Das Schienennetz der Golfstaaten nimmt Fahrt auf
Die Verbindung der Golfstaaten per Schiene ist keine neue Idee: Überlegungen gibt es seit den 1980er-Jahren. Der Iran-Krieg und die Gefahren in der Straße von Hormus geben den Bemühungen um eine Schienenverbindung neue Impulse.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Schienennetz der Golfstaaten: Neue Dynamik und offene Fragen.
Ein Abkommen in Manama, Bahrain, macht aus der langjährigen Idee ein Projekt mit klarer Route und genanntem Zieljahr. Vertreter der beteiligten Staaten unterzeichneten dort eine Vereinbarung zum Ausbau eines gemeinsamen Schienennetzes. Die Verbindung soll von Kuwait im Norden über Saudi-Arabien, Bahrain, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate bis in den Südosten des Oman führen.
Bahrains Kronprinz Salman bin Hamad empfing dazu die Vertreter der Staaten. Das klingt nach einem politischen Signal, sagt aber noch nichts über den Baufortschritt aus. Entscheidend ist, dass die route und das Zieljahr nun konkreter sind als bei den bisherigennationalen Eisenbahnprojekten.
Die Route umfasst 2.100 Kilometer und sechs Staaten
Die geplante Verbindung
Das Netz soll der Küste zum Persischen Golf folgen und einen zusammenhängenden Korridor schaffen. Im Norden beginnt die Route in Kuwait. Von dort geht es durch Saudi-Arabien und Bahrain, weiter nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Am südöstlichen Ende der arabischen Halbinsel liegt Oman.
Passagiere und Güter
Auf der mehr als 2.100 Kilometer langen Verbindung sollen Züge beide Verkehrsarten bedienen: Menschen und Waren. Damit erweitert sich der Plan von einem reinen Güterkorridor zu einem regionalen Netz, das auch den Personenverkehr einbezieht.
Der Zeitplan
Als Fertigstellungstermin nennen die Quellen das Jahr 2030. Damit liegt das Ziel in der Zukunft, auch wenn das Netz bereits in Arbeit ist. Ein fertiges, durchgehend betreibbares System ist davon zu unterscheiden.
Die Verbindung ist regional angelegt. Statt ausschließlich nationale Schienennetze zu planen, sollen die sechs Golfstaaten eine gemeinsame Achse entwickeln. Für die Strecke von Kuwait bis Oman ist das ein Projekt, das mehrere Infrastrukturprogramme miteinander verbinden müsste.
2009 war der Startschuss für den gemeinsamen Bau
Eine lange Planungsgeschichte
Die Grundidee ist nicht neu. Diskussionen über ein gemeinsames Netz reichen bereits in die 1980er-Jahre. Im Jahr 2009 einigten sich die sechs Golfstaaten auf dessen Ausbau. Damit datiert die politische Vereinbarung deutlich vor den aktuellen Announcements aus Bahrain.
Der Starttermin wurde verfehlt
Als Ziel war ursprünglich eine Betriebsaufnahme im Jahr 2018 vorgesehen. Dieser Termin wurde nicht erreicht. Die sechs Staaten kamen nach dem Abkommen von 2009 mit unterschiedlicher Geschwindigkeit voran. Das heutige Vorhaben greift damit auf eine Langzeitplanung zurück, deren erster großer Umsetzungszeitpunkt bereits verstrichen ist.
Der Ölpreis bremste die Investitionen
Eine Ursache dafür waren die deutlich gefallenen Ölpreise in den 2010er-Jahren. Die Golfmonarchien waren stark von Ölexporten abhängig. Als Einnahmen zurückgingen, mussten sie große Infrastrukturprojekte überdenken. Das betrafft den finanziellen Spielraum, aus dem auch der Schienenausbau finanziert werden müsste.
Die Qatar-Blockade verschärfte die Umsetzung
Ab 2017 verhängten mehrere Länder unter der Führung Saudi-Arabiens eine Blockade gegen Katar. Dadurch wurde die Zusammenarbeit innerhalb der geplanten Route zusätzlich erschwert. Der Verlauf des Netzes umfasst zwar alle sechs Staaten, doch die politischen Beziehungen zwischen ihnen waren in dieser Phase nicht unbeeinträchtigt.
