Vier Konzerne, 70 Prozent der internationalen Bandbreite
Google, Microsoft, Meta und Amazon steigen in den Handel mit unterseeischen Datenkabeln ein. Der Ausbau neuer Glasfaserverbindungen wird damit zu einem strategischen Geschäft für die großen Tech-Konzerne.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Spanien zwischen zwei Meeren: Big Tech übernimmt die unterseeischen Datenkabel.
Am 29. Oktober 2026 landet in Fortaleza an der brasilianischen Küste ein neuer Abschnitt des EllaLink-Kabels. Der spanische Netzausbau folgt einem grundsätzlichen Wandel: Google, Microsoft, Meta und Amazon steigen nicht mehr nur als große Kunden der Telekommunikationsanternehmen in die Unterseekabel ein, sondern treten selbst als Bauherren und Betreiber auf.
Das hat Konsequenzen für Spanien. Das Land liegt an einer strategisch wichtigen Stelle für den Datenverkehr zwischen Amerika, Europa, Afrika, dem Nahen Osten und Asien. Zugleich warnt die Branche davor, dass Europas Netze zunehmend von US-Konzernen abhängen könnten.
Vier Konzerne bündeln mehr als 70 Prozent der internationalen Bandbreite
Google, Microsoft, Meta und Amazon zählen laut dem aktuellen Bericht von TeleGeography zu den größten Nutzern der weltweiten Unterwasserkabel. Auf sie entfallen bereits mehr als 70 Prozent der gesamten internationalen Bandbreite.
Der Grund ist nicht nur eine größere Zahl an Streamingdiensten. Das Training von KI-Systemen, die Entwicklung fortschrittlicher Sprachmodelle, die Verbreitung von Rechenzentren und die wachsende Nutzung von Cloud-Diensten erhöhen den Bedarf an Bandbreite. Diese Datenmengen benötigen schnelle und verlässliche Verbindungen zwischen den Märkten.
Die Investitionen verschieben sich damit von den Telekommunikationsanbietern zu den Technologiekonzernen. Google, Meta und ihre Partner finanzieren eigene Glasfaserleitungen durch die Ozeane, um die eigene Nachfrage abzusichern und geplante Kapazitätsbedarfe vorwegzunehmen.
Spanien sitzt an der Schnittstelle zwischen mehreren Kontinenten
Spanien etabliert sich laut dem Bericht als natürliches Eingangstor für Daten, die von Nord- und Südamerika nach Europa fließen. Gleichzeitig verbindet das Land Europa mit Afrika, dem Nahen Osten und Asien. In dieser Funktion tritt Spanien direkt in Konkurrenz zum historischen Knotenpunkt Marseille.
Die geografische Lage wird gerade zum Investitionsargument. Große Technologiekonzerne erhöhen ihre Präsenz auf der Iberischen Halbinsel, während spanische Betreiber Landungsstationen, Rückkanäle und Anbindungen an europäische Rechenzentren bereitstellen.
„Wir sind von einer Ecke des europäischen Netzes zu einem Schlüsselpunkt für den Datenverkehr zwischen Kontinenten geworden. Wir sind ein Knotenpunkt in den internationalen Telekommunikationen“, sagt Diego Matas, Chief Operating Officer von EllaLink.
Marea, Grace Hopper und Anjana landen an der spanischen Küste
Die konkreten Projekte zeigen, wie präzise Spanien in diesem Netzwerk的位置 eingebettet ist. Marea verbindet Virginia Beach in den USA über 6.600 Kilometer mit dem Landungspunkt in Sopelana bei Bilbao. Das Kabel entstand aus einer Partnerschaft von Microsoft, Meta und Telxius, der Infrastrukturtochter der Telefónica-Gruppe.
Das von Google vorangetriebene Grace Hopper verbindet New York ebenfalls mit derselben Station in Sopelana. Anjana ist das erste vollständig im Besitz von Meta befindliche transatlantische System: Es verbindet Myrtle Beach in South Carolina mit Santander. Dorthin soll auch das ebenfalls von Meta betriebene Sol gelangen, das sich zum Zeitpunkt des Berichts noch in der Ausrollungsphase befindet.
Telxius hat dafür die nötige Landungsinfrastruktur in Santander und Sopelana entwickelt. Die Station in Sopelana wird durch ein Rechenzentrum und Interconnections in Derio in der Biscaya unterstützt. Über terrestrische Netze lässt sich die ankommende Kapazität damit an die wichtigsten europäischen Hubs anbinden.
Die lokale Infrastruktur wird zum Einstieg für spanische Betreiber
Die Technologiekonzerne können zwar das Kabel finanzieren und die Dimensionierung bestimmen, doch für den tatsächlichen Bau vor Ort verlassen sie sich häufig auf regionale Betreiber. Das eröffnet den spanischen Unternehmen einen neuen Markt.
