Reza Pahlavi erhält in Frankfurt den Freiheitspreis für das iranische Volk
Reza Pahlavi nimmt in der Frankfurter Paulskirche den Freiheitspreis für das iranische Volk entgegen. Während der Verleihung demonstrieren Tausende für ihn – ein Zeichen für seine anhaltende Popularität trotz seiner umstrittenen Rolle.
AI MODIFIEDTVS News AI redaktionell betreut präsentiert Reza Pahlavi in Frankfurt: Preis für das iranische Volk – und Demonstrationen.
Am Mittag waren in Frankfurt etwa 5.000 Menschen unterwegs, größtenteils Anhänger von Reza Pahlavi. Die Friedrich-Naumann-Stiftung verlieh dem iranischen Oppositionellen in der Paulskirche den Freiheitspreis – ausdrücklich stellvertretend für das iranische Volk. Für die spätere Großkundgebung im Ostpark waren nach Angaben der Stadt 30.000 Menschen angemeldet. Damit war die Verleihung nicht nur eine symbolische Ehrung, sondern Teil eines politischen Tages, an dem Unterstützung, Kritik und Sicherheitskräfte in derselben Stadt aufeinandertrafen.
Ein Treuhänder für ein Volk – und ein klarer Anspruch auf die Rückgabe
Reza Pahlavi, der 65-Jährige Sohn des 1979 gestürzten Schahs und im Exil lebende iranische Oppositionelle, nahm die Auszeichnung in der Paulskirche nicht für sich persönlich an. Frankfurts Bürgermeister Nils Kößler kündigte ihn am Samstag als stellvertretenden Preisträger an. Pahlavi selbst stellte die Übernahme als Treuhand dar: „Ein solcher verwahrt etwas von großem Wert, das anderen gehört. Und wenn die Zeit gekommen ist, gibt er es in Gänze zurück.“
In seiner Dankesrede kündigte Pahlavi an, den Freiheitspreis eines Tages in die Hände der „rechtmäßigen Eigentümer“ zu legen: „des iranischen Volks. Und zwar nicht auf fremdem Boden, sondern in der Hauptstadt Teheran.“ Damit war die Stellvertreterrolle zugleich eine politische Botschaft. Der Preis sollte nicht bei Pahlavi bleiben, sondern an die Bevölkerung zurückgehen, für die die Stiftung ihn bestimmte.
Die Ehrung war ausdrücklich an das iranische Volk gerichtet. Pahlavi erinnerte in seiner Rede an die Millionen Iranerinnen und Iraner, die seit Jahrzehnten für Freiheit und Demokratie kämpften – nach seiner Darstellung nicht erst seit den jüngsten Protesten gegen das Mullah-Regime, sondern seit dem Ringen um die erste iranische Verfassung im Jahr 1906.
Die Paulskirche wurde zum Schauplatz der oppositionellen Botschaft
Die Paulskirche war nicht nur der Ort der Preisverleihung. Kößler erinnerte im Grußwort an ihre Geschichte als „Wiege der deutschen Demokratie“ und sagte, sie erzähre von „Licht und Schatten“. Seine Botschaft richtete sich ausdrücklich an die Menschen, die im Iran demonstriert hatten und nach seiner Ansicht „auf brutalste Weise getötet wurden“. Frankfurt stehe an der Seite der „mutigen Menschen im Iran“.
Das Publikum in der Paulskirche war nach dem Bericht des Spiegels großteils iranischstämmig und überstimmte die Feierstunde wiederholt mit Sprechchören: „Lang lebe Schah, lang lebe Iran!“ Diese Reaktion passt zur Begründung des Stiftungsvorsitzenden Steffen Saebisch: „Sein Name wird bei den Protesten im Iran gerufen.“
Die FDP-nahe Stiftung rechtfertigte die Vergabe damit, dass Pahlavi für Frieden im Nahen Osten, die Aussöhnung des Iran mit seinen Nachbarn und Israel, freie Wahlen und ein Ende des „sinnlosen Blutvergießens“ eintritt. Er selbst wurde in seiner Rede als Brückenbauer beschrieben. Als Vertreter einer oppositionellen politischen Bewegung erhielt er damit eine Auszeichnung, die offiziell einem ganzen Volk galt.
