Oscar-Film aus dem Spreadsheet: 'Variations on a Theme' aus Südafrika
Südafrikas Oscar-Anwärter 'Variations on a Theme' wurde nach Angaben von Co-Autor Devon Delmar in Microsoft Excel verfasst – das verriet er beim BFI London Film Festival im Gespräch mit dem Hollywood Reporter. Ein estnischer Komponist ist an den musikalischen Vibes beteiligt.
AI MODIFIEDTVS News KI redaktionell betreut präsentiert Südafrikas Oscar-Beitrag 'Variations on a Theme' wurde in Microsoft Excel geschrieben.
Stell dir vor, du öffnest Microsoft Excel – und statt eines Diagramms erscheint das Skript für Südafrikas Oscar-Beitrag. Bei "Variations on a Theme" (Originaltitel: Variasies op 'n Tem) ist das Realität: Co-Autor und Co-Regisseur Devon Delmar hat den Film nach eigener Aussage komplett in Excel verfasst – "we have five story days, so we has five columns and then 30 shots that repeat like clockwork", sagte er dem Hollywood Reporter beim 70. BFI London Film Festival (LFF) im Oktober 2026.
Eine Ziege, ein Betrug und ein Dorf als Rhythmusmaschine
Hinter der ungewöhnlichen Entstehungsgeschichte steckt ein Film mit handfestem Drama: Im Mittelpunkt steht Ouma Hettie, eine achtzigjährige Ziegenhirtin in den Kamiesbergen Südafrikas. Als sie auf einen Betrug hereinfällt, der ihr eine Nachzahlung für den unbezahlten Dienst ihres Vaters im Zweiten Weltkrieg verspricht, wird ihre Familie tiefer hineingezogen, als ihr lieb ist. Das LFF selbst beschreibt den Film so: "A poetic and distinctive visual style infuses playfulness into this insightful study of a woman's resilience and a community that exists close to the land".
Geschrieben und inszeniert wurde "Variations on a Theme" von Devon Delmar und Jason Jacobs; Jacobs hatte zuvor bereits "Carissa" realisiert. Delmar übernahm zusätzlich den Schnitt. Die Festival-Reise des Films kann sich sehen lassen: Er gewann in diesem Jahr den Tiger Award beim International Film Festival Rotterdam (IFFR) und lief nun, Mitte Oktober 2026, beim LFF.
Warum ausgerechnet Excel?
Die Antwort liegt in der Struktur des Films selbst. Delmar erklärt gegenüber THR, dass "Variations on a Theme" von Wiederholung lebt – von Routinen, Rhythmen und Kreisläufen. Die alltägliche Wiederkehr im Dorf harmoniere, so Delmar, "mit dem Bewusstsein, dass die Ausbeutung, die dort 2026 stattfindet, schlicht Geschichte ist, die sich wiederholt. Was mit den Dorfbewohnern passiert, die um ihr Geld betrogen werden, ist genau das, was in den 1940ern mit dem Vater der Protagonistin geschah – er wurde von der Regierung ausgebeutet, und genau das widerfuhr auch den kolonisierten Menschen über mehrere Generationen hinweg."
Um diese Wiederholung auch in den Bildern sichtbar zu machen, griff Delmar zu Microsoft Excel. Fünf Handlungstage ergaben fünf Spalten, 30 Einstellungen, die wie ein Uhrwerk wiederkehren. "I've joked that it's the only film ever, potentially, to be written on Microsoft Excel", sagte er im Gespräch. Was nach einer banalen Tabellenkalkulation klingt, ist in Wahrheit das Skelett eines Films, der auf Schema, Formel und einem einzigen Keim aufbaut.
Wenn das Dorf selbst den Takt vorgibt
Dass Rhythmus und Wiederholung in diesem Film kein theoretisches Konzept sind, hat mit Co-Regisseur Jason Jacobs zu tun. Jacobs stammt aus genau dem Dorf, das im Film zu sehen ist: geboren dort, dort zur Schule gegangen, später nach Kapstadt und dann zur Großmutter zurückgekehrt. "Anyone would be able to observe the routine, the rhythm of this space", erklärt Delmar. "If you sit in a corner for long enough, you'll start to notice the routines and the rhythms that occur naturally. 'Here comes Mr. So and So with his goats when the sun is setting,' and so on. The routines are very ingrained into the space, and it's very beautiful to observe the musicality of the space within that rhythm." Die beiden hatten vor einigen Jahren bereits einen Kurzfilm dort gedreht.
Arvo Pärt als heimlicher Kompass
Eine zweite, weniger offensichtliche Inspirationsquelle kommt aus dem hohen Norden: das Schaffen des estnischen Komponisten Arvo Pärt. "We were borrowing from an Estonian composer called Arvo Pärt", sagt Delmar – "He's the big guy in Tallinn in terms of music, and he wrote music very formulaically. He came up with these almost formulas or equations for his music. He would work on a very small kernel of an idea or a seed, but once he unleashes that little seed, it manifests the most unbelievably beautiful and spiritual music."
Für "Variations on a Theme" übersetzten Delmar und Jacobs diese Idee in Filmstruktur: einen einzigen Kerngedanken greifen und ihn entfalten lassen. "So this idea of repetition became very important to our way of thinking, and then it was very natural to incorporate that into the structure of the film to show this repetition and the cycle of violence, and the daily routines of this woman", fasst Delmar zusammen. Das Bild, das er dafür wählt, ist das eines Origami: "It's like an origami thing you do, and then a pop-up book appears."
— Devon Delmar, Co-Autor und Co-Regisseur von "Variations on a Theme", im Gespräch mit dem Hollywood Reporter
Passend dazu
Quellen
Was denkst du?
AI-unterstützt · redaktionell betreut
Scroll weiter, um zu reagieren und zu teilen.