Große Konzerne bringen Kapital, Nachfrage und globale Planung mit. Betreiber wie Telxius steuern lokale Marktkenntnis, die Auslegung der Netze, den Bau und Betrieb der Unterseekabel, die Landungsstationen, den terrestrischen Rückkanal und die Anbindung an Rechenzentren bei.
„Der Einzug großer Technologieunternehmen verdrängt die Telekommunikationsanbieter nicht zwangsläufig. Er eröffnet neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit“, erklärt Antonio Ledesma, CEO von Telxius. Durch die Kombination aus Spezialisierung und Ergänzung könnten spanische Betreiber eine relevante Rolle bei der Entwicklung der internationalen Konnektivität übernehmen.
Ein Transatlantikkabel kostet rund 400 Millionen Dollar und vier Jahre
Die Unternehmen steigen nicht nur wegen kurzfristiger Bandbreite ein. Sie wollen die Nachfrage der nächsten fünf bis zehn Jahre antizipieren. Dafür müssen sie nicht nur ein Kabel verlegen, sondern dessen gesamten Lebenszyklus vorbereiten.
Ein transatlantisches Unterseekabel von 7.000 Kilometern erfordert nach Angaben von Carlos Dasi, Submarine Cable Resilience Advisor bei der ITU, eine Investition von rund 400 Millionen Dollar. Landungsstationen und die Beleuchtung des Kabels sind darin nicht enthalten. Von der Planung bis zum operativen Betrieb vergehen vier Jahre.
Dazugehören die Untersuchung des Meeresbodens, die Auswahl der Landungspunkte, die Festlegung der Kapazität, die Genehmigungen und die Verlegung durch spezialisierte Schiffe. Für Deployment und Reparatur stehen weltweit nicht viele geeignete Schiffe zur Verfügung. Dieser Aufwand erklärt, warum der Marktzugang für Betreiber mit eigener Landungsinfrastruktur so bedeutend ist.
99 Prozent des internationalen Datenverkehrs laufen durch Unterseekabel
Unterseekabel tragen heute 99 Prozent des internationalen Datenverkehrs. Laut Dasi sind sie schneller, übertragen wesentlich größere Datenmengen und sind auf Dauer kosteneffizienter als Satelliten.
Damit ist die Sorge um die europäische Souveränität unmittelbar: Wenn große Konzerne entscheiden, welche Kabel gebaut, wo sie an Land gehen und wie ihre Kapazität gebündelt wird, verlieren europäische Betreiber an Unabhängigkeit. Die EU hat bereits begonnen, Maßnahmen für Sicherheit und Resilienz dieser kritischen Infrastruktur zu planen.
Gleichzeitig bauen große Unternehmen aus Risikoüberlegungen mehrere Routen aus. Das Ziel der Big Tech sind drei verschiedene Kabel für dieselbe Strecke, jeweils mit einem anderen Landungspunkt. Fällt eine Leitung durch einen Unfall oder Sabotage aus, bleiben Alternativen für den Datenverkehr.
24 Faserpaare steuern auf ein Petabit pro Sekunde zu
Der technische Fortschritt beschleunigt den Kapazitätsausbau. Marea startete mit 8 Faserpaaren und einer Übertragungskapazität von rund 200 Terabits pro Sekunde mit herkömmlichen Bauverfahren.
Die neuere Technik SDM, Spatial Division Multiplexing, ermöglicht mehr Faserpaare innerhalb desselben Kabels und damit ein deutlich höheres Datenvolumen. Meta hat bereits ein System mit 24 Faserpaaren und einer operativen Kapazität von 1 Petabit pro Sekunde angekündigt. Diese Verbindung soll Frankreich mit den USA verbinden.
Die Entwicklung ist auch deshalb relevant, weil KI-Training, Sprachmodelle und neue Rechenzentren die Übertragung auf kritischen Korridoren wie den transatlantischen Routen nördlich über das Vereinigte Königreich stark belasten. „Wir brauchen mehr Kabel“, sagt Dasi.
Vierzehn Milliarden Dollar Investition bis 2027
Die erwartete Marktentwicklung ist gewaltig. Nach den Prognosen von TeleGeography werden 2025 bis 2027 mehr als 14 Milliarden US-Dollar in neue Unterseekabel investiert. Google und Meta gehören zu den wichtigsten Antreibern.
„Von jedem 1.000 Dollar, die für KI ausgegeben werden, geht nur 1 Prozent in die submarine Konnektivitätsinfrastruktur“, sagt Dasi. Seine Beobachtung bündelt das strukturelle Problem: Der Ausbau der Rechenleistung und der Ausbau der Verbindungen, die diese Rechenleistung erreichen, laufen nicht im gleichen Tempo.
