US-Iran-Krieg: Warum die Golfstaaten ihre Rüstungsausgaben in Milliardenhöhe neu ausrichten müssen
Ein IISS-Bericht beziffert die Angriffe auf zwölf regionale Staaten und stellt die Sicherheitsarchitektur der Golfstaaten infrage. Für die Region bedeutet das: weniger Abhängigkeit von den USA und ein kritischerer Blick auf teure Hochtechnik.
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4.670 Drohnen, über 1.400 Raketen – so massiv und schwer fällt die Bedrohung aus, mit der sich die Staaten am Golf konfrontiert sehen. Nach einer Untersuchung des International Institute for Strategic Studies, kurz IISS, müssen die Golfstaaten ihre Rüstungsausgaben in Milliardenhöhe neu ausrichten. Die Gründe sind die wirtschaftlichen Schäden des US-Iran-Krieges, der fragwürdige Wert amerikanischer Militärbasen und die hohe Abhängigkeit von Washington.
Für dich als Beobachter der Region klingt das nach einer grundsätzlichen Debatte über Sicherheit. Betroffen ist nicht nur die Frage nach einzelnen Militärposten, sondern auch die Frage, wie die Golfstaaten auf Angriffe reagieren sollen, wenn amerikanische Hilfe immer weniger selbstverständlich ist.
Der Bericht liefert vor allem eine Warnung: Die bisherige Ausrichtung auf amerikanische Unterstützung und besonders teure Hochtechniksysteme wirkt unter den Bedingungen eines regionalen Krieges verwundbar. Ob eine Neuausrichtung tatsächlich gelingt, bleibt die zentrale offene Frage.
Zwölf Staaten wurden mit Drohnen und Raketen angegriffen
In den Wochen vor dem Waffenstillstand vom 8. April sahen sich zwölf regionale Staaten den Angriffen ausgesetzt, wobei der Schwerpunkt eindeutig auf der Golfregion lag. Nach den im IISS-Bericht genannten Zahlen waren es 4.670 iranische Einweg-Angriffsdrohnen und mehr als 1.400 ballistische Raketen.
Fast die Hälfte der Angriffe richtete sich gegen die Vereinigten Arabischen Emirate. Das erklärt, warum die Frage nach amerikanischen Basen und amerikanischer Militärhilfe für die Emirate besonders unmittelbar ist. Ein Standort, von dem aus ein Angriff abgewehrt oder ein Gegenschlag geführt werden soll, verliert möglicherweise an Wert, wenn sich die Basis selbst im Einzugsbereich iranischer Raketen befindet.
Die Höhe dieser Einsätze macht außerdem deutlich, dass es nicht nur um einzelne Spezialoperationen ging. Eine Koalition aus mehreren Staaten musste eine große Zahl simultaner Angriffe bewältigen.
Der größte Schaden lag womöglich in der Energieinfrastruktur
Die militärische Abwehr war trotz der Masse der Angriffe offenbar wirksam: Der weitaus größte Teil wurde abgewehrt. Doch abgewehrte Raketen und Drohnen verhindern nicht automatisch wirtschaftliche Folgen.
Eine im IISS-Bericht zitierte Schätzung beziffert die Schäden an der Energieinfrastruktur auf bis zu 58 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 43 Milliarden Pfund. Diese Zahl bezieht sich auf Infrastrukturschäden und nicht auf die Höhe der Rüstungsausgaben oder auf die Kosten der Abwehr.
Damit rückt ein zweiter Aspekt ins Zentrum: Eine Sicherheitsarchitektur kann Angriffe abfangen und trotzdem teuer ausfallen, wenn Anlagen getroffen werden. Das war laut Bericht ein zentraler Anlass, die bisherigen Verteidigungsstrukturen zu hinterfragen.
Warum die Abhängigkeit von den USA zum Problem wird
Kern des IISS-Berichts ist die Kritik an der starken Abhängigkeit von amerikanischer Unterstützung. In der bisherigen Sicherheitsarchitektur schienen die Golfstaaten darauf zu setzen, dass Washington Unterstützung bereitstellt und amerikanische Militärpräsenz einen Teil der Abschreckung übernimmt.
Der Bericht zeigt nun jedoch, dass die amerikanischen Basen selbst zum Ziel werden können. Damit stellt sich für die Golfstaaten eine doppelte Aufgabe: Sie brauchen weiterhin Unterstützung, können ihren Schutz aber nicht allein von dieser Unterstützung abhängig machen. Der Bericht prüft diese Fragen im Rahmen einer Neukonfiguration der Verteidigungssysteme.
Nach Angaben des IISS besteht dabei zugleich eine Überabhängigkeit von teuren Hochendsystemen. Der Bericht stellt damit nicht die Existenz moderner Waffensysteme infrage, sondern die Ausrichtung: Wird zu viel in wenige kostspielige Lösungen investiert, während andere Lücken in der gesamten Verteidigungsarchitektur bleiben?
Die eigentliche Streitfrage: Wie viel Sicherheit kann regionale Eigenständigkeit schaffen?
Die Aussagen des Berichts eröffnen eine Debatte, beantworten aber nicht alle Fragen. Die veröffentlichten Zahlen belegen die Dimension der Angriffe, den erheblichen Schaden an der Energieinfrastruktur und die Dringlichkeit einer Anpassung. Sie zeigen zugleich, dass die Golfstaaten während der Angriffe einen großen Teil der Geschosse abfangen konnten.
Damit liegt der Fokus nicht auf einem einfachen Urteil zwischen amerikanischer Hilfe und völliger Unabhängigkeit. Er liegt auf einer realistischeren Frage: Welche Fähigkeiten, Reserven und Entscheidungswege brauchen die Golfstaaten, wenn Unterstützung von außerhalb nicht garantiert ist und hochwertige Systeme selbst Ziel von Angriffen werden können?
Für die Region ist das keine reine Rüstungsfrage. Ein möglicherweise bis zu 58 Milliarden Dollar hoher Schaden an der Energieinfrastruktur zeigt, wie unmittelbar militärische Entscheidungen die wirtschaftliche Stabilität berühren. Der IISS-Bericht fordert deshalb eine Neuausrichtung der Sicherheitsstrategie – nach einer Phase, in der zwölf Staaten mit mehr als 6.000 Drohnen und Raketen konfrontiert wurden.
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