Die Kontroverse um den Preisträger blieb offen
Lautstarke Kritik gab es nach Saebischs Worten an der Vergabe des Preises an Pahlavi. Er räumte zugleich ein: „Aber die Unterstützung war lauter.“ Damit beschreibt die Stiftung selbst den Kern der Kontroverse. Einerseits wird Pahlavi in Iran als Symbol des Widerstands gegen die Islamische Republik aufgerufen. Andererseits halten viele Menschen seine Rolle wegen der autokratischen Herrschaft seines Vaters, des Schahs, für problematisch.
Saebisch erinnerte in seiner Rede an Aida Aghili, eine 34-Jährige, die im Januar bei den Demonstrationen in Teheran gezielt mit einem Kopfschuss durch iranische Sicherheitskräfte getötet worden war. Aghili sei zum Symbol der Widerstandsbewegung geworden. Der Freiheitspreis solle deshalb an die Menschen erinnern, die sich trotz Repression für Demokratie und grundlegende Rechte einsetzen.
Auch Marie-Agnes Strack-Zimmermann, FDP-Politikerin und Mitglied des Europäischen Parlaments, stellte die Opfer in den Mittelpunkt. Nach Schätzungen von Menschenrechtsorganisationen seien bei der Niederschlagung der Proteste bis zu 30.000 Menschen ums Leben gekommen. Sie erinnerte daran, dass das Regime das Internet abgeschaltet habe, die Demonstrationen im Iran aber weiter zu sehen gewesen seien. „Wir senden heute das Signal: Ihr seid nicht allein“, sagte sie.
5.000 Demonstranten, später 30.000 angemeldet – die Lage blieb friedlich
Die Verleihung wurde wegen zahlreicher Demonstrationen und Gegendemonstrationen im Stadtgebiet von vielen Polizeikräften gesichert. Nach den Angaben der Tagesschau waren zur Mittagszeit im gesamten Stadtgebiet etwa 5.000 Demonstranten unterwegs, größtenteils Anhänger Pahlavis. Der Bericht der Tagesschau schildert außerdem, dass erste Teilnehmer der Großkundgebung im Ostpark bereits zur Paulskirche gekommen waren. Für die spätere Veranstaltung im Ostpark waren nach Angaben der Stadt insgesamt 30.000 Menschen angemeldet.
Der Spiegel nennt für den Mittag rund 3.000 Menschen mit Flaggen und Plakaten auf dem Römerberg und rund um die Paulskirche. Die unterschiedlichen Zahlen beziehen sich auf unterschiedliche Orte und Stichproben: einmal auf das gesamte Stadtgebiet, einmal auf die Umgebung der Verleihung. Sicher ist: Für Pahlavi war die Mobilisierung deutlich sichtbar.
Die Polizei vermerkte außerdem eine Festnahme im Bereich der Kundgebungen. Es gab einen Hinweis auf einen Livestream, in dem Straftaten angekündigt worden seien. Die Lage blieb nach den Angaben der Behörden dennoch friedlich. Das doppelte Bild bleibt bestehen: Pahlavi erhielt den Preis eines Volkes, während Tausende seine Botschaft trugen und die Auswahl des Repräsentanten zugleich scharf kritisiert wurde.
Ein Signal gegen das Vergessen
Pahlavi rief die Iranerinnen und Iraner zu weiterem Widerstand auf. Er erinnerte an die blutigen Niederschlagungen der Proteste am 8. und 9. Januar, bei denen nach seiner Darstellung Tausende getötet und ermordet wurden. „Sie beweisen es jedes Mal, wenn sie sich unbewaffnet Männern mit Maschinengewehren gegenüberstellen“, sagte er. „Ein Volk, das sich gemeinsam in den Kugelhagel stellt, kann auch gemeinsam zur Wahlurne gehen.“
In der Laudatio sprach Bijan Djir-Sarai vom FDP-Bundesvorstand über das Risiko, sich im Iran für Freiheit und Menschenrechte einzusetzen: Haft, Folter, schwere Verletzungen oder Tod. „Man muss kein Iraner sein, um den Freiheitskampf im Iran zu verstehen. Man muss nur ein Mensch sein.“ Unter Applaus wünschte er der Islamischen Republik einen Platz auf dem „Müllhaufen der Geschichte“.
Damit fasste die Verleihung einen konkreten politischen Konflikt zusammen: Der Freiheitspreis war für die protestierende Bevölkerung bestimmt, wurde aber von einem oppositionellenpolitiker mit einer monarchischen Familiengeschichte entgegengenommen. In Frankfurt machten 5.000 Anwesende im Stadtgebiet und die für den Nachmittag angemeldeten 30.000 Teilnehmer deutlich, wie stark die Auseinandersetzung über die richtige Stimme für das iranische Volk war.
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