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Frankreich gehackt, Belgien und Schweden betroffen: Was ist bekannt?

In Belgien und Schweden sind nach einem Bericht des Spiegels massenhaft Lebensmittel aufgetaut. Während die belgische Staatsanwaltschaft ermittelt, vermutet die EU-Kommission bereits Sabotage.

4 Min. Lesezeit
Frankreich gehackt, Belgien und Schweden betroffen: Was ist bekannt?AI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert Kühltheken-Angriffe: Belgien ermittelt – Sabotage vermutet.

In der Nacht zum Montag liefen in mehreren europäischen Ländern Kühlanlagen in Supermärkten aus. In Belgien ermittelt die Staatsanwaltschaft deshalb wegen einer strafrechtlichen Untersuchung. Die Spiegel berichtet, dass neben Belgien auch aus Schweden, Luxemburg und Estland Probleme mit Tiefkühl- und Kühlschränken gemeldet wurden.

Das ist mehr als einzelne ausgefallene Kühlregale: In Belgien wurde eine Ikea-Filiale in Mons betroffen. Das Unternehmen entfernte vorsorglich Lebensmittel aus Kühlregalen. Bei der belgischen Metzgerei De Laet & Van Haver in Hove stiegen die Temperaturen in den Kühlschränken auf bis zu 18 Grad Celsius. Dadurch wurden Fleischwaren im Wert von rund 15.000 Euro ungenießbar.

Ein Angriff auf die Kühlung – in mehreren Ländern

Belgien, Schweden, Luxemburg und Estland meldeten in derselben Nacht Probleme mit Tiefkühl- und Kühlschränken. Länderübergreifend waren offenbar Dutzende Geschäfte betroffen, darunter Filialen von Delhaize, Spar und Carrefour.

Der Fall in Mons war ein IKEA-Betrieb. Das Unternehmen teilte mit, dass deshalb einige Lebensmittel aus den Kühlregalen entfernt werden mussten. In der schwedischen ICA-Kvantum-Filiale in Sjöbo waren nach einem Facebook-Post die Kühl- und Tiefkühlschränke auf 50 Grad Celsius eingestellt worden. Die Filiale teilte später mit, dass die betroffene Ware entsorgt werden musste.

Sechs Filialen der schwedischen Coop waren ebenfalls betroffen. Eine Filiale in Stockholm meldete, dass alle Gefrierschränke zehn Grad erreicht hätten und alles verdorben sei.

Sabcobel bestätigte, dass die Anlagen aus der Ferne in den Abtaumodus versetzt wurden. Der Spezialist für Aufbau und Wartung von Kühlanlagen mobilisierte deshalb ab 1 Uhr Techniker, um die Situation unter Kontrolle zu bringen.

Jetzt sind auch in Ländern wie Belgien und Schweden massenhaft Lebensmittel aufgetaut.

Quelle: Spiegel

Die Spur führt zu Danfoss und bekannten Sicherheitslücken

Den aktuellen Vorfällen waren Mitte Oktober ähnliche Cyberangriffe in Frankreich vorausgegangen. Damals waren etwa 150 Geschäfte betroffen. Angegriffen wurden Tiefkühltruhen des dänischen Technikunternehmens Danfoss. Das Unternehmen bestätigte, dass seine Produkte auch Teil der neueren Angriffswelle waren.

Der erste Angriff nutzte lang bekannte Sicherheitslücken. Dadurch konnten Angreifer über das Internet die Steuerung der Kühlanlagen vollständig übernehmen. Für neuere Geräte hatte Danfoss bereits im August Updates veröffentlicht. Kunden mit älteren Geräten empfahl das Unternehmen, diese vom Netz zu trennen, wenn sie kein Update mehr erhalten konnten.

Nach den ersten Vorfällen forderten mehrere europäische Sicherheitsbehörden den Handel auf, die eigenen Anlagen zu prüfen und gegen Angriffe abzusichern. Das deutsche Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik gehörte zu den genannten Behörden. Warum diese Sicherung im Einzelfall nicht erfolgt ist, muss nun untersucht werden.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt, der Täter bleibt unbekannt

Belastbar feststeht: In Belgien hat die Staatsanwaltschaft eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet. Das bedeutet nicht, dass bereits ein Täter oder eine Schuld feststeht. Namen einzelner Verdächtiger oder konkrete Beweismittel nennt der Bericht nicht.

Auch die EU-Kommission beurteilt die Vorfälle als Cyberangriffe mit direkten Auswirkungen auf den Alltag. Ein Sprecher sagte am Montag, die Vorfälle zeigten, dass Cyberangriffe Dienstleistungen stören, Unternehmen beeinträchtigen und sich unmittelbar auf die Bürger auswirken könnten. Die Kommission betonte deshalb die Notwendigkeit, die Cybersicherheit in der gesamten Union zu stärken.

Christophe Hansen, EU-Kommissar für Landwirtschaft und Ernährung, vermutet, die Angriffe seien „ein gezielter Versuch, die Lebensmittelversorgung der EU zu stören“ und sollten das Vertrauen der Verbraucher in dieses System untergraben. Gleichzeitig betonte er, dass die Lebensmittelsicherheit derzeit nicht gefährdet sei. Diese Einschätzung ist wichtig: Sie trennt den politischen und wirtschaftlichen Verdacht von der konkreten gesundheitlichen Bewertung.

Wer hinter den Attacken steckt, ist unklar. Bislang hat sich keine Hackergruppe zu den Angriffen bekannt. Für dich bedeutet das: Die EU-Kommission liefert eine begründete Vermutung, aber noch keinen Identitätsnachweis.

Warum der Einzelhandel für Angreifer attraktiv ist

Tom Hegel, Forscher der IT-Sicherheitsfirma SentinelOne, erklärte Reuters, solche Angriffe seien üblicherweise Erpressungsversuche, politisch motivierte Aktionen oder Operationen auf staatlicher Ebene. Weil hier bislang keine finanziellen Forderungen bekannt sind, deutete Hegel in Richtung Sabotage.

Der Einzelhandel sei ein leichtes Ziel, weil große Ketten über eine enorme Anzahl an Kühlsteuerungen, Gebäudemanagementsystemen, Türzugangskontrollen und Kassensystemen verfügten. Hinzu kommt der konkrete zeitliche Druck: Die Gewinnspannen im Lebensmittelhandel seien gering und die Waren würden innerhalb weniger Stunden verderben. Jede Störung wirke deshalb schnell und öffentlich sichtbar.

Für die laufenden Ermittlungen bleibt die entscheidende Frage, ob die belgischen Vorfälle technisch mit dem französischen Fernhackvorfall verbunden sind. Belegt ist bereits, dass Fernsteuerung, Abtaumodus und hohe Temperaturen in mehreren Ländern zusammenpassten. Ungeklärt bleibt, wer die Angriffe ausgelöst hat, ob es sich um eine koordinierte Kampagne handelt und wie die Sicherheitslücken konkret ausgenutzt wurden.

Quellen

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