Television-Gitarrist Richard Lloyd stirbt mit 75
Richard Lloyd, der für sein intensives Gitarrenspiel bei Television bekannt ist, ist im Alter von 75 Jahren an Gallengangskrebs gestorben. Der Tod des Musikers trifft die Band, deren prägender Einfluss auf den New-York-Punk der 1970er-Jahre auch ohne ihn weiterbesteht.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Richard Lloyd mit 75 gestorben: Die Gitarre, die Television prägte.
Richard Lloyd starb am Samstag in seinem Zuhause in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee. Er wurde 75 Jahre alt. Laut dem Bericht der New York Times starb der Gitarrist an Gallengangskrebs, auch Cholangiokarzinom genannt. Für alle, die Television oder den frühen New-York-Punk kennen, ist das ein deutlicher Einschnitt: Lloyds flüssiges und feuriges Gitarrenspiel gehörte zu den Kennzeichen einer Band, deren Klang weit über das hinauswirkte.
Ein Gitarrist, der den Bandsound von Television mitprägte
Lloyd und Verlaine als zwei Gitarristen
Television entstand 1973 in New York. Die Band klang nicht einfach nach Punk, auch wenn sie eng mit dieser Szene verbunden war. Ihr Sound speiste sich aus dem anspruchsvollen Solo von Richard Lloyd und Tom Verlaine, den ungewöhnlichen Songstrukturen und Verlaines ruhigem, trockenem Gesang. Lloyd brachte dabei vor allem das Feuer in den Bandsound, während Verlaine für die Feinheit stand. Beide Spielweisen ergänzten sich, obwohl sie sich in vielen Aspekten auch ähnelten.
Marquee Moon als Schlüsselalbum
Das bekannteste Album der Band erschien im Februar 1977: Marquee Moon. Zu seinen Stücken gehören „See No Evil“ und der knapp 11 Minuten lange Titelsong. Das Album prägte die Musik der Ära und beeinflusste spätere Bands wie R.E.M. und Sonic Youth. Die Verkaufszahlen in den USA waren zunächst wenig überzeugend, dafür erreichte Television im britischen Rockmarkt drei Hit-Singles, erfolgreiche Tourneen und zwei Top-10-Alben.
Damit war Lloyds Arbeit nicht nur ein Teil der frühen Bandgeschichte. Seine Spielweise half mit, den charakteristischen Sound von Television zu prägen, der weit über die New-York-Szene hinauswirkte.
„Richard Lloyd, dessen filigranes Gitarrenspiel für die pionierende Punkband Television ein flammendes Gegenstück zu den kraftvollen Spielweisen des Co-Gitarristen und Sängers der Band, Tom Verlaine, war, starb heute zu Hause in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee an dem Gallengangskrebs, der Cholangiokarzinom heißt.“
Die Band, CBGB und eine kurze erste Blütezeit
Der Start am CBGB
Television gehörte zu den bands, die das 1975 erfolgreiche CBGB in Lower Manhattan mit ins Leben riefen. Nach der überlieferten Geschichte gingen Verlaine und Lloyd vor dem Club vorbei, sahen den Inhaber Hilly Kristal und fragten, welche Art von Musik dort gespielt werde. Als die Antwort „Country, Bluegrass and Blues“ lautete, entstand daraus der Name des Clubs. Die Band sicherte sich einen Auftritt. Bald folgten unter anderem die Ramones, Blondie und Talking Heads.
Das CBGB wurde zum Zentrum einer Szene, die den Rock verändern sollte. Für Television war dieser Einstieg eng mit dem Bandsound verbunden. Der Gitarrist, dessen melodiöses und virtuoses Spiel die Musik der Band mittrug, war also nicht erst nachträglich Teil der Punk-Geschichte. Er stand schon am Anfang.
Zwei Alben, Trennung und Wiedervereinigung
Die erste Phase von Television endete nach zwei Alben: Marquee Moon und Adventure. 1978 löste sich die Band auf. Lloyds schwere Heroinabhängigkeit hatte die Zusammenarbeit geprägt. Im Juni 1978 entstand dennoch die Liveaufnahme Live at the Old Waldorf, die die Band kurz vor ihrer Auflösung auf dem Höhepunkt zeigt.
Nach der Trennung gingen Verlaine und Lloyd getrennte Solokarrieren. Lloyd veröffentlichte neun Soloalben. Er spielte außerdem auf Alben von John Doe von den Xs sowie auf Matthew Sweets Girlfriend von 1991. Television reforms 1992 mit einem selbst benannten Album und einer Tournee. In den folgenden Jahren traf sich die Band mehrfach wieder, meist ohne Lloyd; die Beziehung zwischen ihm und Verlaine blieb angespannt.
Warum Lloyds Tod historisch mehr bedeutet als eine Bandmeldung
Ein eigenständiger Klang trotz gemeinsamer Bühne
Lloyd wurde lange unterschätzt, während Verlaine als Frontmann und Auteur der Band galt. Die Quellen zeichnen ein differenzierteres Bild: Ihre Stile ergänzten sich, und gerade Lloyds flammende Soloarbeit gehörte zu den Elementen, die Television von Anfang an eigenständig machten. Sein Tod entfernt daher eine Stimme, die nicht bloß neben dem Sänger stand, sondern aktiv am Klang der Band mitwirkte.
Sein Weg dorthin verlief nicht geradlinig. Lloyd wurde am 25. Oktober 1951 als Richard John Alt in Pittsburgh geboren und kam noch als Säugling mit seiner Mutter nach New York. Er wuchs im Greenwich Village auf, besuchte als Teenager Konzerte im Fillmore EastStuyvesant High School verließ er vor dem Abschluss. Nach Aufenthalten in Boston und Los Angeles kehrte er nach New York zurück und gravitierte zur Szene um die New York Dolls.
Ein Gitarrist mit eigener Geschichte
Über Terry Ork lernte Lloyd die Band Neon Boys kennen, in der auch Verlaine und Richard Hell spielten. Hell verließ die Gruppe 1975; Fred Smith, später Bassist von Blondie, übernahm. David Bowie bezeichnete Television später als „the most original band I’ve seen in New York“. Die Band unterschrieb 1976 bei Elektra Records.
Lloyds Geschichte endete nicht in einem sauberen Erfolgskapitel. Seine psychischen und gesundheitlichen Probleme begleiteten seine Karriere. Doch sein neun Soloalben, seine Arbeit mit anderen Musikern und vor allem sein prägendes Spiel bei Television zeigen ein eigenständiges musikalisches Erben. Der 75-Jährige hinterließ damit mehr als eine Fußnote über eine Band, die das CBGB ins Leben rief und mit Marquee Moon den Klang einer ganzen Ära mitbestimmte.
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