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Ein Berliner Club ist von Lena Olvedis Missoirs überzeugt

Lena Olvedi hat mit den Missoirs ein Urinal für Frauen entwickelt. Bereits ein berühmter Berliner Club zeigt Interesse. Ob sich das Modell in Restaurants und Konzertstätten flächendeckend durchsetzen kann, ist noch offen.

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Ein Berliner Club ist von Lena Olvedis Missoirs überzeugtAI MODIFIED

TVS News AI redaktionell betreut präsentiert Missoirs: Diese Frau will den Toilettengang für Frauen revolutionieren.

2017 steht für den Moment, in dem Lena Olvedi die Idee entwickelte. Die heute 45-jährige Berlinerin arbeitete damals als Requisiteurin fürs Fernsehen und wartete in einem Club wieder einmal lange vor der Toilette. Als ein Mann die lange Schlange verspottete und mit seinem Freund zum Pissoir ging, fragte Olvedi sich: Warum gibt es für Frauen eigentlich kein Urinal?

Noch in derselben Nacht began sie über einen Prototyp nachzudenken. Der Ausgangspunkt war kein ausgefeilter Marktplan, sondern eine konkrete Ungleichheit: Frauen warten vor öffentlichen Toiletten in Clubs, Arenen und an Autobahnraststätten in der Regel länger als Männer. Urinale brauchen weniger Platz als Sitztoiletten, sodass Männer auf derselben Fläche mehr Möglichkeiten haben. Frauen benötigen außerdem länger, weil sie im Sitzen urinieren.

Aus der Vollhocke wurde ein Urinal aus Edelstahl

Die Haltung war für Olvedi keine Geschmacksfrage. Auf La Palma aufgewachsen, musste sie auf dem Weg von der Schule nach Hause einstmal hinter einem Baum in die sogenannte Vollhocke. Die Skifahrerhocke, bei der man sich auf die Fersen setzt, empfand sie als unangenehm und ungesund. Daraus entstand die Idee eines Urinals, das die Vollhocke ermöglicht.

Nach mehreren Monaten Planung und mit technischer Hilfe eines Bekannten baute Olvedi das Missoir. Es ist aus Edelstahl gefertigt, wird in den Boden eingelassen und kann an die Kanalisation angeschlossen werden. Dazu kommen ein Spritzschutz, ein engmaschiges Gitter sowie links und rechts jeweils eine Haltestange. Bei Bedarf lassen sich Trennwände ergänzen. Weil beliebig viele Exemplare nebeneinander stehen können, lassen sich damit komplette Urinalbereiche aufbauen.

Auch die Trennwände spielen eine praktische Rolle. Olvedi berichtet, dass männliche Entscheider häufig befürchten, Frauen würden nicht nebeneinander urinieren wollen. Nach ihren Erhebungen sei diese Sorge unbegründet. Bei ihren Gesprächen mit weiblichen Entscheidungsträgern müsse sie zudem deutlich weniger erklären als mit Männern.

Die Resonanz zeigte sich bereits früh: 2019 testete Olvedi ihren Prototyp auf Festivals und erhielt viele positive Rückmeldungen. In den Gästebüchern fanden sich Liebesbriefe. Auf einem Musikfestival bekam sie sogar Trinkgeld von einem Mann, der sagte: „Ich habe noch nie so kurz auf meine Frau gewartet.“

Können sich die Missoirs in Konzerthallen oder Restaurants flächendeckend durchsetzen?

Quelle: Handelsblatt

Von ausverkauften Festivaltoiletten zum B2B-Geschäft

Die Pandemie zunächst eine Zäsur. Ein Veranstalter wollte ihre Missoirs auf einer Messe einsetzen und sagte kurzfristig ab. Olvedi informierte sich über die Auswirkungen des Virus auf Veranstaltungen und steckte anschließend ihre Ersparnisse in das Projekt. Sie startete ein Crowdfunding und nahm ein privates Darlehen auf.

Nach eigener Aussage waren ihre mobilen Missoirs in den Festivalsaisons 2022 und 2023 vollständig ausgebucht. „Wir hatten die dankbarsten Blasen“, erinnert sie sich an die eingesetzten Sanitärblasen. Frauen hätten damit endlich keine lange Wartezeit mehr auf dem Festival.

Inzwischen vermietet Olvedi die mit Missoirs bestückten Toilettenwagen nicht mehr. Stattdessen ist sie auf die Serienproduktion für den B2B-Vertrieb umgestiegen. Der Hersteller sitzt in Deutschland. Das Geschäft ist damit von einem mobilen Festivalangebot zu einem Produkt für dauerhaft installierte Sanitäranlagen gewandert.

Wasserlose Urinale sparen Trinkwasser und schaffen mehr Plätze

Für Betreiber entsteht der wirtschaftliche Nutzen nicht allein durch das schnellere Bedienen der Gäste. Die Missoirs funktionieren wasserlos und besitzen einen Geruchsverschluss. Ein einzelnes Urinal kostet ein paar Hundert Euro. Nach Olvedis Darstellung hat sich dieser Betrag bald durch den gesparten Wasserverbrauch amortisiert.

