarin, sagte, beide Seiten hätten regelmäßige humanitäre Missionen in und um Oleshky vereinbart. Lubinets erwähnte diese Entwicklung nicht. Lantratova räumte zugleich ein, dass die Lebensbedingungen in Oleshky äußerst schwierig blieben. Bewohner, die sich für den Verbleib entschieden hätten, sollten weiter unterstützt werden.
Auch für jene, die in russisch kontrolliertes Gebiet gebracht wurden, endete die Reise nicht zwingend in einem dauerhaften Zuhause. Lantratova erklärte, einige seien vorübergehend in einem Unterschlupf in Simferopol untergebracht worden. Die ukrainische Menschenrechtsbehörde sieht in der Oleshky-Waffenruhe dagegen einen möglichen Rahmen für weitere humanitäre Krisen: Lubinets hoffte, sie könne die Grundlage für einen neuen Mechanismus zur Bewältigung schwerer humanitärer Krisen bilden.
Damit liefert die Aktion zwei unterschiedliche Bilanzen. Für Liza Paliy, Tetiana Leonidivna und die anderen Ankommenden endete die Suche nach Sicherheit in einem Familientreffen an der ukrainisch-belarusischen Grenze. Für die etwa 2.000 verbliebenen Bewohner von Oleshky war die Waffenruhe dagegen nur ein kurzfristiger Lichtblick in einer weiterhin gefährlichen Lage.
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