Achterbahn-Tod bei Six Flags: Warum eine US-Sicherheitslücke erst jetzt auffällt
Nach dem tödlichen Sturz eines Fahrgasts aus der Goliath-Achterbahn in Six Flags Over Georgia wächst der Druck auf US-Politiker, die Sicherheit von Freizeitparks bundesweit zu regeln. Bisher kontrollieren allein die Bundesstaaten – mit sehr unterschiedlichen Standards.
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Ein Mann wird aus der Goliath-Achterbahn in Six Flags Over Georgia geschleudert und stirbt – ein Vorfall, der eine seit Jahrzehnten bestehende Lücke im US-Sicherheitsrecht wieder in den Fokus rückt. Während Flugzeuge, Züge und sogar Fahrstühle strengen Bundesstandards unterliegen, entziehen sich Achterbahnen in fest installierten Freizeitparks dieser Aufsicht. Die Kontrolle liegt allein bei den einzelnen Bundesstaaten – und die handhaben sie höchst unterschiedlich.
Für Millionen Amerikaner, die jedes Jahr in Freizeitparks fahren, bedeutet das: Niemand auf Bundesebene prüft einheitlich, ob eine 100 km/h schnelle Stahlachterbahn sicher genug ist, um sie einzusetzen. Das zeigen Recherchen von The New York Times, Fortune und CNN nach dem Vorfall im Bundesstaat Georgia.
Warum US-Achterbahnen nicht dem Bund unterstehen
Die US-Verbraucherschutzbehörde CPSC (Consumer Product Safety Commission) ist für viele Produkte zuständig – auch für mobile Fahrgeschäfte auf Jahrmärkten. Feste Achterbahnen in Freizeitparks sind ausdrücklich ausgenommen. Verantwortlich sind die Behörden des jeweiligen Bundesstaats, in dem der Park liegt. In Georgia kontrolliert laut Popular Mechanics die staatliche Behörde für landwirtschaftliche Produkte die Fahrgeschäfte. In anderen Bundesstaaten sind es Brandschutzämter, Gesundheitsbehörden oder eigens geschaffene Vergnügungspark-Inspektorate. Ein einheitliches Sicherheitsniveau gibt es nicht.
Der Fall Goliath: Tödlicher Sturz mit Folgen
Der Unfall in Six Flags Over Georgia ereignete sich, als ein Fahrgast aus dem Wagen der Hypercoaster-Anlage „Goliath" geschleudert wurde. Die genauen Umstände werden noch untersucht. Der Fall steht nicht allein: The Street berichtet, dass Ende September drei Klagen gegen Six Flags eingereicht wurden, weil Fahrgäste nach einer Fahrt mit der X2 in Südkalifornien schwere Hirnverletzungen erlitten haben wollen. Mehr als 100 Fahrgäste werfen Six Flags Verletzungen nach Achterbahnfahrten vor.
CNN schreibt zudem, Six Flags werde seit Jahren vorgeworfen, seine Parks nicht ausreichend zu warten – Hunderte Verletzungsmeldungen aus der jüngeren Vergangenheit belegten das. Die X2 in Südkalifornien ist nach Unternehmensangaben seit Juli geschlossen, nachdem mehrere Personen von „katastrophalen Hirnverletzungen" durch die Fahrt berichtet hatten. Mittlerweile hat Six Flags die X2 dauerhaft stillgelegt.
Experten warnen: Hypercoaster werden riskanter
Mit der wachsenden Beliebtheit von Hochgeschwindigkeits-Achterbahnen – sogenannten Hypercoastern – steigt nach Einschätzung von Fachleuten auch das Risiko. Der New York Post zufolge warnen Experten, dass diese Anlagen „riskanter denn je" seien, gerade weil sie immer höher, schneller und mit neuen Effekten konstruiert würden. Die Klagen um Hirnverletzungen und der Tod in Georgia hätten die Sicherheitsdebatte neu entfacht.
Politik sucht nach Antworten – und einer bundesweiten Regel
US-Politiker stellen inzwischen offen die Frage, wer über die großen Parkbetreiber wacht. Konkrete Bundesgesetze für Freizeitparks gibt es nicht. Ein US-Politiker bringt die Stimmung auf den Punkt:
Who's watching those in these organizations?
Die Park-Lobby verweist traditionell auf die Eigenverantwortung der Bundesstaaten – und auf die Seltenheit tödlicher Unfälle: Nach Angaben der New York Times sterben in den USA nur wenige Menschen pro Jahr bei Achterbahnunfällen.
Was das für dich als Besucher bedeutet
Wer in den USA einen Freizeitpark besucht, kann sich nicht darauf verlassen, dass eine Bundesbehörde die Anlage vor der Inbetriebnahme abgenommen hat. Die letzte Verteidigungslinie ist die staatliche Inspektion – und deren Gründlichkeit schwankt von Bundesstaat zu Bundesstaat. In vielen Bundesstaaten sind aktuelle Inspektionsberichte öffentlich zugänglich. Nach dem Tod in Georgia und den X2-Klagen dürfte der Druck auf die Politik wachsen, die Lücke zu schließen – eine bundesweite Lösung ist bisher aber nicht in Sicht.
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