Oscar Wilde lebt weiter: Was Boynes Gegenwarts-Wilde von seinem Original unterscheidet
John Boyne lässt Oscar Wilde die verhängnisvolle Queensberry-Karte zerreißen und ein zweites Leben beginnen. Die Guardian-Rezensentin findet die Idee 'great', das Ergebnis jedoch 'sentimental and unconvincing'.
AI MODIFIEDTVS News KI redaktionell betreut präsentiert John Boynes 'Weight of Angels' im Test: Oscar Wilde lebt – und nichts zündet.
Was wäre, wenn Oscar Wilde die Karte des Marquess of Queensberry einfach zerrissen hätte? John Boynes neuer Roman The Weight of Angels spielt genau dieses Gedankenexperiment durch – und erntet im Guardian ein hartes Urteil: "sentimental and unconvincing".
Stell dir die Szene kurz vor: 1895, vier Tage nach der Premiere von The Importance of Being Earnest. Da hinterlässt der Marquess of Queensberry in Wildes Club eine Karte, die ihn öffentlich als Sodomiten beschimpft. In der Realität zog Wilde daraufhin wegen Verleumdung vor Gericht, verlor, landete in Reading Gaol und starb nur fünf Jahre später mit 46 in einem Pariser Hotel. Boyne lässt ihn die Karte zerreißen – und öffnet damit die Tür zu einem zweiten Akt, in dem der Dichter nicht zerbricht.
Schon der erste Satz der Besprechung macht klar, wie gemischt das Urteil ausfällt: "Imagining a second act for him is a great idea – but the results are sentimental and unconvincing." Die Prämisse zieht – die Figur nicht.
Boyne verteilt Wildes Biografie neu
Dabei beginnt der Roman durchaus vielversprechend. Boyne erspart Lord Alfred Douglas – Wildes Geliebtem – das historisch verbürgte Schicksal und verteilt die biografischen Details kurzerhand neu, vor, während und nach Reading Gaol. So entsteht, so die Rezensentin, ein "cat-and-mouse game with the history it is reimagining", ein Katz-und-Maus-Spiel mit der Geschichte selbst. Wenn du auf alternative Geschichte stehst, klingt das nach einem Fest.
Auch Wildes Frau stirbt im Roman früh. Das befreit ihn nicht nur von der Ehe, sondern auch von jeder moralischen Schwere, die der historische Wilde mit sich schleppte. Heraus kommt keine "tortured, scandal-haunted genius", sondern, so das wörtliche Urteil, "a randy, wisecracking, party-going queen" – ein geiler, sarkastischer Partygast, der mit einer endlosen Celebrities-Liste Bonmots tauscht.
Was im Roman fehlt: Wut, Witz, das Sprachfeuerwerk
Genau hier liegt für die Kritik das Problem. Der echte Wilde habe in seiner späten Prosa und seinem Journalismus einen "troubled and radical mind" gezeigt, der die Texte aus dem Gefängnis und danach prägte. Boynes Version zeigt davon wenig, und auch die "subversive linguistic pyrotechnics" der Importance of Being Earnest tauchen kaum auf.
The upside of this is that Oscar gets to swap bons mots with a crowded cast list of celebrities; the downside is that he shows little sign of the troubled and radical mind that produced the real Wilde's late journalism and fiction, never mind the subversive linguistic pyrotechnics of The Importance.
Was bleibt, ist ein Wilde, der durch illustre Partys tourt und nie die Tiefe erreicht, die ihn historisch zur Kultfigur gemacht hat. Der Aufhänger ist stark, das Personal flach – als hätte jemand das Wilde'sche Paradox aus Genie und Skandal aufgelöst, bevor es zu wirken beginnt.
Eine große Idee, ein leichter Roman
Am Ende bleibt das Urteil gespalten. Boyne habe den richtigen Riecher gehabt, dem "broken man" ein alternatives Leben zu schenken. Die Ausführung aber bleibe an der Oberfläche. The Weight of Angels ist damit weniger ein literarischer Skandal als eine verpasste Chance – ein Roman über einen Oscar Wilde, der nie der wurde, der er hätte werden können.
Weiterlesen: The Guardian
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