Barcelona schafft Platz für acht weitere Unterseekabel
Die großen Technologiekonzerne sind nicht in allen Regionen gleich stark. Neben ihnen suchen kleinere und spezialisierte Betreiber eigene Nischen. EllaLink, IslaLink und AFR-IX Telecom richten ihre Projekte auf Lateinamerika, Afrika und das Mittelmeer.
Die von AFR-IX betriebene Cable Landing Station in Barcelona ist auf acht unterschiedliche Unterseekabel ausgelegt. Dort ist bereits 2Africa angekommen. Mit mehr als 45.000 Kilometern ist es eines der größten Infrastrukturprojekte dieser Art. Nach vollständiger Verlegung soll das System Afrika umrunden und 33 Länder in Afrika, im Nahen Osten, Südeuropa und Asien verbinden.
AFR-IX nutzt das Netz außerdem, um beinahe zwanzig Punkte zwischen Südeuropa und Nordafrika entlang des Mittelmeers zu verbinden. EllaLink sieht darin eine Lücke der Hyperscaler: „Es gibt einen Markt für Akteure wie uns, die Europa direkt mit Lateinamerika verbinden oder in Zonen wie dem Mittelmeer arbeiten, in denen die Hyperscaler keine starke Position haben“, sagt Matas.
Telxius bringt mehr als 100.000 Kilometer zusammen
Telxius bleibt in diesem Modell nicht außen vor. Das Unternehmen betreibt oder unterstützt neue Generationen von Unterseekabeln wie Marea, Dunant, Brusa, Anjana, Tannat, Junior, Mistral und Firminia. Außerdem befindet es sich in den späteren Phasen der Verlegung von Celia für die Verbindung zwischen Karibik, USA und Lateinamerika sowie Tikal, das den Zugang zum mexikanischen Markt eröffnen soll.
Die Infrastruktur umfasst mehr als 100.000 Kilometer submarine und terrestrische Glasfaser. Dadurch kann Telxius die Kapazität seiner Landungsstationen bis zu den großen Hubs und Rechenzentren in Europa und Amerika weiterreichen. Das Netz liefert laut Ledesma Resilienz, geringe Latenz, unterschiedliche Routen und zusätzliche Kapazität für Cloud, KI und andere Anwendungen.
EllaLink reduziert die Latenz auf etwa 50 Millisekunden
EllaLink setzt zusätzlich auf eine eigenständige Route zwischen Lateinamerika und Europa. Das Kabel verbindet Sines in Portugal direkt mit Fortaleza in Brasilien, ohne einen Umweg über die USA. Seine Länge beträgt 5.500 Kilometer.
Durch die kürzere Route sank die Latenz von mehr als 100 Millisekunden auf ungefähr 50 Millisekunden. Sieben geplante Abzweigungen führen nach Mauretanien, Casablanca, Madeira-Funchal, Cabo Verde und Französisch-Guayana; letzteres soll zwei spätere Verbindungen nach Nordbrasilien erhalten.
Die Verbindung ist auch wirtschaftlich interessant, weil Kourou in Französisch-Guayana den Hauptweltraump ort der Europäischen Weltraumagentur beherbergt. EllaLink plant außerdem direkte Anbindungen über Marseille oder Bilbao und sucht zusätzliche Projekte in der Karibik sowie von Sines Richtung Madrid.
Strategische Lage, aber eine offene Abhängigkeit
Für Spanien ergibt sich daraus eine doppelte Chance. Das Land profitiert von seiner Geografie, den vorhandenen Landungsstationen und den(localen) Fähigkeiten der Betreiber. EllaLink liefert das deutlichste Beispiel dafür, wie eine kürzere direkte Route die technische Unabhängigkeit und Latenz verbessern kann.
Die Gegenseite derBig-Tech-Infrastruktur bleibt dennoch bestehen. Dasi warnt, dass Europa seine Souveränität verlieren könnte, wenn US-Konzerne entscheiden, was, wie und wo gebaut wird. Viele europäische Betreiber fördern inzwischen keine eigenen Kabel mehr, sondern kaufen Faserpaare auf der Infrastruktur US-Unternehmen. Der Zugang wäre damit bedingt oder nur verbleibend.
Matas formuliert die Chance pragmatisch: „Es ist besser, dass die Autobahnen der Information durch dein Land führen, als wenn sie woanders verlaufen.“ Für spanische Verbraucher nennen die Quellen weder eine konkrete Veränderung der Internetgeschwindigkeit noch einen messbaren Kosteneffekt. Die unmittelbaren Veränderungen liegen tiefer: bei Landungsstationen, Route, Kapazität und der Frage, wer die critical Infrastruktur kontrolliert.
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