Bei gewöhnlichen Sitztoiletten fließen je nach Spülkasten und Spülart etwa 3 bis 14 Liter Wasser pro Toilettengang. Der Vergleich ist nicht vollständig durch die Quelle belegt, macht aber den wirtschaftlichen Ansatz des Konzepts nachvollziehbar: Ein Betreiber setzt Missoirs zusätzlich zu Sitztoiletten ein und gewinnt Urinalplätze, ohne für jeden Toilettengang Leitungswasser zu verbrauchen.

Ein weiterer Vorteil liegt im Ablauf: Nach Olvedis Beobachtung stellen sich Frauen seltener schon an die Schlange, obwohl sie noch gar nicht müssen. Weil der Toilettengang absehbar kürzer ist, nimmt der Druck zur langen Wartezeit ab. Für Jens J. Wischmann, Geschäftsführer der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft, sprechen aus Sicht des öffentlichen Raums vor allem mehr Nutzerinnen pro Fläche, kürzere Wartezeiten, geringerer Wasserverbrauch und weniger Reinigungsaufwand für ein funktionierendes Frauenurinal.

Berghain, Potsdam und Alpenhütten zeigen die möglichen Einsatzfelder

Olvedi hat bereits Kunden in Deutschland überzeugt. Ihre Missoirs stehen in verschiedenen Clubs, darunter im Berghain in Berlin, in öffentlichen Toiletten und an weniger offensichtlichen Orten wie dem Schloss Sansoucci in Potsdam sowie in Hütten des Deutschen Alpenvereins.

Für die Alpenhütten ist der wasserlose Betrieb besonders relevant. Dort beziehen die Hütten ihr Wasser üblicherweise aus Gletschern, was wegen des Klimawandels schwieriger wird. Wasserlose Urinale für Männer gab es bereits; nun stehen auch solche für Frauen zur Verfügung. Damit die häufig noch unbekannten Missoirs genutzt werden, brachte der Deutsche Alpenverein Infografiken zum Gebrauch an. Ein Sprecher erklärte, die Produkte hätten sich in der Praxis bewährt.

Auch die Ecotoiletten GmbH, die wasserlose Toiletten für den öffentlichen Raum anbietet, bewertet die Missoirs positiv. Aus Sicht des Unternehmens sind sie ein elementarer Bestandteil einer gendergerechten Sanitärversorgung: Frauen sollen bei Nutzungskomfort und Hygiene ein vergleichbares Angebot erhalten.

Die Grenze des bisherigen Rollouts ist ebenso klar. Olvedi hat noch keine Stadien und Mehrzweckarenen beliefert. Bei einer Anfrage zeigten sich die Betreiber des Berliner Uber-Arena, des Signal-Iduna-Parks in Dortmund und der Merkur Spiel Arena sowie des PSD Bank Domes noch nicht als Planer für Hockurinale. Die Veranstalter in Düsseldorf setzen auf Bedarf einzelne Sanitärbereiche zu Unisex-Toiletten um. Im Olympiastadion Berlin wurde die Zahl der Toiletten erhöht und zusätzlich genderneutrale Toiletten eingerichtet.

Diese Lösungen lösen den Platzmangel nicht vollständig, sagt Olvedi. Wenn weiterhin nur Männer Urinale nutzen können, bleibt die Diskrepanz bestehen: Männer haben dann mehr Möglichkeiten zum Stehpinkeln. Bei Konzerten mit überwiegend weiblichem Publikum richtet das Olympiastadion zusätzlich Toilettencontainer nur für Frauen ein. Aus Sicht von Olvedi ist das keine gleichwertige Alternative.

Ein Markt mit ersten Referenzen, aber noch ohne Gewinn

Tank & Rast, Betreiber der meisten deutschen Autobahnraststätten, betrachtet wasserlose Hockurinale für Frauen als interessantes, aber vergleichsweise junges Konzept. Nach Unternehmensangaben hat es sich bisher vor allem im urbanen Raum bewährt. Deshalb beobachtet der Konzern die weitere Marktentwicklung und Akzeptanz aufmerksam.

Olvedi hat mit den Missoirs derzeit eine Geschäftsidee ohne direkte Konkurrenz. Wirtschaftlich ist sie trotzdem noch weit von einem großen Geschäft entfernt: Der Jahresumsatz liegt bei mehreren Zehntausend Euro, einen Gewinn erzielt sie nicht. Sie ist ihre einzige Mitarbeiterin und zahlt sich ein kleines Gehalt. Für den nächsten Schritt sucht sie Investoren und weitere Sanitärvertriebe.

Ihre persönliche Kurzfassung ist deutlich: Frauen sollen nicht mehr Möglichkeiten bekommen als Männer, sondern die gleichen Möglichkeiten. Das Missoir ist dafür ein konkretes Produkt mit ersten Praxiserfolgen bei Festivals, Clubs, öffentlichen Toiletten und Alpenhütten. Dass es in großen Arenen und an weiteren Raststätten ankommt, ist bislang jedoch nicht belegt.

Die bislang größte Hürde ist nicht allein die Technik. Sie liegt in der Akzeptanz und in den Entscheidungen der Betreiber. Tank & Rast formuliert die Bedingung für eine breitere Einführung nüchtern: Das Konzept muss sich am Markt bewähren und Akzeptanz finden. Olvedis eigener Wunsch, das Missoir eines Tages im Baumarkt zu finden, wäre deshalb ein starkes Signal für mehr Nachfrage – bis dahin bleibt die Missoir GmbH ein kleines Unternehmen mit ersten Referenzen und einer noch offenen Verbreitungsfrage.

Quellen

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