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Algerien stationiert erstmals seit 50 Jahren Truppen im Ausland

Algerien stationiert erstmals seit 50 Jahren Truppen im Ausland. Nach Angaben des Spiegels geht es um die Sicherung der Transsahara-Pipeline, über die Erdgas in die EU exportiert werden soll.

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TVS News AI redaktionell betreut präsentiert Algerien schickt Truppen nach Niger: Warum der Einsatz die EU betrifft.

Die Truppen sollen Madama und die Pipeline schützen

Erstmals seit dem Krieg von 1973 entsendet Algerien seine Armee wieder ins Ausland. Nach Angaben des algerischen Präsidialamtes schickt das Land Truppen nach Niger, um seine wirtschaftlichen Interessen zu schützen. Das Parlament nahm am Sonntag eine entsprechende Resolution an.

Der vorgesehene Standort ist Madama, eine Stadt im Norden Nigers nahe der libyschen Grenze. Das Präsidialamt teilte weder mit, wann die Einheiten verlegt werden sollen, noch wie stark sie sein werden. Beides bleibt damit offen. Sicher belegt sind der Entsendungsbeschluss, der Schutzzweck und der vorgesehene Standort.

Für die Europäische Union ist der Energiesektor der wichtigste wirtschaftliche Bezugspunkt. Der staatliche algerische Erdöl- und Gaskonzern Sonatrach arbeitet dafür gemeinsam mit Niger und Nigeria an der Transsahara-Pipeline. Über diese Verbindung soll afrikanisches Erdgas nach Europa exportiert werden. Mit der Truppenentsendung wird die Sicherheit dieser geplanten Energieroute unmittelbar mit dem ersten Auslandseinsatz der algerischen Armee seit Jahrzehnten verknüpft. Mehr zum zeitlichen Ablauf und zum Projekt nennt der Bericht des Spiegels nicht.

Nigers militärische Regierung und die angespannte Lage

Die Entsendung findet in einem schwierigen Umfeld statt. Seit dem Putsch im Juli 2023 wird Niger von einer Militärregierung geführt. Die Beziehungen zwischen Algier und der neuen Führung hatten sich zuletzt verschlechtert. Die geplante militärische Präsenz in Madama fügt sich damit in eine angespannte bilaterale Situation ein.

Hinzu kommt der Kampf gegen Aufständische, die mit al-Qaida und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verbündet sind. Der Einsatz soll daher nicht nur eine Infrastruktur begleiten, sondern algerische Interessen in einem Land schützen, in dem die militärische Lage und die Beziehungen zu Regierungsvertretern gleichzeitig unter Druck stehen.

Der Sicherungsauftrag hat deshalb eine doppelte Ebene. Einerseits geht es um die Transsahara-Pipeline, die als Teil eines größeren Exportvorhabens mit Niger und Nigeria gedacht ist. Andererseits betrifft die Entsendung eine Grenzregion, in der die algerisch-nigerischen Beziehungen zuletzt schlechter wurden und gegen die Aufständischen gekämpft wird. Wie viele Soldaten vorgesesehen sind und wie lange sie bleiben sollen, hat das Präsidialamt nicht angegeben.

Minurso endet nach mehr als 30 Jahren

Parallel zum Niger-Einsatz steht der Uno-Friedenseinsatz in der Westsahara vor dem Ende. Russland blockierte am Freitagabend im Uno-Sicherheitsrat mit seinem Vetorecht eine von den USA eingebrachte Resolution zur Verlängerung des Minurso-Mandats. Das Mandat lief am folgenden Samstag aus.

Der US-Entwurf sah vor, den Einsatz um ein Jahr zu verlängern. Zugleich sollte Marokkos Plan, die Westsahara als autonome Region in sein Staatsgebiet einzugliedern, als einzige Verhandlungsgrundlage festgeschrieben werden. Außerdem sah der Entwurf vor, die militärische Komponente von Minurso zu reduzieren und den Verweis auf ein mögliches Referendum aus dem Mandat zu streichen. Auch ein Gegenentwurf Russlands scheiterte im Sicherheitsrat.

Frankreich, Großbritannien und neun nicht ständige Mitglieder des Sicherheitsrats unterstützten den US-Entwurf. Marokko begrüßte das Scheitern der Mandatsverlängerung und teilte mit, Personal und Ausrüstung des Uno-Einsatzes sollten das Gebiet in den folgenden Tagen verlassen. Das Könighaus betonte zugleich, den Waffenstillstand weiterhin einhalten zu wollen.

Minurso war 1991 eingerichtet worden, um eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit der Westsahara zu organisieren. Diese Abstimmung fand nie statt. Der Uno-Botschafter der USA, Michael Waltz, erklärte, langjährige Meinungsverschiedenheiten über die Wahlberechtigung hätten ein Referendum verhindert. Der russische Uno-Botschafter Wassili Nebensja kritisierten den US-Entwurf dagegen als einseitige Begünstigung Marokkos; der Sicherheitsrat dürfe Fragen der Souveränität nicht vorwegnehmen.

Was das Ende der Überwachung für die Region bedeutet

Der Einsatz bricht eine lange algerische Praxis. Nach dem Spiegel ist es der erste Auslandseinsatz der algerischen Armee seit der Unterstützung Ägyptens im Krieg von 1973. Algerien stationiert seine Einheiten damit nicht nur an einem bislang unüblichen Ort, sondern übernimmt erneut eine militärische Rolle jenseits der eigenen Staatsgrenzen.

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte zugleich vor den Folgen eines Abzugs der Minurso-Truppen. Ohne die bisherigen Überwachungs- und Deeskalationsaufgaben seien Sicherheit und Stabilität gefährdet. Das könne schwerwiegende Folgen für die Zivilbevölkerung und die Aussichten auf eine friedliche Lösung haben.

Die Westsahara wird seit 50 Jahren zwischen Marokko und der Polisario-Front umkämpft. Marokko kontrolliert den Großteil des Territoriums, während die von Algerien unterstützte Polisario-Front einen unabhängigen Staat anstrebt. Westsahara war bis 1975 spanische Kolonie und wurde danach von Marokko annektiert. Zehntausende Sahrauis leben in Flüchtlingslagern in Algerien.

Für Europa ist die Verbindung damit greifbarer als zuvor: Algerien sichert mit seinen Soldaten eine Pipeline, über die aus Niger und Nigeria afrikanisches Erdgas nach Europa gelangen soll. Der genaue Umfang des Schutzauftrags, der Zeitpunkt der Verlegung und die Truppenstärke sind noch nicht bekannt. Fest steht: Algerien bricht mit diesem Schritt seine jahrzehntelange Beschränkung auf Auslandseinsätze, während das Minurso-Mandat ausläuft und die Sicherheitslage in der Region komplizierter wird.

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