Saudi-Arabien und die Emirate haben bereits am eigenen Netz gebaut
Ungleicher Stand bei den nationalen Projekten
Am stärksten haben bisher Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate in eigene Schienennetze investiert. Damit besitzen zwei Länder der Route bereits den größten finanziellen und infrastrukturellen Einsatz. Der geplante gemeinsame Korridor würde an diese nationalen Systeme anknüpfen.
Bahrains Transportminister bezeichnete die Pläne örtlichen Medien zufolge als „Investition in die Zukunft der Golfregion und der nächsten Generationen“. Diese Formulierung rückt den Langzeitnutzen in den Mittelpunkt. Der öffentliche Rahmen sagt allerdings nichts darüber, welcher Abschnitt zuerst gebaut wird oder wie die einzelnen nationalen Netze synchronisiert werden sollen.
Der Iran-Krieg macht die Landroute dringlicher
Die Blockade der Straße von Hormus
Mit Beginn des Iran-Kriegs im vergangenen Februar und der faktischen Blockade der Straße von Hormus hat das Projekt neue Dringlichkeit bekommen. Die Golfstaaten exportieren über den Seeweg unter anderem Öl und Flüssiggas. Gleichzeitig importieren sie auf diesem Weg Waren und Güter, darunter Lebensmittel. Eine zusätzliche Landverbindung ist vor diesem Hintergrund von unmittelbarer logistischer Bedeutung.
Hohe Verluste schwächen zugleich das Budget
Die wirtschaftlichen Verluste im Zuge des Kriegs werfen allerdings eine andere Frage auf. Können die Länder die nötigen Mittel für den Bau noch aufbringen? Die Quellen schildern damit einen Zielkonflikt: Der Schienenausbau erhält mehr Gewicht, weil der Seeweg unter Druck steht. Gleichzeitig sind die verfügbaren Ressourcen durch den Krieg belastet.
Das Netz kann die vorhandene Seefracht deshalb nicht einfach ersetzen. Es würde eine weitere Achse schaffen. Ob sie die Sicherheitsrisiken tatsächlich abmildert, hängt nicht nur von der Strecke ab, sondern auch davon, ob die Bauabschnitte finanziert und terminiert werden können.
Zwischen politischer Absicht und realem Bauabschluss liegt die offene Aufgabe
Mehr Klarheit durch die Vereinbarung
Die Unterzeichnung in Manama, die konkrete Route über 2.100 Kilometer und der Abschlusszeitpunkt 2030 machen das Netz greifbarer. Zugleich bestätigt der verfehlte Starttermin von 2018, wie viel Zeit seit der ersten Vereinbarung von 2009 bereits vergangen ist.
Die zentrale offene Frage
Die Kosten wurden in vergangenen Jahren auf rund 250 Milliarden US-Dollar geschätzt. Wegen der hohen wirtschaftlichen Verluste durch den Krieg ist unklar, ob die beteiligten Staaten das zusätzliche Kapital bereitstellen können. Damit steht weniger die Frage im Raum, ob die Golfstaaten ein gemeinsames Schienennetz wollen, als die Frage, wie sie es finanzieren und rechtzeitig umsetzen.
Mehrwert für dich
Die beiden bereitgestellten Berichte ordnen dasselbe Projekt unterschiedlich ein: Der eine hebt den gegenwärtigen Antrieb durch den Iran-Krieg und die blockierte Straße von Hormus hervor, der andere stellt die langjährige Planung in den Mittelpunkt. Zusammen ergibt das ein klares Bild von Route, Volumen und Zieltermin – aber noch keine Antwort auf die Finanzierung.
Passend dazu

Wirtschaft
VW-Ex-Manager bekommt rund 300.000 Euro: Das steckt im Rechtsstreit

Wirtschaft
Cisco rückt israelische Militärgeschäfte in den Fokus: Was die Leaks zeigen
Wirtschaft
Warnstreik bei Mercedes in Ludwigsfelde: Die zwei Themen im Hintergrund

Wirtschaft
Elf Kraftwerksprojekte, ein Gaskraftwerk: Klements Chance für Jänschwalde
Quellen
Was denkst du?
AI-unterstützt · redaktionell betreut
Scroll weiter, um zu reagieren und zu teilen.